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Körper & Geist Die schwere Last der Diäten

Gut die Hälfte der Erwachsenen will abnehmen – viele probieren das mit strengen Diäten und streichen zahlreiche Nahrungsmittel von der Speisekarte. Die Medizin warnt seit Jahrzehnten vor der Schädlichkeit und Nutzlosigkeit solcher Diäten und doch erliegen immer wieder Menschen der Verlockung.

Legende: Video Besser abnehmen – Mit Geduld statt Crashdiät zum Wunschgewicht abspielen. Laufzeit 19:00 Minuten.
Aus Puls vom 15.01.2018.

Gut die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung hadert mit ihrem Gewicht und will abnehmen. Das Mittel der Wahl: immer neue Diäten – nicht selten auch radikale Hungerkuren, bei denen Kohlenhydrate oder wichtige Nahrungsmittel komplett vom Speiseplan gestrichen werden. «5 Kilo weg in einer Woche», «Express 23 Kilo Bauchfett weg», «4 Wege zum Wunschgewicht»: Die Versprechen der Werbung sind verlockend und haben wie immer im Januar Hochsaison. Schnell, einfach und sogar mit Genuss die lästigen Kilos loswerden – ein Millionen schweres Geschäft.

Doch dass solche Diäten langfristig nichts wert sind, weiss man eigentlich schon lange. Medizin und Wissenschaft warnen seit Jahrzehnten vor der Schädlichkeit und Nutzlosigkeit solcher Diäten, und doch erliegen immer wieder Menschen der Verlockung, schnell und einfach schlanker zu werden. Rund 8 bis 13 Prozent der Bevölkerung waren es in einer Erhebung 2012. Sie schränken sich dann oft stark ein, essen einseitig, streichen ganze Nahrungsgruppen von der Speisekarte.

Abnehmen ist ein Langzeitprojekt

Eine Diät ist jedoch nicht eine Frage von ein bis zwei Wochen oder Monaten, sondern ein Langzeitprojekt. Man muss die Ernährung umstellen, sich mehr bewegen, Gewohnheiten ändern. Genau das ist meist die grösste Herausforderung für Übergewichtige. Ernährungsumstellungen müssen so angepasst werden, dass im Alltag wenig davon zu spüren ist und man die Änderung lebenslang durchhalten kann. Starke Einschränkungen und Essverbote sind kontraproduktiv. Häufig müsste nur die Menge reduziert oder anders verteilt werden. Die Menüs auf dem Teller sollten nämlich ausgewogen sein, also die Hälfte aus Gemüse oder grünem Salat bestehen, ein Viertel Eiweiss-Produkten und ein Viertel aus Kohlenhydraten. Drei Mahlzeiten pro Tag mit einem normal gefüllten Teller und keine Naschereien zwischen durch. Diese Massnahmen führen in der Regel zu einem langsamen kontinuierlichen Abnehmen, doch das braucht Geduld und einen langen Atem.

Trotzdem ist das Abnehmen leider oft nicht einfach. Das Gewicht ist ein sehr individuelles, sehr komplexes Zusammenspiel von Gewohnheit, Körperbau, Vererbung, psychischen und sozialen Faktoren. Viele Umstände können eine Gewichtsreduktion erschweren.

Frustesser haben es schwerer

Ein Punkt ist die genetische Veranlagung, weiter kommt der aktuelle Body-Mass-Index (BMI) dazu: Je «fester» man ist, desto höher der Widerstand des Körpers gegen Gewichtsverlust. Dann die Diätkarriere: Je mehr Diäten man hinter sich hat, desto weniger ist der Körper gewillt abzunehmen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter man ist, desto schwieriger wird es. Zudem erschweren emotionale Überlagerungen des Essverhaltens das Abnehmen: wenn man etwa isst, um sich zu trösten oder abzulenken. Und schliesslich können psychische Erkrankungen wie Essstörungen oder Depressionen hinderlich sein.

Wenn man mehrere Anläufe genommen und es nicht geklappt hat, sollte man Hilfe bei einer gut informierten Fachperson in Betracht ziehen. Sei es ein Ernährungsberater, Physiotherapeut, Allgemeinarzt, Adipositas-Berater oder Psychotherapeut. Für Leute, die schwer übergewichtig sind, also einen BMI über 40 aufweisen, könnte unter bestimmten Voraussetzungen ein operativer Eingriff sinnvoll sein.

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