Erstmals Baby aus transplantierter Gebärmutter geboren

Im September kam in Schweden ein Junge zur Welt, der in einer transplantierten Gebärmutter ausgetragen worden war – eine kleine medizinische Sensation.

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Baby aus transplantierter Gebärmutter

1:05 min, aus Puls vom 6.10.2014

Die frischgebackene Mutter war mit gesunden Eierstöcken, aber ohne Gebärmutter zur Welt gekommen. Dieses Syndrom trifft eines von 4‘500 Mädchen, die so nicht schwanger werden können. Eine 61-jährige Freundin der Familie sprang helfend ein: Sie spendete der 36-jährigen Schwedin ihre Gebärmutter.

Daraufhin begann für die Frau das erste kritische Jahr: Drei verschiedene Medikamente pro Tag sollten Abstossungsreaktionen abwehren – zwei milde hatte sie nach der Transplantation. Bereits sechs Wochen nach der Transplantation bekam die Frau ihre erste Menstruation. Nach einem Jahr waren die Ärzte davon überzeugt, dass das Organ gut arbeitet. Sie setzten der Frau eine befruchtete Eizelle ein. Auch in der Schwangerschaft kam es zu einer milderen Abstossungsreaktion, die medikamentös aber gut aufgefangen werden konnte. Daraufhin verlief die Schwangerschaft ganz normal.

Acht Wochen zu früh geboren

In der 31. Woche entwickelte die Mutter jedoch eine Präeklampsie, einen gefährlichen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck. Als sich im September in der 32. Schwangerschaftswoche auch die Herztöne des Babys verschlechterten, holten die Ärzte den kleinen Jungen per Kaiserschnitt auf die Welt – acht Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin, mit 1775 Gramm und 40 Zentimetern. Bereits zehn Tage nach der Geburt konnte der kleine Kämpfer die Neonatologie schon wieder verlassen. «Sowohl der Mutter als auch dem Kind geht es gut, sie sind jetzt zu Hause», sagt Professor Mats Brännström, der die Patientin in Göteborg begleitete.

«Die letzten Jahre waren eine ziemlich harte Zeit, aber jetzt haben wir ein wunderbares Baby», freut sich der Vater. «Es unterscheidet sich nicht von anderen Babys, aber er wird eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Eines Tages wird er sich die Artikel über ihn durchlesen und wissen, dass er das erste Baby dieser Art ist.»

Kein Routineeingriff

Zur Routine wird der äusserst riskante und umstrittene Eingriff in den nächsten Jahren allerdings nicht werden. Denn selbst für die Ärzte grenzt es an ein Wunder, dass es Mutter und Kind so gut geht, trotz der bereits 61 Jahre alten eingesetzten Gebärmutter, den daraus resultierenden Komplikationen und den vielen erforderlichen Medikamenten. Umstritten ist es auch, ohne medizinische Indikation die Gesundheit der Mutter aufs Spiel zu setzen, allein des Kinderwunschs wegen. Für die Eltern ist das jedoch momentan zweitrangig. «Irgendwann denken wir bestimmt über ein zweites Baby nach», prophezeit der Vater. «Für den Moment aber sind wir einfach nur glücklich mit unserem einen Kind.»

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