Schlaflos durch Stress – was tun?

Viele Menschen fühlen sich gestresst. Psychologin Jeannine Born und Dr. Niklaus Egloff halten Tipps zum richtigen Umgang damit parat.

Dr. Niklaus Egloff und Psychologin Jeannine Born

Bildlegende: Dr. Niklaus Egloff und Psychologin Jeannine Born SRF

Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, Nervosität und Anspannung machen sich breit – kurzum: Stress kann ein unangenehmes Gefühl sein. Trotz allem gehört er zum Leben dazu und ist kein Problem, solange die Balance stimmt und es genügend Nischen zur Entspannung im Alltag gibt. Gerade da liegt das Problem. Beginnt man, den Stress im Job nach Hause mitzunehmen, im Familienalltag die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen und nichts dafür zu tun, auch einmal durchzuatmen, kommt es zum Teufelskreis. Denn Dauerstress kann richtiggehend krank machen – und das verstärkt die Anspannung dann zusätzlich.

Schon kleine Massnahmen helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Wie das gelingen kann, haben die Psychologin Jeannine Born und Dr. Niklaus Egloff, Arzt für Psychosomatik, im «Puls»-Chat erklärt. Fünf ihrer Antworten finden Sie hier.

  • Mein Lebenspartner wird häufig hektisch und wird nervös. Meistens weil er sich vorstellt, was er alles noch vor sich hat beziehungsweise erledigen muss. Er spricht dann immer davon, er sei im Stress. Die Stresssymptome, die im Beitrag gezeigt wurden, zeigt er jedoch nicht. Er wird einfach schnell wütend und bewegt sich viel. Ist er denn nun gestresst? Oder kann es sein, dass er sich das bloss einbildet oder als Ausrede benutzt?
    Antwort von Jeannine Born: Hektik und Nervosität sind deutliche Stresssymptome, auch aggressive Reaktionen wie wütend und laut werden. Bewegung ist dann schon eine gute Methode, die Stresshormone im Körper abzubauen und auf diese Weise wieder «herunter zu kommen» und sich zu beruhigen. Ich halte Ihre Beschreibung beim Partner nicht für Einbildung, aber Stress hat viel mit Gedanken zu tun – bei Ihrem Lebenspartner, was er noch vor sich hat und erledigen muss – und diese Gedanken können Stress verstärken und uns geradezu in einen Teufelskreis bringen. Ich würde Ihrem Partner raten, etwas gegen Stress zu unternehmen, zum Beispiel Entspannungsübungen zu lernen, die er dann anwenden kann oder ein Achtsamkeitstraining zu besuchen. Der Stress Ihres Lebenspartners scheint ja auch auf Sie Auswirkungen zu haben, und falls er sich nicht vorstellen kann etwas zu unternehmen, könnten Sie es auch für sich selbst in Anspruch nehmen.
  • Ich habe ein Problem: Und zwar kann ich nach der Arbeit nicht abschalten. Es geht mir auch vieles auf meiner Arbeit sehr nah... Ich nehme mir viele Sachen fest zu Herzen.
    Antwort von Dr. Niklaus Egloff: Da gibt es zwei Dinge zu bedenken: Was liegt am Arbeitsplatz, dass Sie so vieles mit nach Hause nehmen innerlich und/oder was liegt an Ihnen selber, dass alles so stark in Sie eindringt? Beim zweiten Aspekt ist es so, dass man auch lernen kann, sich besser «abzugrenzen». Zögern Sie nicht, dazu auch Fachhilfe anzufordern.
  • Der Arzt hat bei mir bereits Dauerstress festgestellt. Was kann ich tun? Da ich alleinerziehend mit drei Kindern bin, habe ich keine Minute Zeit für mich.
    Antwort von Jeannine Born: Es ist wichtig, dass Sie sich trotz und mit den Kindern immer wieder kleine Inseln für sich selbst im Alltag einzubauen. Sie müssen auftanken können! Bei Dauerstress werden Sie krank und das nützt niemandem etwas, weder Ihnen noch Ihren Kindern. Wenn Sie dann wirklich krank sind und in eine Klinik müssen, ist das für Ihre Kinder viel schwieriger, als wenn Sie zum Beispiel an einem Abend pro Woche von jemandem gehütet werden, oder wenn Sie sich einfach einmal für ein paar Minuten zum Durchatmen in Ihr Zimmer zurückziehen. Suchen Sie sich Unterstützung, haben Sie den Mut, für sich selbst zu sorgen und mit sich selbst genauso fürsorglich und liebevoll zu sein, wie Sie es mit Ihren Kindern sind. Manchmal genügen ein paar Minuten pro Tag oder ein freier Abend pro Woche, an dem Sie etwas tun, was Sie gerne tun, was Ihnen Freude macht.
  • Ist es nur ein Märchen, oder kann Stress wirklich Magengeschwüre und ähnliches auslösen?
    Antwort von Dr. Niklaus Egloff: Leider ist das kein Märchen, sondern wissenschaftlich gut erwiesen. Ein entscheidender Punkt ist, dass das Risiko dazu deutlich höher wird, wenn man zusätzlich noch raucht, trinkt und/oder gewisse Magenbakterien in sich hat.
  • Wenn ich viel Stress habe in der Schule oder bei der Arbeit leide ich unter Schlaflosigkeit und kann mich weniger gut konzentrieren. Was kann ich dagegen tun?
    Antwort von Jeannine Born: Schlaflosigkeit führt schnell zu Müdigkeit und diese macht uns noch weniger resistent im Umgang mit dem Stress. Deshalb empfehle ich Ihnen dringend, mit einer Fachperson in Kontakt zu kommen, sei es einer Psychotherapeutin oder -therapeuten oder einer MBSR-Lehrperson oder Ihrem Hausarzt. Finden Sie heraus, welche der bekannten und auch in der Sendung genannten Methoden und Möglichkeiten für Sie passend sind und tun Sie etwas für sich.

Experten am Telefon

Regula Saner, Susanne Püschel und Vera Krähenmann

Regula Saner, Susanne Püschel und Vera Krähenmann SRF

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Die Psychologinnen Regula Saner, Susanne Püschel und Vera Krähenmann

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