Mehr Geld für neue Haut

Gerade wenn Kinder grossflächige Verbrennungen erleiden, ist ein langer Leidensweg vorprogrammiert. Im Kinderspital Zürich sind bereits acht Kinder mit einer neuen Methode behandelt worden.

Erleiden Kinder grossflächige Verbrennungen, werden oft Hauttransplantationen auf die Wunden erforderlich. Dazu wird bislang gesunde Haut von einer anderen Körperstelle entnommen und auf die Wunde verpflanzt.

Doch an den betroffenen Hautstellen bilden sich oft grosse Narben, die dann wiederum zahlreiche Folgeoperationen erforderlich machen, denn sie wachsen nicht mit – bei Kindern ein grosses Problem, dem sich ein frisch gegründetes und preisgekröntes Startup angenommen hat.

Das Startup geht aus der Forschungsarbeit im Forschungszentrum für das Kind des Kinderspitals Zürich hervor, wo sich Wissenschaftler bereits seit 14 Jahren mit gezüchteter Haut beschäftigen. Schliesslich gelang der Durchbruch: Aus eigenen Hautzellen der Patienten schaffte es das Team aus Zellbiologen, in einer Nährlösung in der Petrischale aus den Hautzellen von Patienten innerhalb von etwa zwei Wochen Haut auf einer lockeren Grundsubstanz zu züchten («Puls» berichtete).

Weil die Zellen vom Patienten selbst stammen, kommt es zu keiner Abstossungsreaktion. Allerdings wachsen auf der neuen Haut keine Schweissdrüsen und Haarfollikel.

Bereits acht Kinder erfolgreich behandelt

Inzwischen wurden bereits acht Kinder so behandelt, die Erfahrungen sind sehr gut. Allerdings befindet sich die Methode noch in der klinischen Studienphase I, zwei weitere Phasen müssen bis zur Zulassung noch folgen, um die Sicherheit für den Patienten belegen zu können. Dennoch ist die Methode bereits so zuverlässig, dass das Projekt mit der Gründung eines Startups nun auch wirtschaftlich in eine neue Phase eintreten konnte, um aus dem Forschungsbereich in die Produktion zu wechseln.

Die Biologin Daniela Marino, die massgeblich am Projekt beteiligt ist, hat nun sogar den Start-up-Wettbewerb «Venture» gewonnen. Bislang flossen Gelder aus der EU, der Universität Zürich und der Fondation Gaydoul in das Projekt. Nun kommen dank dem Siegerpreis 60‘000 Franken hinzu, um die gezüchtete Haut zur Marktreife zu bringen. Sie wird frühestens 2016 erwartet – wenn alle weiteren Testphasen zufriedenstellend verlaufen.

«Tissue engineering»

Die Arbeit mit Zellen, Fasern und Nährlösungen, um im Labor künstliches menschliches Gewebe zu züchten, nennt man «Tissue Engineerung». Für zahlreiche menschliche Gewebe und Organe laufen derartige Forschungen auf Hochtouren; im Bereich Knorpel, Blutgefässe und Herzklappen gelangt gezüchtetes Gewebe vereinzelt sogar schon zur klinischen Anwendung.