Stammzellen aus Eigenfett – Ein Versprechen für die Zukunft

«Stromal Vascular Fraction», SVF, so heisst ein vielversprechender Zell-Cocktail, der aus abgesaugtem Körperfett gewonnen wird. Künftig könnte er zur Behandlung erkrankter und geschwächter Organe verwendet werden. Schon heute ist damit einiges möglich – aber längst nicht alles, was versprochen wird.

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Wundermittel Stammzellen

5:07 min, aus Puls vom 5.10.2015

Gewonnen wird das SVF aus Fettgewebe. Besonders geeignet dafür ist das ungeliebte «Hüftgold». Dieses Fettgewebe enthält sehr viele multipotente Stammzellen, etwa 500 Mal mehr als zum Beispiel das Knochenmark.

Operativ per Liposuktion wird das Fettgewebe mit Kanülen schonend abgesaugt. In einem aufwendigen Verfahren im Labor oder im Operationssaal wird das SVF dann aus dem Fettgewebe gewonnen. Dabei wird das Fettgewebe mehrmals zentrifugiert und mit Lösungen behandelt, die die Zellen aus dem Gewebe lösen. Am Ende erhält man einen Zellcocktail, besagtes «SVF».

Nebst den darin enthaltenen Stammzellen findet man auch viele andere Zelltypen. Unter anderem Endothelzellen, welche für die Gefässbildung zuständig sind oder andere Zellen, die für die Regeneration eines Gewebes zuständig sind.

SVF-Potential laut Forschern enorm

Stammzellen aus abgesaugtem Fett haben ein immenses Therapiepotenzial. Die therapeutische Wirkung der Stammzellen aus Fettgewebe wird denn auch weltweit im Rahmen klinischer Studien getestet.

Schon vor zwei Jahren berichteten Ärzte auf einem Kongress in Marseille über den Einsatz von Stammzellen bei Diabetes, Nervenerkrankungen und bei Problemen der Harnwege. Auch hier offenbar mit vielversprechenden ersten Resultaten. Die EU fördert diese Studien mit Millionenbeträgen. Teilnehmen können nur wenige ausgewählte Patienten.

Forschungsgelder erhält auch das Departement Biomedizin der Universität und des Universitätsspitals Basel. Das Forscherteam rund um Prof. Ivan Martin ist auf der Suche nach einem Durchbruch bei der Heilung von Knochenfrakturen bei Patienten, die unter Osteoporose leiden. Im Rahmen einer klinischen Studie hat man insgesamt acht Patienten Eigenfett entnommen, das gewonnene SVF mit einem Knochenersatzmaterial kombiniert und in den Bruch des Oberarmknochens eingesetzt. Offenbar mit vielversprechender Wirkung. Laut Professor Ivan Martin regte der SVF-Cocktail die Knochenregeneration an. Weitere Versuche mit einer grösseren Patientenpopulation sind geplant. Ob sich künftig SVF zur Behandlung von Knochenbrüchen bei Osteoporose-Patienten durchsetzen wird, lässt sich heute noch nicht sagen.

Bis zur Zulassung solcher Stammzellen-Therapien durch eine Arzneimittelbehörde kann es jedoch mindestens noch fünf bis zehn Jahre dauern. Bevor Krankheiten wie zum Beispiel Arthrose oder Rheuma so geheilt oder gelindert werden können, müssen Forscher erst besser verstehen, wie Stammzellen wirken und wachsen und wie sie eingesetzt werden können.

Plastische Chirurgie setzt schon länger auf Fett

Fettgewebe von einer Körperstelle zur anderen zu übertragen ist kein neuer Therapieansatz. Schon 1893 verpflanzte Franz Neuber, ein deutsche Arzt, bei einem Patienten Fett aus dem Oberarm in die Wange. 1895 führte ein weiterer Deutscher Arzt die erste dokumentierte Brustvergrösserung mit Fett durch.

Inzwischen ist Fettgewebe in der Medizin zur festen Grösse geworden. Nicht nur krankheits- und unfallbedingte Wunden lassen sich so auffüllen, sondern in der Schönheitschirurgie auch ganze Körper- und Gesichtspartien nach den eigenen Vorstellungen modellieren. Zudem werden zur Glättung der Haut oder Auffüllung von Falten bereits SVF-Zellcocktails gespritzt. Zuvor wird den Patienten Fett abgesaugt entsprechend behandelt und dann wieder in die zu verjüngende gewünschte Gesichtspartie eingespritzt. Diese Therapie wird seit Jahren von Schönheitschirurgen in der Schweiz und weltweit praktiziert.

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