Peinlich, peinlich – Was Patienten lieber online fragen

Potenzprobleme, Analekzeme oder übermässiges Schwitzen besprechen Patienten mit Ärzten lieber übers Internet.

Eine Frau blickt in einen Laptop.

Bildlegende: In der Anonymität des Internets fühlen sich manche Patienten wohler. Colourbox

Das Unispital Zürich bietet seit 1999 Patienten eine Onlineberatung an. Rund 1000 Anfragen beantworten die Ärzte pro Jahr, 50'000 sind es inzwischen insgesamt. Die fünf Internetärzte werden dabei von Spezialärzten des Uni- und des Kinderspitals Zürich, der Uniklinik Balgrist und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich unterstützt.

Dabei haben die Mediziner festgestellt: Einige Fragen tauchen immer wieder auf. «Uns erreichen öfters Anfragen zu Themen, die man nicht so gerne äussert, wenn man einem Doktor gegenüber sitzt», heisst es im Buch «Schulmedizin & Naturheilkunde. Häufig gefragt - von Ärzten beantwortet», in dem Sabine Schmidt-Weitmann, Reinhard Saller und Christiane Brockes diese Fragen und die Antworten darauf zusammengefasst haben. Überproportional häufig seien dies Fragen zu tabuisierten oder intimen Themen.

Von Nagelpilz bis Potenzprobleme

Da fragt zum Beispiel eine 24-jährige Frau, ob sie bei Einnahme von Johanniskraut-Tabletten gegen ein Stimmungstief zusätzlich zur Pille mit Kondom verhüten müsse. Die Antwort: Es sei zwar bekannt, dass Pille und Johanniskrautextrakte über den gleichen Weg in der Leber abgebaut werden - das Risiko einer Wirkungsverminderung der Pille sei jedoch als gering einzustufen.

Auch Nagelpilz und Depressionen, Reizdarm und Verstopfung scheinen Themen zu sein, bei deren Besprechung von Angesicht zu Angesicht sich Patienten unwohl fühlen. Dazu zählen auch typisch weibliche Sorgen zu Wechseljahrs- und Menstruationsbeschwerden oder typisch männliche wie die Prostatavergrösserung oder Potenzprobleme. Informationen suchen Patienten auch zu Hausmitteln und komplementärmedizinischen Therapien, aber auch mit ernsthaften Erkrankungen wenden sich Patienten an die Onlineärzte – mit Krebs, Hepatitis C oder koronaren Herzleiden beispielsweise.