Künstliche Befruchtung

Viele Paare versuchen jahrelang, ein Kind zu bekommen – ohne Erfolg. Die Medizin kann eine Schwangerschaft fördern. Welche Methode sich für wen eignet, erklären Dr. Mischa Schneider und Prof. Bruno Imthurn.

 Prof. Bruno Imthurn und Dr. Mischa Schneider

Bildlegende: Prof. Bruno Imthurn und Dr. Mischa Schneider SRF

Eine eigene Familie zu haben, ist für viele Menschen der grösste Wunsch. Doch nicht immer ist das Schwangerwerden die natürlichste und einfachste Sache der Welt. Die Fertilitätsmedizin hält für Paare, bei denen es auch nach Jahren noch nicht auf natürlichem Wege mit einem Kind geklappt hat, verschiedene Methoden bereit. Während die In-Vitro-Fertilisation versucht, Spermien und Eizelle unter optimalen Laborbedingungen zusammenzuführen, hilft die intracytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) nach, indem im Labor ein Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird.

Dr. Mischa Schneider und Prof. Bruno Imthurn haben im «Puls»-Chat erklärt,  welche Methode sich für welches Paar eignet, welche Zentren empfehlenswert sind und mit welchem finanziellen Aufwand Paare rechnen müssen. Fünf der Antworten finden Sie hier, das komplette Protokoll in der Box zum Download..

  • Frage von B. K., Einsiedeln: Welchen Vorteil habe ich, wenn ich in Bregenz eine künstliche Befruchtung (ICSI) machen lasse, gegenüber dem Angebot in der Schweiz?
    Antwort von Dr. Mischa Schneider: Bregenz, Österreich, hat eine andere Gesetzgebung. Deswegen können in Bregenz alle befruchteten Eizellen für fünf Tage kultiviert werden. Zu diesem Zeitpunkt kann die beste Eizelle ausgewählt und transferiert werden. Die Eizellen können auch zu diesem Zeitpunkt eingefroren werden. Im Rahmen des ersten Transfers kann eine Erfolgsrate von 40 bis 50 Prozent erreicht werden. Die Behandlung in Bregenz hat aber auch Nachteile. Es werden generell zu viele Medikamente verschrieben, die Behandlung ist teurer und die Belastung, diese Behandlung in der Ferne durchführen zu lassen, ist nicht zu unterschätzen. Wenn man die Erfolgsrate nicht pro Transfer, sondern pro Stimulation rechnet, ist die Behandlung in Bregenz nicht besser.
  • Frage von Y. L., Kloten: Mein Mann und ich versuchen seit fast zwei Jahren, schwanger zu werden. Ich bin 33, er 30. Wir sind am überlegen, uns testen zu lassen, ob wir überhaupt Kinder haben können. Würden Sie uns das empfehlen, oder sollen wir einfach noch abwarten?
    Antwort von Prof. Bruno Imthurn: Ich rate Ihnen, mit der Abklärung zu beginnen. Man spricht von einer Sterilität, wenn nach einem Jahr regelmässigen Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist. Da Sie noch jung, d.h. unter 35 sind, sind Ihre Chancen auf Erfolg sicher sehr gut.
  • Frage von L. S., Cadro: Sind Kinder nach IVF/ICSI in ihrer Entwicklung besonders?
    Antwort von Dr. Mischa Schneider: Nein. Nachdem eine Schwangerschaft durch IVF oder ICSI entstanden ist, ist der Verlauf gleich, wie bei einer spontan entstandenen Schwangerschaft. In der letzten Zeit gibt es gewisse Studien, die eine leicht erhöhte Fehlbildungsrate bei IVF oder ICSI vermuten, jedoch liegen diese Veränderungen im Bereich von 1:1000. Ob diese Studien die Wahrheit sagen, ist noch offen.
  • Frage von M. S., Zollikofen: Wie hoch sind die Gesamtkosten für ICSI bei der Klinikbehandlung in Zürich und sind diese über die Krankenversicherung gedeckt?
    Antwort von Dr. Mischa Schneider: Eine ICSI in Zürich kostet 6000 bis 8000 Franken, in privaten Zentren bis 10'000 Franken. Die Krankenkassen bezahlen leider nichts an die Behandlung.
  • Frage von R. A., Arbona: Ab wann empfehlen Sie eine künstliche Befruchtung? Ab welchem Alter und nach wie vielen Monaten vergeblichen Versuchen?
    Antwort von Prof. Bruno Imthurn: Das kommt darauf an, was die Ursache für die Sterilität ist. Die meisten Zentren haben keine untere Altersgrenze, beenden aber eine IVF-Behandlung (künstliche Befruchtung) mit 43 Jahren.
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Neue Chancen der künstlichen Befruchtung?

16 min, aus Puls vom 11.2.2013

Experten am Telefon

Dr. Peter Fehr, Prof. Anita Rauch und Dr. Sabine Steinmann

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Peter Fehr, Prof. Anita Rauch und Dr. Sabine Steinmann

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