Apfelgenuss für Apfelallergiker

16 Kilo Äpfel essen Herr und Frau Schweizer im Schnitt pro Jahr. Der Apfelgenuss hat allerdings für rund zehn Prozent der Bevölkerung, darunter mehrheitlich Birken-Allergiker, unangenehme Nebenwirkungen. 2017 soll das ändern, denn dann kommen zwei neue, allergikerfreundliche Sorten auf den Markt.

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Apfel-Allergie – Neue Früchte ermöglichen trotzdem Genuss

4:57 min, aus Puls vom 17.10.2016

Viele Birkenpollenallergiker kennen die Situation: Allergische Beschwerden machen sich nicht nur während der Zeit des Birkenpollenflugs bemerkbar – auch bei einem Biss in den Apfel kribbelt es plötzlich an Lippe, Zunge oder im Rachen. Es entsteht Hautausschlag oder im Extremfall sogar Atemnot.

Dieses Phänomen wird als Kreuzallergie bezeichnet. Verantwortlich für die unerwünschte Abwehrreaktion des Immunsystems auf eigentlich unproblematische Pollen und eben Nahrungsmittel sind bestimmte Eiweisse. Und da sich die Eiweisse von Birke und Apfel sehr ähneln, entsteht eine solche Kreuzreaktion.

Alternativen zum Verzicht

Wer keine unliebsame Überraschung erleben will, verzichtet deshalb auf den Konsum frischer Äpfel. Gekocht ist das Obst unproblematisch, da das Allergie auslösende Mal-d-1-Protein beim Erhitzen zerstört wird.

Ab 2017 gibt es auf dem Schweizer Obstmarkt eine weitere und eben genussvolle Alternative: den allergikerfreundlichen Apfel. Gezüchtet in Bayern und seit diesem Jahr auch in der Schweiz in Test-Kulturen angebaut. Eigentlich sind es sogar zwei Sorten: Der Züchter nennt die Äpfel «Sonnenglanz» und «Gräfin Goldach».

Ob die Äpfel in der Schweiz den gleichen Namen haben werden, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass beide Sorten vergleichsweise sehr geringe Mengen vom für Allergiker problematischen Mal-d-1-Protein enthalten. Erste Tests an Kliniken in Deutschland sind vielversprechend. Und auch Personen, die für «Puls» die «Gräfin Goldach» testgegessen haben, blieben symptomfrei.

Alte Sorten nicht unbedingt besser

Die beiden Äpfel wurden nicht gezielt für Apfel-Allergiker gezüchtet – dass sie ihnen gut bekommen, war vielmehr ein Zufallsbefund. In Deutschland werden Rückmeldungen von Apfel-Allergikern zu verköstigten Sorten systematisch gesammelt. So ist über Jahre eine Liste von Apfelsorten entstanden, die von Allergikern als verträglich beziehungsweise unverträglich beurteilt worden sind.

Die Annahme, dass alte Apfelsorten generell von Apfel-Allergikern besser vertragen werden, hat sich dabei übrigens nicht erhärtet. So wird die neu gezüchtete Apfelsorte «Santana» gut vertragen, die aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Sorte «Cox Orange» hingegen nicht.

Auch einen Zusammenhang mit der Menge an Polyphenolen und der Verträglichkeit hat sich bis heute nicht bestätigt. Eine grosse Menge an Polyphenolen würde das Mal-d-1-Protein inaktivieren, war in einer Studie vermutet worden. Diverse alte und neuere Apfelsorten tanzen bei dieser Vermutung aber aus der Reihe – ein eindeutiger Beweis fehlt.

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