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Alltag & Umwelt Bettwanzen als blinde Passagiere

In Abwesenheit eines menschlichen Wirts zieht auch Dreckwäsche im Reisegepäck Bettwanzen an.

Legende: Video Dreckwäsche zieht Bettwanzen an abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus Puls vom 23.10.2017.

Bettwanzen können richtig nerven. Ihre Stiche jucken. Kratzt man, droht eine Entzündung. Nun fanden Forscher heraus: «Dieses Verhalten ermöglicht den Bettwanzen, in den Wäschebeuteln von Reisenden um die Welt zu trampen», erklärt William Hentley von der Universität Sheffield (Grossbritannien). Bettwanzen finden normalerweise den Geruch im Bett schlummernder Menschen verlockend. Die kleinen, papierdünnen Blutsauger breiten sich zunehmend weltweit aus. «Dies kann zumindest teilweise mit der Zunahme von billigeren internationalen Reisemöglichkeiten erklärt werden», so Hentley.

Reise in der Schmutzwäsche

Normalerweise leben die nachtaktiven Parasiten in bevorzugten, immer wieder genutzten Verstecken. Dass die Tiere dennoch in Koffer gelangen, konnten Forscher bisher nicht erklären.

Nun steht fest: Die Tiere werden vom Geruch dreckiger Wäsche angelockt, wie das Team um Hentley im Fachjournal «Scientific Reports» schreibt. Um zu verhindern, dass sie die Plagegeister verschleppen, sollten Reisende daher Dreckwäsche nicht auf dem Boden liegen lassen.

Finde die Dreckwäsche

In einem Experiment legten die Wissenschaftler vier Beutel in jeweils zwei identische Räume in denen sie Bettwanzen frei herumlaufen liessen. In zwei der Beuteln befand sich saubere Kleidung, in den anderen zwei Dreckwäsche.
Die Forscher konnten die Temperatur und die CO2-Konzentration in den Zimmern regulieren. Eines der Zimmer wurde mit genug CO2 angereichert, um die Anwesenheit eines atmenden Menschen nachzuahmen. Das andere Zimmer blieb «unbewohnt», also frei von erhöhten CO2-Werten.

Notlösung Schmutzwäsche

Bei niedrigen CO2-Werten – also der simulierten Abwesenheit eines Menschen – krochen die Tierchen doppelt so häufig auf die Beutel mit der Dreckwäsche als auf die Beutel mit sauberer Wäsche. Bei höheren CO2-Werten – also der simulierten Anwesenheit eines Menschen – verstärkten sie die Suche nach einem Blut-Snack sogar noch.

Bettwanzen sind Blutsauger, die von Wärme, CO2 und Körpergeruch angezogen werden. Sie benötigen ihren Wirt, den Menschen, um sich zu ernähren. Krankheiten übertragen die Tierchen nicht, aber durch das Kratzen der Stichstellen können sich diese entzünden.

Exponentielle Vermehrung

Bettwanzen können sich rasend schnell ausbreiten. Ein einziges Weibchen kann innerhalb von zehn Wochen für eine regelrechte Wanzen-Epidemie sorgen. Sie legt je nach Alter eins bis zwölf Eier pro Tag, und die Population wächst exponentiell.

Im Falle eines Befalls benötigt man meist einen professionellen Schädlingsbekämpfer, um die Wanzen zu entfernen. Die Zimmer werden dafür mit Insektenschutzmitteln besprüht, befallene Gegenstände umgehend entfernt, Matratzen gewechselt, und Möbel auseinandergebaut.

Wer keine Insektizide nutzen will, um die Wanzen zu töten, sollte sich entweder den Gefrierschrank oder die Sonne zu Nutzen machen. Die Tiere vertragen keine extrem niedrigen (-18°C) oder hohen (50-60°C) Temperaturen.

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