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Experten-Chat Verstauchungen

Jeder hat sich schon einmal den Fuss vertreten, verstaucht oder vertrampt: Die «Distorsion», wie Mediziner die Fussverletzung nennen, hat viele Namen. Orthopäde PD Dr. Norman Espinosa und Physiotherapeut Frank Spengler haben Fragen zum schmerzenden Fussgelenk beantwortet.

PD Dr. Norman Espinosa und Physiotherapeut Frank Spengler
Legende: Chat-Experten PD Dr. Norman Espinosa und Physiotherapeut Frank Spengler. SRF

Es ist schnell passiert: Einmal umgeknickt, schwillt schon bald das Fussgelenk an. Manchmal erscheint auch ein dunkler Bluterguss. In manchen Fällen wurden die Bänder des Fussgelenks lediglich überdehnt, in anderen sind auch die Bänder in Mitleidenschaft gezogen. Egal, wie sehr die Bänder gelitten haben: Operiert wird heute nur noch sehr zurückhaltend. Meist warten die Ärzte erst einmal ab, wie sich das Fussgelenk mit Schonung entwickelt. Bandagen, Schienen oder ein Gips schützen das geschwächte Gelenk davor, wieder auf eine Seite umzuknicken. Bewegung ist trotzdem erlaubt und sogar hilfreich, damit die Muskulatur nicht abbaut. Eine anschliessende Physiotherapie stabilisiert die Schwachstelle wieder.

PD Dr. Norman Espinosa und Physiotherapeut Frank Spengler sehen Distorsionen in ihrer ärztlichen Praxis regelmässig, gehören sie doch zu den häufigsten Sportverletzungen. Im «Puls»-Chat haben sie Fragen zu Verstauchungen beantworten - fünf davon finden Sie hier.

  • C. L., Burgdorf: Wie lange geht es bis eine eher schwere Verstauchung verheilt ist?
    Dr. Norman Espinosa: In der Regel dauert es bei ordentlicher Behandlung (Physiotherapie) ca. 6-8 Wochen.
  • G. M., Solothurn: Soll ich den Schuh nach der Verletzung ausziehen oder ihn anbehalten und so unters kalte Wasser halten zum Kühlen?
    Frank Spengler: Wenn das «Vertrampen» beispielsweise auf einer Wanderung passiert, sollten sie den Schuh anbehalten und versuchen, die Wanderung zu Ende zu bringen - falls dies noch geht. Der Schuh wird die Ausbildung der Schwellung in der ersten Zeit etwas mindern. Zu Hause nach dem Ausziehen des Schuhs können sie dann den Fuss zur Schmerzlinderung unter das kühle Wasser halten.
  • A. M., Uster: Ist es möglich nach einer starken Verstauchung, die schon länger zurückliegt, als Spätfolge Gefühlsstörungen und unangenehmes Kribbeln zu verspüren sowie das Bedürfnis, Druck auf das Bein zu geben? Könnten allenfalls Gewebe oder Nerven beschädigt sein?
    Dr. Norman Espinosa: Ja, das ist möglich. Unter Umständen kann es zu späten Vernarbungen kommen, die ihrerseits zu Einengungen der Nerven führen. Eine genaue Abklärung mit MRI oder anderen Methoden ist angezeigt.
  • S. B., Sarmenstorf: Was gibt es für Übungen  zum Wiederaufbau,die ich nach meiner Bänderüberdehnung vor 4 Tagen machen kann?
    Frank Spengler: Nach spätestens einer Woche - oder falls die Schmerzen bereits jetzt auch bei voller Belastung erträglich sind - können Sie mit Balanceübungen aus dem Einbeinstand beginnen. Diese Balanceübungen können Sie steigern, indem Sie beispielsweise den Blick durch das Zimmer schweifen lassen oder sogar die Augen schliessen. Funktioniert dies schon gut (achten Sie auf den Seitenvergleich mit der gesunden Seite), können Sie auf einer unebenen Fläche balancieren, z.B. auf einem Besenstiel oder im Wald auf einer hervorstehenden Wurzel.
  • S. J., Seftigen: Auf einer Notfallstation hörte ich, wie man einem 18-jährigen Handballer erklärte, dass er nach der Distorsion «Fraxi» spritzen müsse, da er sonst sterbe!
    Dr. Norman Espinosa: Die Anwendung des Gerinnungshemmers «Fraxiparine» ist bei Immobilisation notwendig - d.h. wenn der Unterschenkel für lange Zeit ruhig gestellt wird. In der Tat kann ein Blutgerinnsel zu schwerwiegenden, geradezu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Grundsätzlich sind Patienten mit Verstauchungen aber nicht über längere Zeit immobilisiert und bedürfen ganz selten der Fraxiparine-Gabe.