Neuer Wirkstoff blockiert Alzheimer-Enzym

Forscher unter der Leitung der Uni Zürich haben eine Möglichkeit gefunden, ein an der Alzheimer-Entstehung beteiligtes Enzym gezielt zu hemmen. Da nur schädliche Prozesse blockiert werden und wichtige Funktionen erhalten bleiben, macht dies Hoffnung auf neue Medikamente ohne schwere Nebenwirkungen.

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Neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten

2:00 min, aus Tagesschau vom 25.2.2016

Charakteristisch für die Alzheimer-Erkrankung sind Proteinklumpen im Gehirn, die zum fortschreitenden Absterben von Hirnzellen beitragen. Forschende der Universität Zürich haben gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz, Deutschland und Indien einen Wirkstoff gefunden, der die Entstehung dieser Ablagerungen verhindern könnte.

Der Wirkstoff blockiert das Enzym «Beta-Secretase». Dieses ist daran beteiligt, ein Vorläufereiweiss so zu spalten, dass das Proteinfragment Beta-Amyloid entsteht. Dieses ist wiederum Hauptbestandteil der Alzheimer-Proteinklumpen, auch Plaques genannt.

Bisher schwere Nebenwirkungen

Die Alzheimerforschung konzentriert sich schon lange darauf, die Beta-Secretase oder ein verwandtes Enzym, die Gamma-Secretase, zu blockieren, um die Entstehung der Plaques zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Da die Enzyme aber auch an wichtigen Zellprozessen beteiligt sind, hatten bisher getestete Wirkstoffe oft schwere Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Blutungen oder Hautkrebs.

Die Forschenden um Lawrence Rajendran von der Universität Zürich untersuchten daher die Funktionsweise der Beta-Secretase genauer. Dabei stellten sie fest, dass das Enzym nur in speziell abgetrennten Bereichen der Zelle, den sogenannten Endosomen, das Vorläufereiweiss zu Beta-Amyloid spaltet. Andere Eiweisse spaltet es ausserhalb dieser Kompartimente.

Räumliche Trennung ausgenutzt

Daraufhin entwickelten die Wissenschaftler eine Substanz, welche das Enzym ausschliesslich in den Endosomen hemmt. «Die spezifische Wirksamkeit unseres Inhibitors eröffnet einen vielversprechenden Weg, um Alzheimer zukünftig wirksam zu behandeln, ohne bei den Patienten schwere Nebenwirkungen auszulösen», erklärt Rajendran.

Den neuen Ansatz, den die Wissenschaftler im Fachjournal «Cell Reports» vorstellten, wollen sie nun weiterentwickeln, um den Wirkstoff zunächst an Mäusen zu testen. Erweist sich der Medikamentenkandidat als vielversprechend, soll er anschliessend in klinischen Studien an Alzheimer-Patienten geprüft werden.

«Alzheimer hautnah»

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Die Gesundheitssendung «Puls» begleitet eine Alzheimer-Patientin und ihren Mann und zeigt in einer mehrteiligen Serie, wie die Krankheit das Leben des Ehepaars Stück für Stück verändert.

Etwa acht Prozent der über 65-Jährigen und mehr als 30 Prozent der Menschen über 90 leiden an Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung. Hierzulande leben aktuell knapp 120'000 Menschen mit einer Demenz, Tendenz steigend. Bis 2030 wird aufgrund der demografischen Entwicklung mit 200'000 Betroffenen gerechnet.

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