Ausgerenkte Schulter

Einmal draussen, immer wieder draussen? Prof. Christian Gerber und Dr. Silvan Beeler haben Fragen rund um das schmerzhafte Thema Schulter-Luxation beantwortet.

Prof. Christian Gerber und Dr. Silvan Beeler

Bildlegende: Prof. Christian Gerber und Dr. Silvan Beeler haben im Experten-Chat Ihre Fragen beantwortet. SRF

Die Beweglichkeit des Schultergelenks macht viele alltägliche Bewegungsabläufe erst möglich, ist aber auch das grösste Handicap: Kommt es zu einer ungünstigen Belastung kann die Schulter aus dem Gelenk springen. Meist kommt es zum Auskugeln – einer Luxation –, wenn sich bei einem Sturz eine hebelnde Bewegung am Oberarm mit einer Drehung nach aussen ereignet, wobei der Arm vom Körper weggeführt wird.

Was ist in so einem Fall zu tun und zu beachten? Und wie gross ist das Risiko, dass sich das schmerzhafte Auskugeln künftig wiederholt? Untenstehend eine Auswahl der Fragen, die Prof. Christian Gerber und Dr. Silvan Beeler von der Orthopädie Uniklinik Balgrist unter anderem gestellt wurden. Das gesamte Chat-Protokoll finden Sie im oben verlinkten PDF.

  • Frage von S. S., Zuzwil: In Filmen «knallen» sich Leute ihre ausgrenkte Schulter kurzerhand wieder selber rein. Wie realistisch ist das?
    Antwort von Dr. Silvan Beeler: Häufig kann eine Schulter die das erste Mal ausgerenkt wird nicht oder nur sehr schwer wieder eingerenkt werden, ausser sie schnappt von selbst zurück. Es gibt Leute, die schon öfters eine Luxation hatten und die Schulterkapsel und das Gewebe ist dabei ausgeweitet. Solche Leute können die Schulter selbst wieder einrenken. Auch Leute mit laxen Schultern können dies unter Umständen. Also ist es realistisch.
  • Frage von J. H., Wettingen: Habe mir bei einem Handballspiel am Samstag laut meinem Arzt die Schulter ausgekugelt gehabt. Auf dem Röntgenbild sind keine Schäden zu erkennen. Soll ich mich kommendes Wochenende schonen, oder kann ich die Schulter zB tapen?
    Antwort von Prof. Christian Gerber: Falls Sie die Schulter tatsächlich ausgerenkt hatten, sollten Sie Ausholbewegungen (Wurfbewegungen) für sechs Wochen vermeiden. Es hängt noch etwas davon ab wie alt sie sind. Insbesondere, wenn sie älter als 25 sind, sollten sie eine gute Prognose haben und haben eine grosse Chance nachher wieder erfolgreich Handball spielen zu können
  • Frage von R. S., Matten bei Interlaken: Bei einem Sehnenriss bei der Schulter, vernarben die Sehnen, dass man mit der Zeit nicht mehr unter Schmerzen leidet?
    Antwort von Prof. Christian Gerber: Nein in der Regel heilt ein Sehnenriss an der Schulter nicht aus. Es gibt aber Sehnenrisse, die sehr wenig Symptome machen. Der Entscheid, ob abgewartet werden soll und auf eine Behandlung verzichtet werden kann, sollte von einem Spezialisten beurteilt werden.
  • Frage von N. S., Bauma: Guten Tag ich bin jetzt 26 Jahre alt und habe meine Schulter schon mindestens 10 Mal ausgekugelt. Ich habe die Schulter immer selber wieder eingerenkt. Hilft mit nur eine OP? Ich habe das Problem bei beiden Schultern.
    Antwort von Dr. Silvan Beeler: Höchstwahrscheinlich kommen Sie um eine Operation nicht herum. Sie haben es beidseits, wie Sie schreiben. Möglicherweise haben Sie zudem sehr laxe Gelenke (nicht nur Schulter). Bei diesen Leuten renkt die Schulter noch viel häufiger auch bei kleinen Unfällen aus. Aber: Eine Operation ist kein «Muss» - es hängt nur von Ihrem Leidensdruck ab.
  • Frage von E. I., Aarburg: Was gibt es denn noch für Operationsmethoden?
    Antwort von Prof. Christian Gerber: Es gibt im wesentlichen Operationen, welche nur die Bänder reparieren (Weichteiloperationen) oder Operationen, welche einen knöchernen Defekt angehen (Knochenblockoperationen). Beide Typen können sowohl offen als auch arthroskopisch (Schlüssellochchirurgie) durchgeführt werden; die Wahl der Operationstechnik hängt von der exakten Schädigung und der Erfahrung des Orthopäden ab.
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Ausgekugelte Schulter – Der Preis der Beweglichkeit

16 min, aus Puls vom 18.2.2013

Experten am Telefon

Dr. Gábor Puskás, Dr. Andreas von Roll und Dr. Karl Wieser

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Gábor Puskás, Dr. Andreas von Roll und Dr. Karl Wieser

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