Schlaganfall-Rehabilitation

Prof. Thierry Ettlin und Dr. Udo Hartl arbeiten in der Reha täglich mit Patienten zusammen, die sich nach einem Schlaganfall so weit wie möglich in ihr altes Leben zurückkämpfen. Im «Puls»-Chat stehen sie Rede und Antwort zum Thema.

Prof. Thierry Ettlin und Dr. Udo Hartl

Bildlegende: Prof. Thierry Ettlin und Dr. Udo Hartl SRF

Trotz der sich immer weiter verbessernden Behandlung und der Einrichtung spezialisierter «Stroke Units»: Schlaganfälle sind noch immer die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen. Wie Patienten mit ihren plötzlichen Defiziten umgehen, ist höchst unterschiedlich. Manche arrangieren sich mit der Situation, andere kämpfen um jeden noch so kleinen Fortschritt. Aufenthalte in Rehakliniken sind dabei Gold wert. Doch damit ist es nicht getan: Nach der Entlassung wartet die eigentliche Arbeit, je nach Ausprägung des Handicaps mit Physio- und Ergotherapie und Sprachtraining.

Prof. Thierry Ettlin und Dr. Udo Hartl von der Reha Rheinfelden erklären, was es beim Leben nach dem Schlaganfall zu beachten gilt. Weitere Antworten finden Sie im Chat-Protokoll.

  • Frage von K. E., Netstal: Bei meiner Mutter wurden nach längerem Spitalaufenthalt und zunächst unklarer Diagnose mindestens drei Schlaganfälle diagnostiziert. Betroffen ist vor allem ihr Kurzzeitgedächtnis. Ihr wurde aber keine Reha oder sonstiges verordnet. Gibt es etwas, was man tun kann, um das Gedächtnis wieder zu fördern?
    Antwort von Dr. Udo Hartl: Auch das Gedächtnis kann trainiert werden. Auch hier lassen sich meist Verbesserungen erzielen. Dieses kann im Rahmen einer Ergotherapie im Sinne eines neuropsychologischen Trainings erfolgen.
  • Frage von U. B., Herrliberg: Gibt es Anzeichen für einen Schlaganfall?
    Antwort von Dr. Udo Hartl: Es gibt vor einem Schlaganfall gelegentlich kleine Ereignisse wie z. B. eine kurzzeitige Lähmung. Oft kommt ein Schlaganfall aber aus heiterem Himmel ohne Vorwarnung.
  • Frage von M. B., Zug: Was kann zur Vorbeugung nach heutigen Erkenntnissen getan werden?
    Antwort von Prof. Thierry Ettlin: Klären Sie bitte mit Ihrem Hausarzt ab, ob bei Ihnen Risikofaktoren für einen Schlaganfall bestehen, wie Bluthochdruck, Blutzucker, Übergewicht, Nikotinkonsum, zu wenig Bewegung etc. Ein erheblicher Teil solcher Risikofaktoren kann durch eine medikamentöse Behandlung und durch ein gesundes Verhalten mit möglichst viel Bewegung minimiert werden.
  • Frage von J. L., Stein: Was muss gegeben sein, dass ein Patient weiterhin in der Reha bleiben kann? Oder andersrum gefragt: Wann ist ein weiterer Aufenthalt in der Reha nicht mehr gerechtfertigt?
    Antwort von Prof. Thierry Ettlin: Solange ein Patient Fortschritte macht und diese nur durch die Intensität und Frequenz von aufeinander abgestimmten Therapien erreichbar sind, wie dies nur in einer stationären Rehabilitation möglich ist, ist ein weiterer Aufenthalt in der Reha gerechtfertigt. Wenn die Fortschritte z. B. in einer ganz bestimmten Funktion auch durch ambulante Therapien erreichbar sind, dann wird dies die Krankenkasse so verlangen.
  • Frage von S. R., Wallisellen: Meine Mutter hat letzten Oktober eine Hirnblutung erlitten. Nach einem Monat Spital und einem Monat Reha ist sie körperlich wieder fit und reden kann man mit ihr auch «normal». Irgendwie hat aber eine Wesensänderung stattgefunden (das Verhalten ist anders, d. h. sie überschätzt sich stark und regt sich schnell über Dinge auf oder fühlt sich bei Situationen benachteiligt). Wie kann ich meine Mutter motivieren, eine Therapie im Bereich der Verhaltensänderung zu machen (Neuropsychologe)?
    Antwort von Prof. Thierry Ettlin: Das kann wirklich sehr schwierig sein, wenn die Betroffenen die eigenen Defizite selber nicht richtig wahrnehmen. Vielleicht können Sie Ihre Mutter für eine neuropsychologische Therapie motivieren, wenn Sie nicht die Ihnen auffallende Wesensveränderung in den Mittelpunkt stellen, sondern z. B. ein sinnvolles Training der Konzentration oder des Gedächtnisses.
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Reha nach Schlaganfall

16 min, aus Puls vom 25.2.2013

Experten am Telefon

Dr. Heiner Brunnschweiler, Dr. Isabella Schröder und Dr. Niklaus Urscheler

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Heiner Brunnschweiler, Dr. Isabella Schröder und Dr. Niklaus Urscheler

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