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Frühkindlicher Autismus Die Therapie trägt messbar Früchte

Durch eine intensive Lern- und Verhaltenstherapie hat Mattia schon sehr grosse Fortschritte gemacht. Vor allem kann sich der Vierjährige jetzt sprachlich viel besser ausdrücken. Er ist ausgeglichener und fröhlicher geworden.

Legende: Video Autismus-Therapie (2) abspielen. Laufzeit 6:20 Minuten.
Aus Puls vom 23.11.2015.

Am Anfang der Therapie musste Mattia lernen, mit seinem Gegenüber Augenkontakt aufzunehmen, dann war die Aufgabe, Gegenstände mit einem Laut oder Wort zu benennen. Beide Ziele hat Mattia durch intensives Üben schon nach den ersten paar Monaten erreicht.

Acht Monate nach Therapie-Beginn hat er weitere, überdurchschnittlich grosse Fortschritte gemacht. Er bildet jetzt Sätze, die zwei oder drei Wörter umfassen. Damit kann er sich bereits viel besser ausdrücken. Sein Wortschatz und sein Sprachverständnis verbessern sich fortlaufend. Bald soll er lernen, in der «Ich-Form» zu reden.

Für den Schritt in eine Gruppe vorbereiten

Bis jetzt bewegte sich Mattia fast ausschliesslich in seinem vertrauten Umfeld. Therapeutinnen kommen nach Hause, die Familie ist ganz auf ihn eingestellt. Bald soll Mattia erste Schritte in eine Spielgruppe mit anderen Kindern wagen. Deshalb ist es wichtig, dass er jetzt langsam begreifen lernt, was es bedeutet, ein Miteinander zu pflegen, gemeinsam zu spielen.

Kindern wie Mattia ist dieses Miteinander fremd. Sie haben die Tendenz, sich rasch abzukapseln. Das grosse Ziel der Eltern ist nach wie vor, dass Mattia kommenden Sommer in den regulären Kindergarten eintreten kann.

Pauschalbeitrag der IV

Das rund zweijährige Programm einer frühen, intensiven verhaltenstherapeutischen Intervention (FIVTI) bei frühkindlichem Autismus kostet insgesamt rund 120'000 Franken. Je nach finanzieller Lage einer Familie übernimmt die Organisation Pro Infirmis mehr oder weniger grosse Teile der Therapie-Kosten. Es kann sein, dass eine Therapie die Eltern sehr stark belastet.

Die Invalidenversicherung bezahlt seit rund einem Jahr einen Pauschalbetrag von 45‘000 Franken an das anerkannte Therapie-Programm (siehe IV-Rundschreiben Nr. 325 vom 23. Dezember 2013). Im IV-Rundschreiben heisst es:

  • In verschiedenen Ländern durchgeführte Studien würden auf eine «vielversprechende Besserung der Symptomatik hinweisen».
  • Heute werde die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethoden bei frühkindlichem Autismus unter den Autismusexperten kaum mehr angezweifelt.
  • Die Fallpauschale wird für eine Therapie an insgesamt fünf Schweizer Zentren in Zürich, Genf, Muttenz, Riehen und Sorengo aus (Adressen siehe PDF)

Die in der «Puls»-Serie vorgestellte Intensivtherapie bei frühkindlichem Autismus ist bewusst gewählt. Es handelt sich um eine frühe verhaltenstherapeutische Intervention (FIVTI), basierend auf der angewandten Verhaltensanalyse («Applied Behavior Analysis»). Die FIVTI-Methode ist wissenschaftlich gut untersucht, ihre Erfolge sind belegt. Darum übernimmt die Invalidenversicherung seit einem Jahr einen Teil der Therapiekosten in Form einer Pauschale. Die IV unterstreicht in einem Rundschreiben, dass der FIVTI-Therapie-Ansatz in der Fachwelt anerkannt ist. Allerdings muss die Therapie von spezialisierten Stellen durchgeführt werden. In der Regel übersteigt die Nachfrage das Angebot. Einen hohen Stellenwert hat bei dieser Lern- und Verhaltenstherapie die Förderung des Sprachverständnisses und des aktiven Sprechens. Die Frühförderung umfasst aber auch die Bereiche soziale Interaktion, Spielfertigkeiten, Alltagsaktivitäten. Sie wird in der Regel bis zum Kindergarten-Eintritt zu Hause durchgeführt, unter Einbezug der Eltern.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Bettina Schmutz, Schweiz
    Die anerkannten therapiestellen für die kostenübernahme der iv sind in zürich, genf, riehen bl, sorengo ti . Also je nach wohnort ist es gar nicht möglich die therapie an einem diesen zentren zu machen. Zudem wenn man aufgrund, weil es in diesen zentren keinen freien therapieplatz hat und man selbst eine solche therapiefirma findet, welche die therapie nicht schlechter ausführt, bezahlt die iv nichts, resp. Die iv weigert sich sogar die therapie für eine kostenübernahme zu prüfen.
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  • Kommentar von Nathalie Glenn, Köln
    Es wird zuviel Zeit mit "Therapie" verbracht und zuwenig Zeit mit Familie und Leben. Ich sehe keinen Jungen, der Spass hat, ich sehe einen Jungen, der sich einfügen musste und schlimmste Qualen ertragen hat, nämlich erzwungenen Blickkontakt. Viele Betroffene berichten über Spätfolgen wie, dass sie nicht wissen wer sie wirklich selber sind, weil zuviel "antrainiert" wurde und über eine Unfähigkeit "Nein" zu Dingen zu sagen, die Ihnen nicht gut tun, weil das genau garnicht vermittelt werden kann.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Unser Sohn hatte damals das Glück, am Ende der Welt manche Jahre einen viel unkomplizierteren, natürlicheren Umgang in seinem Umfeld erfahren zu haben, was die Entdeckung seiner Gefühle für andere, aber auch seine Talente mobilisierte. Zürück in der CH, förderten wir vor allem seine Leidenschaften. Er ist darin förmlich aufgegangen, hat sich geöffnet, und keiner merkt heute mehr, was einmal war.
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