«Taugt Ginseng als Gehirndoping?»

Besser denken, schneller lernen: Das wünschen sich viele. Prof. Boris B. Quednow und Dr. Martin Schmitz erklären, was wirklich hilft.

Prof. Boris B. Quednow und Dr. Martin Schmitz

Bildlegende: Prof. Boris B. Quednow und Dr. Martin Schmitz. SRF

Es gibt Zeiten im Leben, da muss das Gehirn mehr leisten als sonst – in Prüfungsphasen beispielsweise oder in besonders stressigen Situationen im Job. In solchen Fällen liegt der Gedanke nahe an ein Aufputschmittel, das dem Gehirn bei Müdigkeit wieder auf die Sprünge hilft.

Manche greifen dann zu Medikamenten, die eigentlich die Chemie in Gehirnen wieder in Balance bringen sollen, wo sie aus dem Gleichgewicht geraten ist: bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ADHS beispielsweise oder bei der Schlafkrankheit Narkolepsie. Vor einem solchen missbräuchlichen Einsatz warnen Prof. Boris B. Quednow und Dr. Martin Schmitz ausdrücklich auch im «Puls»-Chat. Fünf ihrer Tipps finden Sie hier – alle weiteren im Chat-Protokoll rechts.

  • Ich bin 20 und leide sehr an Müdigkeit durch den Tag. Ich bin Sportstudent, gehe meistens früh ins Bett, bin trotzdem sehr müde, kann mich schlecht konzentrieren und brauche über Mittag Schlaf. Habe ebenfalls eine Schlafdiagnose gemacht ohne einen möglichen Grund für meine Müdigkeit. Könnten allenfalls ein Aufputschmittel wie Ritalin oder Amphetamine als Behandlung helfen?
    Prof. Boris B. Quednow: Sie sollten sich in jedem Fall auch noch einmal körperlich durchchecken lassen, denn viele körperliche Erkrankungen oder Virusinfektionen (z.B. Pfeiffersches Drüsenfieber) können auch eine starke Tagesmüdigkeit auslösen. Wenn dies nichts erbringt, sollten Sie in einem zweiten Schritt einen Psychiater oder auch eine Spezialambulanz für Narkolepsie aufsuchen und abklären, ob eine Narkolepsie oder eine andere psychische Erkrankung dafür verantwortlich sind. Erst dann kann man entscheiden, ob eine Medikation mit einem Stimulanz Sinn macht.
  • Muss ein ADS diagnostiziert sein, um Methylphenidat o.ä. zu erhalten? Kann das Medikament auch versuchsweise verschrieben werden in Folge starker Konzentrationsprobleme und hoher/schneller Erschöpfbarkeit (keine Depression)?
    Dr. Martin Schmitz: Nein, zur Verordnung ist regulär die Diagnosestellung einer ADHS notwendig.
  • Wie sieht es mit Ginseng aus? Kann hier mit der Zeit auch eine Abhängigkeit entstehen?
    Prof. Boris B. Quednow: Nein, Ginseng macht sicher nicht abhängig, die Frage ist allerdings, ob es auch etwas nützt.
  • Kann man den Serotonin-Haushalt (Anm. d. Red.: Serotonin ist ein «Glückshormon», das auch die Wachheit fördert) eines Menschen tatsächlich verlässlich messen, und wenn ja, lässt sich daraus die Konzentrationsfähigkeit bestimmen?
    Dr. Martin Schmitz: Nein, eine direkte Messung des Serotoninspiegels, welcher dann im Verhältnis zur Konzentrationsfähigkeit gesetzt werden kann ist nicht möglich.
  • Ich bin 63-jährig. Ich nehme täglich seit ca. einem Jahr das Ginkopräparat Tebofortin. Bringt das was für meine Hirnstimulanz oder kann ich mir dieses Geld sparen?
    Prof. Boris B. Quednow: Ginkoextrakte wie dieses scheinen eine leichte Wirkung bei milden Abbauerscheinungen zu haben, wenn Sie das Gefühl haben, es hilf Ihnen fit zu bleiben, sollten Sie es weiter einnehmen.
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Gehirndoping - riskanter Kick fürs Gehirn

14 min, aus Puls vom 28.10.2013

Experten am Telefon

 Dr. Claus Aichmüller und Dr. Silvana Grieco

Dr. Claus Aichmüller und Dr. Silvana Grieco SRF

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Claus Aichmüller und Dr. Silvana Grieco.

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