Grossbritannien führt Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein

Ein Drittel der britischen Kinder ist zu dick. Eine neue Massnahmen soll gegenwirken: Für Getränke mit zugesetztem Zucker wird eine Extrasteuer fällig. Doch in anderen Ländern hatte diese Steuer bis jetzt noch keinen Effekt auf die Fettleibigkeit.

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Grossbritannien erhebt Zuckersteuer

0:38 min, aus Puls vom 29.8.2016

Die britische Regierung will stärker gegen die Fettleibigkeit vorgehen und führt eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein. Die Abgabe wird bei Produkten fällig, die mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Für noch süssere Getränke ist ein höherer Steuersatz geplant. Der Regierung zufolge werden Verbraucher nicht belastet, weil es sich um eine reine Unternehmenssteuer handelt. Erhoben wird sie nur auf Produkte, denen Zucker zugesetzt wird, und nicht etwa auf Fruchtsäfte. Die Einnahmen sollen für Gesundheitsprogramme für Schulkinder verwendet werden.

Grossbritannien hat weltweit einen der höchsten Anteile von fettleibigen Menschen. Die Regierung befürchtet, dass die Zahlen in den kommenden Jahren weiter steigen, so dass im Jahr 2050

mehr als ein Drittel der Jungen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren und ein Fünftel der Mädchen betroffen sein könnten. Das kostet das staatliche Gesundheitssystem NHS Schätzungen zufolge mehr als sechs Milliarden Pfund (gut 7.5 Milliarden Franken) im Jahr. Wichtigste Zuckerquelle für Kinder sind dem Gesundheitsministerium zufolge Softdrinks wie Cola.

Experten halten die neue Abgabe für unzureichend und fordern weitgehende Massnahmen. Ein Vertreter der britischen Softdrink-Branche sprach dagegen von einer «Strafsteuer», die Tausende Jobs gefährde und Übergewicht kaum beeinflusse. Mit der Einführung der Abgabe folgt Grossbritannien Ländern wie Finnland, Frankreich oder Mexiko.

Was bringt die Steuer?

Forscher der Universität Oxford haben berechnet, dass dank dieser Steuer die Zahl der Fettleibigen um 180‘000 Menschen (1.3 Prozent) sinken würde, bei unter 30-Jährigen sei der Effekt noch grösser.

Doch welchen Einfluss hat die Steuer bis jetzt auf jene Länder, die schon die Zuckersteuer erheben?

Noch bestehen sie nicht lange genug, um Aussagen über ihre Langzeitwirkung treffen zu können. So ist unklar, ob der Rückgang bei Softdrink-Käufen wirklich auf die höheren Preise zurückzuführen sind oder darauf, dass die Bevölkerung sich infolge der Diskussion gesünder ernährte.

  • Mexiko:

Im Januar 2014 führte das Land, dessen Bevölkerung massiv von Übergewicht betroffen ist, eine zehnprozentige Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein. Daraufhin sank der Umsatz der Produkte innerhalb eines Jahres um zwölf Prozent. In der gewünschten Zielgruppe sogar um 19 Prozent. Daten darüber, wie sich die neue Steuergesetzgebung auf die Fettleibigkeit auswirkte, gibt es bislang allerdings nicht. Eine Studie zeigt, dass 36 Milliliter Süssgetränke pro Tage weniger getrunken wurden, das entspricht 16 Kalorien, was leider aber praktisch keinen Einfluss auf das Übergewicht hat.

  • Finnland:

«Immer mehr Studien belegen, dass eine Besteuerung von Soft Drinks, Zucker und Snacks das Ernährungsverhalten ändern und die Gesundheit der Bevölkerung erhöhen kann – vor allem bei sozial schwächer Gestellten», so Sirpa Sarlio-Lähteenkorva, Beraterin des finnischen Sozial- und Gesundheitsministeriums. Finnland führte 2011 die Zuckersteuer ein. Im ersten Jahr wurden ein Prozent weniger Süssgetränke konsumiert. Im zweiten Jahr schon 3.1 Prozent. Doch anscheinend soll 2017 diese Steuer wieder abgeschafft werden, da in der konkreten Gesetzgebung finnische Produkte besser wegkommen als importierte. Die Europäische Union mahnte die Finnen zu Gleichbehandlung.

  • Frankreich:

Zwar ist der Soda-Konsum in Frankreich seit der Einführung 2011 der Steuer etwas zurückgegangen. Dass die Gesundheit der Franzosen sich dadurch massiv verbessert hätte, konnte – auch aufgrund der Gestaltung der Abgabe – bislang aber nicht nachgewiesen werden.

  • Berkley Californien

Diese Stadt in den USA hat ebenfalls dem Zucker den Kampf angesagt. Mit Erfolg: Innerhalb von vier Monaten ist der Konsum um 21 Prozent zurückgegangen, so eine neue Studie. Jene in den Nachbarstädten ist jedoch um vier Prozent gestiegen. Der Wasserkonsum nahm dafür um 63 Prozent zu, in anderen Städten aber nur um 19 Prozent.

Zuckersteuer in der Schweiz ist kein Thema

Liliane Bruggmann leitet beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit den Fachbereich Ernährung. Sie sagt, in der Schweiz setzte man nicht auf Zwang, sondern auf Zusammenarbeit mit den Produzenten. «Die Schweiz verfolgt nicht den gleichen Ansatz wie Grossbritannien. Wir haben einen freiwilligen Ansatz und keine Einführung einer Steuer vorgesehen.»

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