Die Krone kommt aus Ungarn

Zahnärztliche Behandlungen sind teuer. Zahllose Anbieter werben deshalb mit Zahnreisen nach Ungarn – zu Discountpreisen.

Zahnarztgeräte im Vordergrund, dahinter sieht man unscharf zahnärztliches Personal bei der Behandlung eines Patienten.

Bildlegende: Spass machen Zahnarztbesuche auch in Ungarn nicht, aber sie tun finanziell nicht so weh. Keystone

Eine kleine Füllung, eine Krone oder gar ein Implantat: Geht es zum Zahnarzt, wird`s in der Schweiz schnell teuer. Aus diesem Umstand schlagen inzwischen zahlreiche sogenannte «Zahnreise»-Anbieter Kapital. Die Rechnung scheint aufzugehen: In einer Umfrage äusserten sich über 90 Prozent der Befragten positiv zum ungarischen Zahnservice.

Der wichtigste Faktor dürften dabei die Kosten sein: Viele Angebote werben mit einer bis zu 70-prozentigen Ersparnis gegenüber der Behandlung hierzulande. Für Barzahler gibt es oft noch einen zusätzlichen Rabatt. Auch das Rundum-Sorglos-Paket ist erschwinglich: Ein Anbieter beispielsweise bietet eine Woche Ungarnurlaub für 500 Euro an – Anreise im Reisebus, Hotel, Verpflegung, Ausflüge und Organisation der Zahnarzttermine inklusive. Hinzu kommen dann die jeweiligen Behandlungskosten.

Die Zahnärzte sprechen fast durchgängig gut deutsch, ansonsten steht in der Regel ein Dolmetscher zur Seite. Die Praxen, das bestätigen fast alle Zahnreisenden, sind technisch topmodern und stehen denen in der Schweiz um nichts nach.

Behandlungen für Eilige

Der zweite wichtige Faktor ist die Zeit: Während sich hierzulande grössere Behandlungen über Wochen hinziehen und gerade für Berufstätige lästig sind, sind in Ungarn die Behandlungen in kürzester Zeit überstanden – auch für Eilige gibt es Angebote, sie kommen per Flugzeug und sind nach zwei oder drei Tagen wieder zuhause.

Wer aber eine aufwändigere Behandlung plant – ein Implantat beispielsweise – kommt auch in Ungarn nicht um mehrere Sitzungen herum und muss unter Umständen mehrmals anreisen, denn die biologischen Prozesse beschleunigen können auch die ungarischen Ärzte nicht. Wohl aber die technischen: Weil die Ärzte und Zahntechniker nach Nachfrage und am gleichen Ort Hand in Hand arbeiten, stehen beispielsweise Kronen in einem Bruchteil der Zeit zur Verfügung, die in der Schweiz erforderlich sind.

Schweizer Zahnärzte stehen diesem Trend naturgemäss skeptisch gegenüber. Zwar erkennen sie an, dass die Patienten zunächst zufrieden sind, wenn sie keine Probleme haben. Was aber nicht hiesse, dass die jeweilige Behandlung nicht qualitativ besser im Inland hätte gemacht werden können.

Zudem liessen sich viele Patienten zu einer Überbehandlung im Ausland hinreissen, würden dort Lösungen annehmen, die sie sich in der Schweiz vielleicht nicht leisten könnten – die aber auch nicht unbedingt nötig seien. So lässt sich mancher vielleicht ohne Notwendigkeit eine Krone setzen, für die es auch gute günstigere Alternativen in der Schweiz gegeben hätte.

Die ungarischen Ärzte sehen das nach eigenen Aussagen pragmatisch: Sie zwingen den Patienten zu nichts – aber geben ihm das, was er sich wünscht. Radio SRF1-Redaktor Rouven Born hat sich auf grosse Fahrt begeben und eine Reisegesellschaft zum Zahnarzt nach Ungarn begleitet.