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Gesundheitswesen Cannabis als Arznei: Kaum umstritten, kaum genutzt

Bis 1951 war Cannabis in der Schweiz als Medizin gang und gäbe. Einzelne Apotheken verkauften Hanf noch bis in die 1970er-Jahre. Dann wurde dem rigoros der Riegel vorgeschoben. Heute darf Cannabis als Medizin zwar wieder abgegeben werden. Doch die Hürden dafür sind hoch.

Legende: Audio Cannabis als Medikament abspielen. Laufzeit 4:21 Minuten.
4:21 min, aus Audio SRF 1 vom 27.03.2014.

Cannabis gegen Migräne, Schmerzen, Schlafprobleme, Asthma und Keuchhusten - bis hin zum Hühnerauge: Gegen all dies wuchs ein Kraut, das zahlreich über die Apotheken-Theke ging. Doch 1951 war Schluss damit. Cannabis wurde wegen der berauschenden Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) verboten – bis heute.

Einzig als Industriehanf darf Cannabis angepflanzt werden. Sein THC-Anteil beträgt weniger als ein Prozent des natürlicherweise in Cannabis-Pflanzen vorkommenden THC-Gehalts.

Legende: Video Cannabis-Medikamente – Wirksam, aber kaum verschrieben abspielen. Laufzeit 4:46 Minuten.
Aus Puls vom 11.02.2013.

Medizinische Wirkung

So tief dosiert ist Hanf für Kiffer nicht mehr interessant – für Mediziner allerdings ebenso wenig. Die Pflanze ist so um ihren Hauptwirkstoff gebracht, dessen schmerzstillende und entspannende Eigenschaften erwiesenermassen Patienten helfen, deren Erkrankung mit Muskelkrämpfen einhergeht – beispielsweise über 10'000 MS-Patienten. Hinzu kommen Krebs- und HIV-Patienten, die durch ihre Behandlungen an Appetitlosigkeit und Übelkeit leiden.

Gesellschaftspolitische Diskussion

Für Mediziner steht der Nutzen ausser Frage, doch Cannabis als Medikament wird gesellschaftlich sehr kritisch betrachtet. Gegner befürchten eine sich liberalisierende Haltung gegenüber Hanf. Nicht zuletzt deshalb ist die Abgabe von Cannabis als Medizin sehr strikt und setzt eine ganze Reihe von Ausnahme-Bewilligungen voraus.

Wenn ein Arzt heute Cannabis als Medikament verschreibt, braucht der Patient eine spezielle Genehmigung, daneben der Apotheker, von dem er die Arznei beziehen wird, der Chemiker, der sie individuell herstellt – und nicht zuletzt der Hanfbauer.

Dieses umständliche Prozedere hält viele ab davon, Hanf therapeutisch einzusetzen. Dementsprechend erhält nur eine sehr kleine Zahl Patienten in der Schweiz Cannabis. Beim Alternativmedikament Dronabinol (synthetisch nachgebautes THC) ist der Weg etwas einfacher. Dementsprechend liegt die Patientenzahl bei einigen Hundert.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard T., Bern
    Seltsam, würde man das Argument der liberalisierenden Haltung wirklich konsequent anwenden, so hätte einerseits LSD nie publik gemacht werden dürfen, geschweige irgendwelche Anti-Depressiva. Auch Stimmungspillen haben zu einer liberaleren Haltung gegenüber chemischen Drogen wie MDMA & Co. geführt. Eigentlich wäre von der Medizin mehr Offenheit zu erwarten, aber heute wird nicht selten weder ganzheitliche Medizin betrieben, noch den Ursachen von Krankheiten auf den Grund gegangen.
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    1. Antwort von Sebastian Albers, Kerken, NRW, Deutschland
      Ich denke die Medizin ist dem Thema THC/Hanf(produkte), zumindest in einigen Ländern und in den letzten Jahren offener geworden, es wird auf jedenfall so getan als ob. Der damalige kollektive Bann von Hanf kam vielen zu gute, z.B. Ölindustrie, Pharma-/Aggrar-/Textielnternehmen usw. Genau diese Lobbys versuchen bzw schaffen es das Hanf noch heute als Teufelskraut von der breiten Masse angesehen und geächtet wird. Das die Hanfpflanze die "Pflanze" überhaupt ist, wird stets verschwiegen,leider...
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  • Kommentar von Nein, Danke
    Bravo!! Erdöltabletten die löcher ins hirn fressen darf man schlucken denn sie sind ja offizielle hilfen... die natur wird weggekehrt BRAVOOO!!!
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    1. Antwort von Ruedi, Zürich
      Aber nein, die Pharmaindustrie nimmt sich ja jetzt zu unserem Wohl diesem "heissen Eisen" an. Was für ein Glück, wir dürfen alle dankbar sein! Das Resultat? Synthetische, patentierte Medis, welche in ihrer Wirksamkeit deutlich(!) hinter der natürlichen Blüte bleiben, und den Leidenden ein Vermögen kosten (bis 2000 Franken/Monat). Ein solcher Patien könnte seinen JAHRES-Bedarf mit ein- bis zwei Pflanzen selber decken. Aber diese bleiben verboten, Pharma-Politiklobbyismus sei dank. Perver...
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  • Kommentar von Anonym, Zürich
    Welt, informiert euch lasst euch nicht manipulieren! Weshalb ist die Wahrnehmung von Cannabis (4000 Jahre alte Kulturpflanze) so schlecht in der Bevölkerung? Medien, seit Beginn des amerikansichen Kreuzzuges in den 30er-Jahren weltweit instrumentalisiert, propagieren weiterhin Klischees statt solide zu informieren. FAKTEN: Cannabistote weltweit bis heute keine bekannt. 0. Alkoholtote Europa pro Jahr alleine 74'000. Blickt auf durch Alkohol verursachte Krankheiten, Gewalt, Vergewaltigungen!
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    1. Antwort von Bernhard T., Bern
      Das schlimme daran ist vor allem, dass die Wirkung von Alkohol eigentlich äusserst primitiv und stumpf ist, keine Spur von Bewusstseinserweiterung o.ä.. Vom Kater ganz zu schweigen. Am besten ist natürlich immer noch drogenfrei, aber wer verschiedenes mal ausprobiert hat (bitte nicht zuhause nachmachen), kann über Alkohol nur noch den Kopf schütteln. Anderes wie Heroin/Kokain sollte man am besten nie anrühren, Irrtum vorbehalten machen alle Substanzen mit Endung "-in" schnell/stark abhängig.
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