Herzstillstand – Erfahrungen nah am Tod

Jeder Fünfte, der einen Herzstillstand überlebt hat, hat eine Nahtoderfahrung gemacht. US-Forscher verstehen das Phänomen jetzt ein wenig besser.

Gleissendes Licht.

Bildlegende: Licht am Ende des Tunnels; Ein Bild, das viele Patienten beschreiben. Colourbox

Steht das Herz still, lässt die Gehirnfunktion sofort immer weiter nach – so die bisherige Annahme der Wissenschaft, wenn es um das Sterben durch Herzstillstand ging. Weit gefehlt: Forscher der University of Michigan in Ann Arbor bewiesen genau das Gegenteil. In einer Tierstudie entdeckten sie, dass nach einem Herzstillstand die Hirnaktivität kurzzeitig sogar deutlich zunimmt.

Das könnte erklären, warum jeder Fünfte nach einem Herzstillstand von Nahtoderfahrungen berichtet – und zwar unabhängig in welcher Kultur. Alle empfanden ihre Wahrnehmung währenddessen als aussergewöhnlich klar und real.

Gehirn in Hyperaktivität

Wie aktiv das Gehirn nach einem Herzstillstand ist, zeigten die Hirnforscher um Jimo Borjigin anhand von neun Ratten, die sie wach, unter Narkose oder nach einem Herzstillstand untersuchten. Bei allen Tieren zeigten sich während der ersten 30 Sekunden nach dem Herzstillstand auffällig synchrone Gamma-Hirnwellen, als ob das Gehirn gerade extrem aktiv wäre. Die Werte lagen sogar über denen im Wachzustand. Das Gehirn verfiel also nach dem Herzstillstand nicht in ungeordnete Aktivität, sondern war nach wie vor eine Weile gut koordiniert. «Nahtoderfahrungen sind ein biologisches Paradox, das unser Verständnis vom Gehirn herausfordert und angeführt wird als Beleg für ein Leben nach dem Tod und für ein menschliches Bewusstsein, das nicht vom Körper abhängt», schreiben die Forscher.


Wie wir sterben

106 min, aus Treffpunkt vom 22.10.2012

Allerdings: Ein hundertprozentiger Beleg für Nahtoderfahrungen ist diese Hyperaktivität des Gehirns noch nicht. Dem Streit innerhalb der Fachwelt, ob Nahtoderfahrungen eine bewusste Wahrnehmung sind oder nicht, ist damit nicht beigelegt – allerdings gesellt sich nun ein interessanter Erklärungsansatz hinzu.

Die Studie ist in den «Proceedings» der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS») erschienen.