Feuerwehrleute mit Sanitäter-Qualitäten

Herzstillstand ist weltweit die häufigste Todesursache. In der Schweiz stirbt jede Stunde ein Mensch an Herzversagen. Minuten entscheiden dabei über Leben und Tod - ein Grund, warum Feuerwehrleute fit im Umgang mit Defibrillatoren sein sollten.

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Mobile Herzwiederbelebung

5:26 min, aus Puls vom 6.5.2013

In der Schweiz erleiden jährlich über 8000 Personen einen Herz-Kreislauf-Stillstand – das sind 22 pro Tag. Nicht einmal fünf Prozent der Betroffenen überleben einen solchen Herznotfall.

Oft erreicht der Rettungsdienst die Betroffenen zu spät und kann nur noch den Tod feststellen, denn mit jeder Minute ohne Wiederbelebungsmassnahmen sinken die Überlebenschancen um bis zu zehn Prozent und das Risiko für Hirnschäden steigt. In den meisten Ländern vergehen vom Notruf bis zum Eintreffen des Notfallteams rund acht bis 13 Minuten.

Vor allem in ländlichen Regionen der Schweiz sind in den letzten Jahren deshalb bei den Feuerwehren spezielle Herznotfall-Teams ins Leben gerufen worden, die nicht nur ausrücken, wenn’s brennt, sondern auch bei einem Herzstillstand. Mit im Gepäck: ein Defibrillator. Statistiken zeigen nämlich, dass die Feuerwehr bei einem Alarm meist zuerst am Unfallort eintrifft – kostbare Minuten vor der Sanität, die über Leben und Tod entscheiden können. Eine logische und sinnvolle Idee also, die in der Schweiz aber erstaunlicherweise keinesfalls Standard ist.

Der Herz-Kreislauf-Stillstand

Die Herzfunktion wird bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch eine Erkrankung wie zum Beispiel eine schwere Herzrhythmusstörung oder einen Herzinfarkt plötzlich so schwer beeinträchtigt, dass der Körper nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt ist. Die Betroffenen werden rasch bewusstlos, sacken zusammen und atmen nicht mehr und haben keinen Puls mehr. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand fällt die betroffene Person plötzlich um oder sinkt auf dem Stuhl zusammen und wird bewusstlos. Die Atmung setzt aus und es ist kein Puls mehr spürbar. Auf Ansprechen oder Schütteln reagiert sie nicht. Wenn in einer solchen Situation nicht innerhalb von wenigen Minuten Wiederbelebungsmassnahmen erfolgen, stirbt die betroffene Person – daher auch die Bezeichnung "plötzlicher Herztod".

Die häufigste Ursache eines Herz-Kreislauf-Stillstands ist das sogenannte Kammerflimmern, meist ausgelöst durch einen Herzinfarkt. Diese plötzliche Rhythmusstörung kommt einem elektrischen Gewitter oder Chaos im Herzen gleich. Die Herzkammern pumpen nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper. Kammerflimmern lässt sich in der Regel durch eine Defibrillation unterbrechen. Aber bis ein Defibrillator verfügbar ist und selbst nach erfolgreicher Defibrillation muss das Herz mit Thorax-Kompression und Beatmung unterstützt werden.

Feuerwehr im Einsatz beim Herznotfall

Aus logistischen und organisatorischen Gründen ist die Feuerwehr bei einem Zwischenfall oft zuerst vor Ort – auch bei einem Herznotfall. Was Statistiken gezeigt haben, hat die Herzstiftung Olten vor über zehn Jahren zu einem Pilotprojekt animiert. Als einzige Region in der ganzen Schweiz verfügen die Bezirke Olten, Gösgen, Gäu und Thal über speziell ausgebildete Feuerwehren, die bei plötzlich auftretenden Herzproblemen sofort in der Lage sind, erste Hilfe zu leisten. Sie sind im Einsatz eines Defibrillators geschult und können ihn optimal einsetzen und so viele Leben retten.

Bis heute konnten bei rund 1300 Einsätzen durch die regionalen Feuerwehren 25 Menschenleben gerettet werden, darunter auch zwei Jugendliche im Alter von unter 15 Jahren. Grosse internationale Studien haben zudem gezeigt, dass mobile Defibrillatoren im öffentlichen Raum vor allem an Standorten Sinn machen, wo auch geschultes Personal zugegen ist, das die Geräte dann bedient. Der absolute Laie hat offenbar immer noch Hemmungen, einen Defibrillator im Notfall einzusetzen.

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