Kunst macht Demente kreativ

Wer an einer Demenz erkrankt, verschwindet oft aus der Öffentlichkeit. Das Projekt «aufgeweckte Kunstgeschichten» bringt deshalb demenzkranke Menschen in Schweizer Museen. Gefragt sind ihre Gedanken und Ideen zu ausgewählten Kunstwerken. Fähigkeiten stehen im Zentrum, nicht der geistige Abbau.

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Trotz Alzheimer ins Museum

7:12 min, aus Puls vom 8.12.2014

Das Museumsprojekt «Aufgeweckte Kunstgeschichten» wurde in der Schweiz vom Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich angestossen. Es animiert Menschen mit Demenz anhand von Gemälden oder Fotografien zum kreativen «Geschichtenerfinden».

Eine geschulte Gesprächsleitung regt die Teilnehmer durch offene Fragen zum Mitmachen an. Das Ziel ist, Demenzkranken und ihrem Umfeld an einem öffentlichen Ort ein anregendes Erlebnis zu ermöglichen.

Das Projekt tritt dem Defizit-Bild der Demenz entgegen, indem es das Positive in den Vordergrund rückt. Gesammelt werden ausschliesslich die Äusserungen der Demenzkranken. Es gibt keine falschen Aussagen und keine Korrekturen.

Bis Herbst 2014 wurden inzwischen 48 Betrachtungen mit 60 Demenzkranken durchgeführt. Eine erste Auswertung kommt zum Schluss, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf verschiedene Art profitieren konnten. So wirkte sich der Anlass positiv auf die Stimmung aus und förderte Konzentration und verbale Ressourcen.

Angebot nach US-Vorbild

Das Konzept der «Aufgeweckten Kunstgeschichten» geht zurück auf die amerikanische Kulturanthropologin Anne Basting. Sie förderte bereits vor Jahren die Teilhabe von Demenzerkrankten an kreativen Aktivitäten.

Die von ihr erfundene «TimeSlips»-Technik (engl. für «Zeitfetzchen») setzt kreative Gruppenprozesse in Gang. Eine Demenz mit Wortfindungsstörungen und Gedächtnisproblemen ist kein Hinderungsgrund.

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