Durchblutet statt im Eis

Um den Bedarf an Spenderlebern zu decken, greifen Ärzte immer öfter auf Lebern zurück, die in keinem perfekten Zustand sind. Doch gerade diese Organe können beim Kühltransport kaputtgehen. Ein neuer Apparat soll das verhindern: Er gaukelt der Leber vor, sich noch im Körper zu befinden.

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Durchblutete Spenderleber (unkommentiert)

1:20 min, vom 22.3.2013

Das Video der Universität Oxford zeigt eine Weltpremiere: Der Transplantationsmediziner Peter Friend greift sich eine frisch entnommene Spenderleber und legt sie vorsichtig in ein Sieb. Er verbindet die Leber mit ein paar Schläuchen, durch die Blut fliesst, und ein paar Sekunden später färbt sich das graubraune Organ in ein sattes Dunkelrot.

Der Apparat aus Oxford kann eine Spenderleber ausserhalb des Körpers am Leben erhalten – wenn es sein muss, sogar für 24 Stunden. Er hat ungefähr die Masse eines Einkaufswagens, verfügt unter anderem über einen Beutel mit Blut, diverse Pumpen, einen Oxygenator, der das Blut mit Sauerstoff anreichert, und diversen Sensoren zur Überwachung. «Die Leber ist stets 37 Grad Celsius warm, also normale Körpertemperatur. Sie arbeitet im Apparat ganz normal weiter, wie wenn sie noch im Körper wäre», sagt Peter Friend.

Transportsicherung und Funktionstest in einem

Bislang werden Spenderlebern nach der Entnahme heruntergekühlt und in einer Kühlbox gelagert. Für Lebern, die in einem perfekten Zustand sind, ist das kein Problem. Ärzte müssen aber immer öfter auch Organe verpflanzen, die nicht mehr ganz optimal sind – zum Beispiel Lebern von sehr alten Spendern oder Fettlebern. Und die können durch die Kühlung schweren Schaden nehmen: 2000 Spenderlebern gehen so jedes Jahr in den USA und in Europa verloren. Das soll der Apparat aus Oxford nun verhindern.

Gleichzeitig können die Chirurgen mit Friends Erfindung untersuchen, wie gut die Spenderleber funktioniert. «Die Leber produziert Galle, das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben», sagt der Mediziner. «Wenn sie das in dem Apparat in einem gleichmässigen Tempo tut, dann ist das ein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist.» Bis anhin sehen die Chirurgen erst nach erfolgter Transplantation, ob das Organ seine Arbeit auch tatsächlich gut genug verrichtet.

Das Gerät läuft voll automatisch, und es lässt sich überall mit hinnehmen: in jedes Krankenhaus, im Krankenwagen und sogar in ein Flugzeug. Im Februar hatte es  seinen ersten echten Einsatz, am King's College in London: «Wir haben zwei Patienten transplantiert. Beiden geht es gut», sagt Peter Friend.

Alternative aus der Schweiz

Doch andere Transplantionsexperten sind noch skeptisch. Der Nutzen für die Patienten sei noch nicht belegt, sagt Pierre-Alain Clavien vom Universitätsspital Zürich. Er arbeitet an einem ähnlichen System - allerdings ohne warmes Blut. Claviens Gerät pumpt eine kalte, sauerstoffreiche Lösung in die Leber – etwa eine Stunde, bevor sie transplantiert wird. Dadurch werden Gefässe und Gallengänge geschützt, und nicht mehr ganz so gute Lebern praktisch aufbereitet.

Fünf Patienten hätten solche Lebern bereits erhalten, ebenfalls mit guten Ergebnissen. Pierre-Alain Clavien: «Das sind zwei verschiedene Strategien, und wahrscheinlich werden wir in ein paar Jahren wissen, welche die beste ist.»

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