Zum Inhalt springen
Inhalt

Gesundheitswesen Sex im Alter

Auch alte Menschen wollen Sex. Das Bedürfnis danach und die Häufigkeit nehmen meist zwar ab. Das Bedürfnis nach Nähe, danach, gestreichelt und berührt zu werden, aber bleibt.

Ein älteres Paar küsst sich.
Legende: Das Bedürfnis nach körperlicher Nähe nimmt auch im Alter nicht ab. Colourbox

«Es ist nicht so, dass Erotik und Sexualität einfach da sind, nur weil man sich liebt. Das ist eher wie bei einem schönen Garten: Den muss man auch immer pflegen, wenn man ihn geniessen will», sagt Christa Gubler, Sexologin – gerade im Alter, und in einer langen Partnerschaft. Wenn es mit dem Alter in vielen Beziehungen ruhig wird im Schlafzimmer, setzt das oft einen Teufelskreis in Gang: Je weniger Sex man hat, desto höher wird die Überwindung, wieder Sex zu haben. Dann muss man herausfinden, was man sich selbst wünscht und sich einen Ruck geben und das auch dem Partner mitteilen.

Denn Erotik beginnt auch im Alter lange vor dem Liebesspiel. Erotik, das sind Blicke, Gespräche, auch, wie man sich dem anderen zeigt. All das wirkt viel mehr als schöne Unterwäsche oder Blumen. Christa Gubler erzählt von einem älteren Paar: Der Mann hat jeweils ein schönes Tablett hergerichtet, mit Wein, Kerzen, Blumen – und damit bei seiner Frau angeklopft. Bei der jedoch ging dann jeweils gar nichts mehr – eben weil die Absichten des Mannes damit glasklar waren. Das hat, in den Augen der Sexologin, nichts mit Verführen zu tun.

Erotikfreie Zone Alters- und Pflegeheim

Legende: Video Sex im Altersheim abspielen. Laufzeit 04:46 Minuten.
Aus Puls vom 17.12.2012.

Weit handfester werden jedoch die Probleme, wenn Menschen altersbedingt nicht mehr daheim wohnen können – und trotzdem ihre Sexualität nicht opfern möchten. Denn Alters- und Pflegeheime sind meist auf alleinstehende Personen ausgerichtete Orte, die auf den Wunsch nach Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität nicht eingestellt sind. Oft fehlt auch die Privatsphäre. Und die meisten dieser Einrichtungen verfügen über keine Angebote, um auf solche Wünsche reagieren zu können. Sie bieten höchstens ihrem Pflegepersonal Weiterbildungskurse an, wie es auf allfällige sexuelle Anspielungen oder Übergriffe reagieren kann. Doch wohin mit der Sexualität der Bewohnerinnen und Bewohner?

Alte Menschen in einem Alters- und Pflegeheim sind oft einsam, z. B. verwitwet, und haben ihre sexuelle Abstinenz häufig nicht freiwillig gewählt. Es ist wenig hilfreich, sie als «alte Glüschtler» abzutun. Ihr Verhalten kann ein – wenn auch missglückter – Hilferuf sein. Sexuelle Anspielungen oder direkt geäusserte Wünsche gegenüber anderen Bewohnern oder dem Heimpersonal sind nicht selten und entstehen oft nicht einfach aus Langeweile, sondern sind Ausdruck echter sexueller Not. In den meisten Fällen sind es Männer, die aus der Sicht des Pflegepersonals «zu weit gehen».

Grenzen zwischen Pflege und Sexualität ziehen

In der Pflege im Alters- und Pflegeheim kann es daher plötzlich auch um sexuell konnotierte Situationen gehen: Bei der Intimwäsche zum Beispiel kommen die Pflegenden an einen Grenzbereich zwischen professioneller Pflege und Sexualität. Hier gilt es für das Personal, deutlich Grenzen zu setzen und diese auch zu kommunizieren. Schwieriger wird es bei dementen Heimbewohnern, wo die Grenzüberschreitungen oft nicht mehr kommuniziert werden können.

Der Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK hat unter dem Titel «Verstehen Sie keinen Spass, Schwester?» einen Leitfaden zum Schutz vor sexueller Belästigung herausgegeben. Hierin wird eine Pflegefachfrau z.B. so zitiert: «Ich betreute seit Jahren einen ganz charmanten alten Mann. Als sich der Wechsel ins Pflegeheim abzeichnete, fing er an zu drängen: Einmal im Leben wolle er noch Sex mit einer Frau. Das sei sein grösster Wunsch. Bei jedem Besuch kam er mit diesem Thema.» Eine andere Pflegeassistentin berichtet: «Ich vertrug mich ganz gut mit einem alten, leicht dementen Heimbewohner. Er verlangte immer mich, als es ums Duschen ging, nur bei mir machte er mit. Eines Tages hat er angefangen, unter der Dusche sein Glied zu reiben und blickte mich dabei vieldeutig an.»

Umdenken in der Altenpflege

Es gibt immer mehr Alters- und Pflegeheime, die aktiv auf die sexuellen Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner reagieren. So arbeiten sie zum Beispiel mit «Berührerinnen» oder Sexualassistentinnen zusammen. Diese werden von der Heimleitung aufgeboten, wenn ein Bewohner das Bedürfnis nach körperlicher Nähe hat. Falls die Person unter Vormundschaft steht, geschieht das auch in Absprache mit den Angehörigen. In selteneren Fällen wurden Altersheimbewohner auch schon auf dem Gang zu einer Prostituierten begleitet.

Legende: Video Sex im Altersheim - Gedicht eines Bewohners abspielen. Laufzeit 01:06 Minuten.
Aus Puls vom 17.12.2012.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Salad Turtle, Baden
    Mein persönliches Feedback ... Mein persönliches Lebenszeugnis! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht was ER dir Gutes und wunderbares getan hat! seid 1942 bis heute! Halleluja! Hochgelobt sei GOTT unser VATER und JESUS CHRISTUS unser HERR! allezeit ! Halleluja ! Ewig
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Fritz Meier, Zürich
      Liebe Salat Turtle Was hat dieses Feedback mit Sex zu tun.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas E., Thun
    Ich kann sexuelle Bedürfnisse älterer Menschen nachvollziehen. Auf ihre "Not" wird im Artikel eingegangen. Dieser "Not" gegenüber kommt meines Erachtens zu kurz, wie es dem Pflegepersonal dabei geht. Es wird den Pflegenden zwar eine Stimme gegeben, aber welche seelischen Auswirkungen eine sog. "sexuelle Belästigung" hat, darüber wird mit keinem Wort gesprochen. Müssen wir überrascht sein, wenn es da einen zahlenmässigen Rückgang des Pflegepersonals gibt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margot Kull, Bern
    Dieser Artikel zeigt wieder einmal deutlich, wie man als weibliches Wesen auf dieser Welt andauernd diskriminiert und anders behandelt wird. Es gibt genau soviele Frauen in Altersheimen, die Sex wollen. Bringt man denen auch (männliche) Prostituierte ins Heim? Wenn nicht, würde ich mir an ihrer Stelle sofort einen Anwalt nehmen und das Heim gegen Diskriminierung einklagen! Und was geschieht, wenn eine alte Dame einen ihrer männlichen Betreuer sexuell belästigt. Wird das einfach vertuscht?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen