Wie gefährlich ist eine Antibiotika-Allergie?

Antibiotika retten unzählige Leben, können aber auch selber zu einem Problem werden. PD Dr. Christoph Andreas Fux und Dr. Dominique Braun haben im «Puls»-Chat Fragen zum Thema Antibiotika-Allergie beantwortet.

PD Dr. Christoph Andreas Fux und Dr. Dominique Braun

Bildlegende: PD Dr. Christoph Andreas Fux und Dr. Dominique Braun haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet. SRF

Im Prinzip kann jedes Medikament eine Allergie verursachen, am häufigsten geschieht dies jedoch bei Antibiotika. Hier sind die «Übeltäter» vor allem sogenannte Penicilline und Cephalosporine.

Tritt eine Allergie auf, stehen verschiedene Alternativen zur Verfügung. Zum Beispiel kann auf ein anderes Antibiotikum ausgewichen oder eine Desensibilisierung ins Auge gefasst werden. Aber wann handelt es sich bei einer Hautauffälligkeit tatsächlich um eine Antibiotika-Allergie? Und wie finde ich heraus, ob ich auf ein Antibiotikum allergisch bin – und auf welches? PD Dr. Christoph Andreas Fux und Dr. Dominique Braun haben im «Puls»-Chat diese und weitere Fragen beantwortet. Fünf davon finden Sie hier, alle weiteren im oben verlinkten PDF.

  • Frage von A. C., Chur: Wie gefährlich ist so eine Allergie? Macht sich das langsam bemerkbar oder schlagartig? Gibt es spezielle Warnzeichen, die einen an eine Antibiotika-Allergie denken lassen müssen?
    Antwort von Dr. Dominique Braun: Es gibt verschiedene Allergie-Typen. Bei der Typ-1-Reaktion reagiert man meistens innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme allergisch, diese kann unter Umständen gefährlich sein, wenn z. B. eine Schwellung der Luftröhre oder ein Kreislaufzusammenbruch auftritt. Diese schweren allergischen Reaktionen sind aber glücklicherweise selten. Bei der Typ-4-Reaktion tritt die allergische Reaktion meistens nach acht bis zwölf Tagen (oder bei vorbestehender Sensibilisierung nach einem bis zwei Tagen) auf. «Warnzeichen» sind das Gefühl von Atemnot oder Rötung/Hitzegefühl im Kopf und Dekolleté-Bereich nach Einnahme eines Antibiotikums (Typ-1-Reaktion) bzw. eine Schwellung im Kopfbereich (Typ-4-Reaktion), da sollte man aber bereits handeln und anti-allergische Medikamente einnehmen, um die allergische Reaktion abdämpfen zu können.
  • Frage von M. M., Bern: Wie häufig treten diese Allergien in der Schweiz auf? Sind es mehr oder weniger geworden?
    Antwort von PD Dr. Christoph Fux: Die Häufigkeit hat abgenommen. Das hat zum Teil mit der reineren Produktion von Antibiotika zu tun. Früher sind Antibiotika auf Pilzkulturen produziert worden und es gab in den Medikamenten Spuren von Pilz, die eine Allergie auslösen konnten. In diesen Fällen, die oft Jahrzehnte zurückliegen, lässt sich in der Hauttestung keine Antibiotika-Allergie mehr feststellen. Allergien auf Umgebungs-Allergene auf der anderen Seite sind häufiger geworden.
  • Frage von C. S., Bleienbach: Ich muss in 14 Tagen ins Spital für eine Rückenoperation. Ich weiss, dass ich eine Penicillin-Allergie habe. Was kann ich tun, um vorzubeugen?
    Antwort von Dr. Dominique Braun: Wichtig ist, dass Sie Ihre behandelnden Ärzte (Operateur, Narkosespezialist) vorzeitig über Ihre Allergie informieren, man kann dann im Voraus abklären, ob Sie für die präoperative Prophylaxe ein anderes Antibiotikum benötigen, als üblicherweise verabreicht wird. Möglicherweise haben Sie auch einen Allergiepass, den Sie abgeben können? Eine Möglichkeit wäre, im Vorfeld der OP durch einen Allergologen abklären zu lassen, ob eine wirkliche Allergie vorliegt und – wenn ja – wie schwer Ihre Penicillinallergie ist und ob es weitere Abklärungen braucht.
  • Frage von B. K., Baden: Hat Spitalhygiene einen Einfluss auf die Allergiehäufigkeit? Sprich: Fange ich mir so etwas im Spital eher ein als zuhause?
    Antwort von PD Dr. Christoph Fux: Ob Sie allergisch reagieren oder nicht, hängt primär von Ihren Genen ab. Die Spitalhygiene bemüht sich, das Spital von resistenten Bakterien frei zu halten. Je weniger Antibiotika gebraucht werden, desto weniger Allergien gibt es. Allergien treten häufiger auf, wenn Antibiotika über die Haut verabreicht werden (was somit nur in Ausnahmefällen geschehen sollte), häufiger auch bei Infusionen als bei Tablettengabe.
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0:00 min, vom 11.12.2017

Experten am Telefon

Prof. Hansjakob Furrer, Dr. Marianne Lerch und Dr. Miros OpravilProf. Hansjakob Furrer, Dr. Marianne Lerch und Dr. Miros Opravil

Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Prof. Hansjakob Furrer, Dr. Marianne Lerch und Dr. Miros Opravil

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