Mers – Wenn es Therapien gibt, aber das Interesse fehlt

Ein internationales Forscherteam unter Schweizer Leitung hat einen Antikörper gegen die lebensgefährliche Viruserkrankung Mers isoliert. Er könnte in Kürze zur Therapiereife gebracht werden – sofern sich ein Produzent findet.

Eine braunhaarige junge Frau trägt einen Mundschutz, auf dem Mers steht.

Bildlegende: Offenbar gäbe es andere Hilfsmittel als Hygiene und Mundschutz gegen Mers - doch das Interesse daran ist gering. imago

In nur vier Monaten isolierten, testeten und produzierten Forscher um Antonio Lanzavecchia von der Università della Svizzera Italiana (USI) in Bellinzona nach eigenen Angaben Mers-Antikörper – gewonnen aus dem Blut des ersten an Mers erkrankten Patienten.

Am häufigsten sind Mers-Ansteckungen im Spital und bei Angehörigen. Mit der Antikörper-Methode könnte man nun Patienten heilen, Risikogruppen wappnen und eine Ausbreitung verhindern. Tödliche Epidemien könnten so rascher unterdrückt werden als durch Impfstoffe, deren Entwicklung sehr lange brauche, so Lanzavecchia.

Die südkoreanische Regierung hätte Interesse bekundet, aber keine kommerzielle Firma. Sobald eine Epidemie abklinge, schwinde auch das Interesse, meint der Immunologe. Das sei bei Sars so gewesen, gegen das ihr Labor ebenfalls einen Antikörper entwickelt hätte. Auch gegen Ebola hätte man lange vor der jüngsten Epidemie Antikörper herstellen können.

Mers

Am Middle East Respiratory Syndrome (Mers) sind seit seiner Entdeckung 2012 bereits rund 1300 Menschen erkrankt und 500 gestorben. Allein in Südkorea starben seit Mai 36 Menschen daran, 186 weitere erkrankten. Mers zählt wie viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zu den Coronaviren.