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Gesundheitswesen Wieso ein Medikament rezeptflichtig ist

Ob vom Arzt oder neu vom Apotheker verschrieben: Gewisse Arzneimittel sind ohne Rezept nicht zu bekommen. Was unterscheidet sie von anderen, die frei erhältlich sind?

Apothekerin nimmt Medikamente aus einer langen Schublade
Legende: Gewisse Medikamente können nur auf Rezept bezogen werden – zum Schutz der Patienten. Keystone

«Im Allgemeinen wird angenommen, dass die Rezeptpflichtigen wirksamer sind», weiss Lukas Jaggi, Mediensprecher der Zulassungsbehörde Swissmedic, aus Erfahrung. «Das stimmt so aber nicht. In erster Linie geht es um den Schutz des Patienten.»

Damit ein Arzneimittel, rezeptpflichtig oder nicht, in der Schweiz überhaupt zugelassen wird, muss der Hersteller den Nachweis erbringen, dass es qualitativ hochstehend, sicher und wirksam ist – der Nutzen eines Präparats hat seine potenziellen Risiken zu übertreffen. In welche Abgabekategorie es schliesslich eingeteilt wird, hängt dann von den besonderen Risiken eines Präparats in der Anwendung ab. Etwa, wie gefährlich eine falsche Einnahme durch den Patienten werden kann oder wie gross das Risiko ist, wegen der Wirkung der Arznei die Zeichen einer anderen Krankheit zu spät zu erkennen.

Beurteilung durch Fachperson

Die Einteilung in die verschiedenen Abgabekategorien trägt diesen und anderen Faktoren Rechnung. Mit der vorgeschriebenen Verschreibung durch eine medizinische Fachperson soll zudem sichergestellt werden, dass individuelle Umstände wie Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten so gut wie möglich berücksichtigt werden.

Ist ein Arzneimittel rezeptfrei erhältlich, bedeutet das zwar, dass seine Risiken in der Anwendung als vergleichsweise gering eingestuft werden, das heisst aber nicht, dass es völlig bedenkenlos verwendet werden kann. Die Packungsbeilage in der Schachtel oder auf www.swissmedicinfo.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster informiert über Einsatz, Risiken und Nebenwirkungen – und im Zweifelsfall helfen Arzt, Apotheker oder Drogist weiter.

Die Einstufung eines Medikaments ist durchaus nicht in Stein gemeisselt. Beantragt ein Hersteller eine tiefere Kategorie, zum Beispiel D statt C, muss er aufzeigen, dass sich das Mittel zur Selbstmedikation eignet. Die Bewertung der Risiken (unter anderem basierend auf den gemeldeten Nebenwirkungen, Link öffnet in einem neuen Fenster) spielt dabei eine wichtige Rolle.

Abgabekategorien von Medikamenten in der Schweiz

A+verschärft rezeptpflichtig, untersteht dem
Betäubungsmittelgesetz
Averschärft rezeptpflichtig / einmalige Abgabe auf
ärztliche Verschreibung
Brezeptpflichtig / mehrmalige Abgabe auf ärztliche
Verschreibung
B/Ckleine Packungen für Selbstmedikation und
Kurzzeittherapie in eingeschränkter Indikation und tiefer Dosierung rezeptfrei
(nur in Apotheken), grosse Packungen für Langzeittherapie und höheren
Dosierungen auf Verschreibung des Arztes
B/Dwie B/C, aber Abgabe in Apotheken und Drogerien
Crezeptfrei, nur in Apotheken (nach Fachberatung)
Drezeptfrei, in Apotheken und Drogerien (nach
Fachberatung)
Erezeptfreie Abgabe ohne Fachberatung in allen
Geschäften

8 Kommentare

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  • Kommentar von S. Forster, Ecublens
    Schutz der Patienten? Aber Zigaretten gibt es noch, oder???
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  • Kommentar von Kurt E. Emüller, Zürich
    Schutz des Patienten? Wohl eher des Arztes und dessen Verdienstmöglichkeiten. Im fernen Ausland kauft man z.B. bei einer Harnröhrenentzündung ein Breitband Antibiotika für Fr. 5.-- und, wenn es nicht innert 2-3 Tagen wirkt, noch ein zweites. In der Schweiz muss man zum Arzt, bekommt das gleiche Antibiotika verschrieben für Fr. 30.-- und macht teure Abstriche, Untersuchungen und Labortests für Fr. 500.--. Je nach Testergebnis muss man nochmals zu Arzt und erhält dann auch das zweite Antibiotika.
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    1. Antwort von Doris B., Zürich
      frei verfügbare Antibiotika tragen dazu bei, dass die Keime immer restistenzer werden.
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    2. Antwort von Francesca De Simone, Bern
      Liebe Kommentareschreiber es heisst ein AntibiotiKUM (Einzahl) und es sind zwei oder mehr AntibiotikA (Mehrzahl). Schon einmal daran gedacht das Antibiotika rezeptpflichtig sind, weil sie verschiedene Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben? Z.B mit der Pille? Oder das es Sinn macht einen Urintest durchzuführen damit wir nicht alle irgendeinmal an einem Bakterium sterben gegen das keines unserer Antibiotika mehr hilft? Die Rezeptpflicht ist ganz und garnicht nicht sinnlos.
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    3. Antwort von Reto Riedo, Biel
      Nicht nur in der Schweiz. Hatte in den Ferien das gleiche in Österreich durchgemacht. Zuerst Allgemeinpraktiker = erstes Antibiotika (hat nichts gebracht), Spezialist = zweites Antibiotika plus Abstriche und Probenahmen (hat auch nichts ergeben). Ein Ratschlag den ich gegoogelt habe, hat mich zum richtigen Antibiotika gebracht, ganz ohne Arzt. Ja die ärztliche Behandlung hat 500€ gekostet, Nebenwirkungen gebracht aber nicht geholfen. Daher bin ich für einen total freien Medikamentenzugang.
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    4. Antwort von Stefan Oberau, Bern
      Ihnen sagt der Begriff Resistenzentwicklung wohl nichts was? Würde man Antibiotika nach ihren Prinzipien einsetzen, hätten wir schon seit langem viel mehr multiresistente Keime gezüchtet. Die Länder, deren Antibiotikakonsum sie so verehren, handeln weder vorbilich noch verantwortungsvoll, das sollten sie sich im Klaren sein!
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    5. Antwort von Hermann Kaiser, Baden
      Und genau deshalb braucht es die Rezeptpflicht. Sie unterschätzen die Antibiotika-Resistenzen, die durch Selbstmedikation entstehen massiv. Antibiotika sollten nur nach spezifischem Nachweis und auf ärztliche Verordnung für einen genauen definierten Zeitraum eingenommen werden. Alles andere ist unverantwortlich. Daher konsultieren Sie das nächste Mal bitte einen Arzt, den mit einer Resistenz gefährdet man die ganze Gesellschaft.
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  • Kommentar von Florian Sarkar, Balsthal
    Die Begründungen stimmen nur in der Theorie. Unter den rezeptpflichtigen Medikamenten befinden sich auch harmlose Dinge wie befeuchtende Augentropfen und Magnesiumpräparate. Handkehrum sind rezeptfrei erhältliche Mittel wie Aspirin viel stärker mit Risiken behaftet als manch rezeptpflichtiges Medikament. Die Listen sind in allererster Linie eine juristische Einteilung, die nur bedingt auf Wirkung und Risiken schliessen lässt. Darum ist die Auskunft einer Fachperson wesentlich zuverlässiger.
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