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Gesundheitswesen Trotz Risiken: Legales Cannabis für Jugendliche

Schweizer Jugendliche sind Weltklasse in Sachen Kiffen. Gerade in der Pubertät kann starker Cannabis-Konsum für die Entwicklung des Gehirns aber fatal sein. Trotzdem wollen Genf und Zürich bei ihren geplanten Pilotprojekten auch für Jugendliche Cannabis legal zugänglich machen.

Legende: Video Cannabis bei Jugendlichen abspielen. Laufzeit 5:09 Minuten.
Aus Puls vom 04.04.2016.

Basel, Zürich, Bern und Genf schreiten voran in Sachen Legalisierung von Cannabis: In Pilotprojekten soll Cannabis verschiedenen Konsumentengruppen legal zugänglich gemacht werden. Während Basel und Bern in die Versuche nur Erwachsene einbeziehen, wollen Genf und Zürich auch Jugendliche mit Stoff versorgen.

Das Genfer Projekt hat unter anderem zum Ziel, die harte von der weichen Drogenszene zu trennen. Dies ist in Zürich längst geschehen: Wer sich mit Marihuana eindecken will, kann das einfach tun, ohne mit Dealern von harten Drogen in Kontakt zu kommen. Trotzdem will auch Zürich Jugendliche mit dem Projekt erreichen.

«Problemkiffer» im Fokus

«Mit der heutigen Prävention kommen wir nicht an die jugendlichen Kiffer heran», sagt der Projektverantwortliche Morten Keller, Direktor der städtischen Gesundheitsdienste. Er will Jugendliche ab 16 Jahren einbinden, allerdings nur eine sehr eingeschränkte Zahl von «Problemkiffern». Also Jugendliche, die wegen starken Konsums in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sind oder auffällige psychische Probleme entwickelt haben.

Von der Abgabe von eigenproduziertem Cannabis mit standardisiertem THC-Gehalt erhofft sich Keller eine bessere Kontrolle und einen vereinfachten Ansatz zu einer wirkungsvollen Prävention.

Cannabis stört die Gehirnentwicklung

Für das ausgewachsene menschliche Gehirn ist Cannabis kein Problem. Im Gegensatz zum Alkohol tötet es keine Hirnzellen ab. Vorübergehende Veränderungen kann das Gehirn problemlos wieder ausgleichen.

Nicht so jedoch bei Jugendlichen: In der Pubertät ab ca. zwölf Jahren bis etwa MItte zwanzig entwickelt sich das Gehirn erst voll aus. Bis dahin ist es besonders empfindlich. Wird das Gehirn in dieser Zeit regelmässig mit Cannabis vernebelt, kann das zu einer gestörten Entwicklung mit lebenslang spürbaren Folgen führen. Kann, muss aber nicht. Denn bei längst nicht allen Starkkiffern macht sich der Konsum später bemerkbar.

Legende: Video Boris Quednow zu Folgen des Cannabiskonsums abspielen. Laufzeit 9:45 Minuten.
Vom 05.04.2016.

Gemäss Boris Quednow, Pharmapsychologe und Drogenexperte an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK), besteht das grösste Risiko darin, später eine Sucht zu entwickeln. Nicht nur für Cannabis, sondern auch für Alkohol oder andere Drogen. Auch von kognitiven und sozialen Schwächen berichten Studien.

Einen gelegentlichen Joint am Wochenende will auch Boris Quednow niemandem ausreden. «Ihr müsst nicht ein Leben lang auf Cannabis verzichten», sagt er jeweils in Schülervorträgen. «Aber je später ihr anfangt, desto besser. Die Substanz gibt's auch noch, wenn ihr älter seid – und wenn ihr dann immer noch täglich rauchen wollt, dann tut es lieber mit 20 als schon mit 14.»

Schweizer Jugend kifft

Im internationalen Vergleich nimmt die Schweiz beim Cannabiskonsum einen Spitzenplatz ein: 29 Prozent der Knaben und 19 Prozent der Mädchen im Alter von 15 Jahren gaben an, schon einmal gekifft zu haben. Dies geht aus aktuellen Zahlen der WHO-Studie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) hervor.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Cherubina Müller, 4055 Basel
    Dass jugendliche Dauerkonsumenten gesundheitlich gefährdet sind ist schon lange bekannt, darum wird die Legalisierung immer mit Jugendschutz gefordert. Herr Quednow macht sich aber der Verharmlosung der zwei gefährlichsten Todes- und Einstiegsdrogen schuldig: Nikotin und Alkohol, beide können im Gegensatz zu Cannabis körperlich abhängig machen; man wird den Eindruck nicht los, Herr Quednow versuche krampfhaft den Gesetzgeber durch die Verharmlosung der verheerensten Suchtgifte zu entlasten.
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  • Kommentar von Peter S., Bern
    Unter 18-20-jährigen Zugang zu ermöglichen ist schlicht und einfach nur dumm. Lange wurde argumentiert, dass man durch Legalisierung die Jugend besser schützen kann und dann sowas? Klar gibt es solche, welche die Menge im Griff haben können/werden, aber es sind nicht diejenigen welche man vor missbräuchlichem Konsum schützen sollte. Sondern die Personen welche generell suchtgefährdet sind und/oder zudem eine Veranlagung für psychotische (Folge-)Probleme haben.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Wahrscheinlich ist es das beste, wenn wir alle Drogen legalisieren. Das einzige was ich aber dann möchte, ist ein hoher Schutz durch die Polizei, wenn man von solchen "Drögelern" bedrängt oder bedroht wird. Es muss uns nicht wirklich kümmern, was Menschen aus ihrem Leben machen. Die Übergangszeit von ca. 20 Jahren wäre ziemlich hart durchzustehen. Ich bin jedoch überzeugt, dass so wieder sehr starke Persönlichkeiten entstehen würden, die selber wissen was gut oder schlecht ist.
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