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Forschung Kampf gegen Coronaviren geht in die nächste Runde

Berner und schwedische Forscher haben eine Schlüsselstelle in der Vermehrung der gefährlichen Coronaviren gefunden – und damit einen Ansatzpunkt im Kampf gegen die Erreger.

MERS-Viren in der mikroskopischen Vergrösserung.
Legende: So sehen die MERS-Viren in der Vergrösserung aus - auch sie gehören zur Familie der Coronaviren. Keystone

Die Erreger von SARS (Schweres Atemwegssyndrom) oder dem neuen MERS (Nahost-Atemwegssyndrom) gehören zum Stamm der Coronaviren und stellen eine ernste Gefahr dar. Doch bisher gab es keine spezifischen Medikamente gegen sie. Nun haben Berner und schwedische Forscher einen möglichen Kandidaten gefunden.

Auf der Suche nach Hemmstoffen für Coronaviren ist das Team um Volker Thiel von der Universität Bern auf die Substanz K22 gestossen. Es beobachtete, dass diese gegen eher harmlose Coronaviren wirkt, die beim Menschen leichte Erkältungssymptome auslösen. Weitere Experimente zeigten auf, dass K22 gegen sämtliche Coronaviren wirkt, auch gegen die gefährlichen SARS- und MERS-Erreger. K22 hemmte die Vermehrung von Coronaviren in jenen Zellen, die die menschlichen Atemwege auskleiden, wie die Forscher im Fachjournal «PLOS Pathogens» berichten.

Die Wissenschaftler konnten ausserdem den Wirkmechanismus und damit einen wichtigen Angriffspunkt gegen Coronaviren aufklären. Demnach setzt der Wirkstoff bei einem frühen Schritt der Vermehrung der Viren in menschlichen Wirtszellen an.

Vervielfältigung gestört

Für ihre Vervielfältigung müssen Viren die Membranen, die menschliche Zellen in einzelne Abteile unterteilen, kapern und daraus eine Art Gerüst für ihre eigene Viren-Produktionsmaschinerie bauen. Die Substanz K22 macht diese Umnutzung unmöglich. «Die Resultate bestätigen, dass die Verwendung der Wirtszellmembran ein entscheidender Schritt im Lebenszyklus des Virus ist», schreiben die Forscher. «Sie belegen auch, dass der Vorgang höchst empfindlich ist und mit antiviralen Medikamenten beeinflusst werden könnte.»

Vorerst sei die Entdeckung von K22 und seiner Wirkungsweise erst ein vorklinischer Erfolg im Labor, betonen sie. Angesichts der früheren SARS- und jüngsten MERS-Ausbrüche müsse dringend in die Entwicklung von zugelassenen Medikamenten gegen Coronaviren investiert werden.

Lebensgefährliche Viren

Sowohl MERS- als auch SARS-Erkrankungen verlaufen oft schwer und häufig sogar tödlich. Die Symptome ähneln stark denen einer Grippe und können sich zu einer Lungenentzündung auswachsen. Anders als das SARS-Virus kann das MERS-Virus auch Nierenversagen auslösen. MERS-Fälle wurden bislang aus Jordanien, Katar, den Arabischen Emiraten, aus Yemen, Tunesien, Grossbritannien, Frankreich, Griechenland, Italien, Deutschland, Niederlanden und den USA gemeldet. Es existiert bislang weder eine Impfung noch eine Therapie.

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