Wie kommen Medikamente zu ihren Namen?

Manche Medikamentennamen erlauben Rückschlüsse auf Inhaltsstoffe oder erhoffte Wirkung. Andere sind reine Fantasieprodukte.

Historische Medikamentenpackungen des

Bildlegende: «Aspirin» ist eine Verkürzung von Acetyl und Spirsäure, den Hauptinhaltsstoffen des über 100-jährigen Medikaments. Keystone

Die Suche nach dem richtigen Kindernamen ist für angehende Eltern eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Immerhin trägt ihn das Kind dann sein Leben lang – respektive ist mit ihm gestraft.

Von ganz ähnlichen Überlegungen lässt sich die Pharmaindustrie bei der Suche nach geeigneten Namen für ihre Produkte leiten: Gut klingen soll er, positiv aufgenommen werden und eine positive Bedeutung haben. Und möglichst unverwechselbar soll er auch sein, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Inhaltsstoff, Wirkung, Wortspiele ...

Eine Möglichkeit, zu einem Namen zu kommen, führt über den Inhaltsstoff. Beispiel «Aspirin»: Der Hauptwirkstoff der über 100-jährigen Arznei ist Acetyl-Salicylsäure. Salicylsäure kommt auch im Mädesüss vor, einem Rosengewächs, das man auch als Spire kennt. Der aus Acetyl und Spirsäure zusammengesetzte Kunstname wurde 1899 zum Patent angemeldet und steht seither für eines der weltweit bekanntesten Medikamente überhaupt.

Oder man spielt mit der angestrebten Wirkung des Medikaments und medizinischen Fachbegriffen: «Afinitor» heisst ein solches Medikament, das in Krebstherapien zum Einsatz kommt. Im Wort steckt die Abkürzung der Wirkung auf Englisch: Die Hemmung des mTOR-Proteins in Tumorzellen.

Dann gibt es auch Wortspielereien wie das Medikament «Exjade». Die Arznei wird genutzt, um überschüssiges Eisen aus dem Körpergewebe zu entfernen. Der Name bezieht sich auf den Edelstein Jade, der viel Eisen enthält – je mehr, desto grüner die Farbe.

Fast schon poetisch ist das Medikament «Viagra»: Es setzt sich aus dem lateinischen Wort vis für Stärke und dem Niagara der berühmten Wasserfälle zusammen. Im Sanskrit bedeutet das Wort übrigens «Tiger».

Sinnfrei, aber eingängig

Völlig sinnfreie Wortschöpfungen sind ebenfalls nicht selten. Ein Musterbeispiel: Seit über 40 Jahren ist ein Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac (abgeleitet von 2,6-Dichlorphenylaminophenylacetat) auf dem Markt. Der Zungenbrecher schien wenig verkaufsfördernd, dem mit der Namensfindung betrauten Ciba-Geigy-Mitarbeiter mochte aber nichts Sinniges einfallen. Schliesslich kombinierte er kurzerhand den Platz vor der Firma mit dem Fluss hinter ihr: Voltaplatz gesellte sich zu Renus (für Rhein) – «Voltaren» war geboren.