Zum Inhalt springen

Experten-Chat Schaufensterkrankheit

Bei der Schaufensterkrankheit schmerzen die Beine der Betroffenen so, dass sie stehen bleiben müssen – wie vor einem Schaufenster. PD Christina Jeanneret und Prof. Hugo Saner haben Fragen zu der weit verbreiteten Erkrankung beantwortet.

PD Christina Jeanneret und Prof. Hugo Saner
Legende: PD Christina Jeanneret und Prof. Hugo Saner SRF

Schaufensterkrankheit - der Begriff klingt verharmlosend und spiegelt nicht der Ernst der Erkrankung wider. Denn bei der Schaufensterkrankheit handelt es sich um eine sehr schwere Form der Arteriosklerose in Beingefässen. Durch die verengten Gefässe kann das Blut nicht mehr ungehindert zirkulieren. Wenn die Beinmuskeln in Bewegung, zum Beispiel beim Gehen, mehr durchblutet werden müssten und das nicht möglich ist, reagieren die Muskeln mit starken Schmerzen auf dieses Defizit – die Betroffenen müssen stehen bleiben, wie vor einem Schaufenster. Verschiedene medizinische Eingriffe können die Gefässe wieder öffnen. Doch währt der positive Effekt oft nur für kurze Zeit. Wesentlich effektiver, aber auch mühsamer, ist das Gehtraining. PD Christina Jeanneret und Prof. Hugo Saner haben im Live-Chat erklärt, warum dem so ist und was es bei dieser Erkrankung zu beachten gilt. Fünf der Fragen finden Sie hier.

  • J. W., Wallisellen: Was ist bei Gehtraining zu beachten? Wann muss pausiert werden? Sobald der Schmerz auftritt? Oder muss möglichst lange - solange aushaltbar - gegangen werden?
    PD Christina Jeanneret: Es gibt verschiedene Schulen. Die am häufigsten angewandte Methode ist das Laufen bis zur Schmerzgrenze, danach stoppen. Bei anhaltendem Training kann es sein, dass sie durch den Schmerz hindurchlaufen können.
  • M.R., Schönenberg an der Thur: Ich habe im linken Bein eine Durchblutungsstörung und konnte noch ca. 500 Meter laufen. Ich wurde vor ca. vier Wochen mit Ballon behandelt. Nachher war es gut. Am nächsten Tag war die Vene wieder zu und ich konnte nur noch ca. 100 Meter laufen. Nach fünfmaligem Gehtraining schaffe ich wieder ca. 250 Meter, dann ca. zehn Minuten Pause, dann nochmal so viel. Als Chauffeur habe ich aber keine Zeit für die Therapie.
    Prof. Hugo Saner: Eine intensive Risikofaktorenintervention inklusive Gehtraining ist enorm wichtig, sonst geht die Krankheit weiter und es folgt bald das nächste Problem. Eventuell müssen Sie auch die Arbeit mit einem Arbeitszeugnis unterbrechen, damit Sie Zeit für ein solches Training haben. Die Erkrankung ist so schwerwiegend, dass Sie sich die Zeit nehmen müssten.
  • J. H., Gonten: Ab welchem Alter kann die Schaufensterkrankheit auftreten?
    PD Christina Jeanneret: Bereits in jungen Jahren schon, dann allerdings häufiger bei Patienten, die Arteriosklerose in der Familie haben, selten sind auch angeborene Gefässkrankheiten mit Degeneration der Gefässwand oder aber Entzündungen der Gefässe verantwortlich. Selten gibt es Nebenwirkungen von Migränemitteln.
  • F. G., Aegerten: Zur Vorbeugung der Schaufensterkrankheit: Wenn die Beine mit 68 schwerer werden, ist es sicher sinnvoll, viel zu laufen. Wie ist es aber mit Velofahren?
    Prof. Hugo Saner: Zum Vorbeugen ist Velofahren gleichwertig mit Laufen. Wenn eine Schaufensterkrankheit vorhanden ist, dann ist ein Gehtraining therapeutisch besser.
  • J. W., Wallisellen: Welche Trainingsmethode ist effizienter: Laufbandtraining oder Gehen/Marschieren im Feld? Und welches sind die minimalen Trainingszeiten, um einen Therapie-Effekt zu erzielen?
    Prof. Hugo Saner: Beide Trainingsarten sind im Prinzip gleichwertig. Auf dem Laufband läuft man aber im Allgemeinen intensiver. Die minimale Trainingszeit pro Einheit für einen guten Langzeiteffekt ist zwölf bis 15 Minuten, die ideale Trainingszeit 30 bis 45 Minuten pro Tag.
Legende: Video Gehtraining bei Schaufensterkrankheit abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Puls vom 17.12.2012.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Toni Lukacek, Hinwil
    Grundsätzlich ist ein gut versorgter Körper (ganzheitliche Lebensmittel und ursprüngliches Wasser) sowie viel Bewegung bzw. Muskeltraining essentiell für einen gesunden Körper. Wenn man begreift dass es der Ärzteschaft und den Spitälern prioritär um ihr Einkommen/Gewinn und nicht um die Gesundheit der Menschen geht, wird Vieles klar. Würden sie wirklich um die Gesundheit der Menschen gehen, müssten die Meisten in der Krankheitsindustrie ihre Segel streichen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen