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Körper & Geist Bluttransfusion – Das Blut aus dem Beutel belastet den Körper

Eine Bluttransfusion kann Leben retten – nach Unfällen oder komplizierten Operationen mit grossem Blutverlust. Doch mittlerweile weiss man: Bluttransfusionen belasten den Körper stark. Mögliche Nebenwirkungen können den eigentlichen Nutzen gar zunichte machen.

Legende: Video «Problematische Blutkonserven» abspielen. Laufzeit 6:22 Minuten.
Aus Puls vom 26.01.2015.

Ohne Blut kein Leben. Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin im Inneren der roten Blutzellen transportiert den lebensnotwendigen Sauerstoff von der Lunge ins Körpergewebe. Bei einem schweren Unfall mit grossem Blutverlust fehlt dem Körper schnell der nötige Sauerstoff, um Herz-Kreislauf- und Hirnfunktionen aufrecht zu erhalten.

Es kommt zum Schock und zum Zusammenbruch des Blutkreislaufs. Schwer verletzte Unfallpatienten, aber auch Patienten mit einer angeborenen oder erworbenen Blutkrankheit sind deshalb dringend auf Fremdblut angewiesen.

Bei planbaren Operationen können die Risiken von Bluttransfusionen den Nutzen allerdings übersteigen. Und so macht es Sinn, die Blutwerte vor der Operation individuell abzuklären, um eine unbemerkte Blutarmut gegebenenfalls noch mit zum Beispiel der Gabe von Eisenpräparaten zu korrigieren. Wer nämlich mit stabilen Eisen- und Hämoglobin-Werten quasi «optimiert» in die Operation geht, braucht heute in vielen Fällen keine Bluttransfusion mehr.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Zum ersten Mal rückten die Bluttransfusionen in den 1980er-Jahren in den Fokus des öffentlichen Interesses, als die Immunschwäche-Krankheit AIDS für Schlagzeilen sorgte. Heute liegt die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung durch eine Blutkonserve bei 1:3'400'000 Spenden. Und auch mit Hepatitis steckt man sich mittlerweile kaum noch an.

Die Rede ist heutzutage von ganz anderen Nebenwirkungen: Selbst wenn die Blutgruppen von Spender und Empfänger nämlich übereinstimmen, kann es zu unerwünschten Reaktionen wie Entzündungen, Fieber, allergischen Reaktionen, Lungen- oder Nierenkomplikationen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen.

Eine Fremdblutgabe ist mit einer Transplantation zu vergleichen. Übertragen werden Blutzellen. Und diese können das Abwehrsystem des Empfängers durcheinander bringen und eine Immunreaktion auslösen. Bei Patienten mit einer Bluttransfusion ist das Risiko für solche Komplikationen um bis zu 25 Prozent erhöht.

Je frischer, desto besser

Gekühlt sind die Blutkonserven bis zu 42 Tage haltbar. Die Lagerung macht das Spenderblut aber «alt», die Qualität nimmt also laufend ab. Mit jedem gelagerten Tag verlieren die roten Blutzellen mehr und mehr ihre Beweglichkeit. Nach der Bluttransfusion schaffen sie es nicht mehr in die winzigen Verästelungen der Blutgefässe – die Sauerstoffversorgung ist gestört.

Auch drohen «alte» rote Blutzellen nach der Transfusion eher zu platzen und setzen dabei toxische Bestandteile frei, die die Organe schädigen können. Deshalb gilt: Je frischer das Blut ist, desto besser.

In der Schweiz werden jährlich rund 400‘000 Beutel Blut transfundiert. Trotz steigender Anzahl Operationen und kontinuierlichem Bevölkerungswachstum, ist der Bedarf an Blut in den letzten zehn Jahren um rund 15 Prozent zurückgegangen. Die blutsparenden Massnahmen der Spitäler scheinen massgeblich dazu beigetragen zu haben. Trotzdem braucht es Spenderblut. Denn auch frisches Blut der eher seltenen Blutgruppen muss jederzeit ausreichend zur Verfügung stehen. Und die Zahl der älterer Personen, die im Rahmen grosser Gelenks-Operationen Blut benötigen, steigt kontinuierlich.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Rita Meier, Luzern
    Es gibt Blutersatz welches viel zu wenig angewendet wird aber vielleicht etwas kostspieliger und ist und mehr Zeit braucht. Nicht in jedem Fall anwendbar aber in vielen Situationen eine bessere Variante. Solange das Blut mehr oder weniger kostenlos durch freiwillige Blutspenden verfügbar ist, (parallele zum Erdöl) wird jeweils die billigere Variante (nicht die bessere) verordnet zum Leidwesen des Patienten-
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    1. Antwort von A. Vögeli, Basel
      Sie meinen wahrscheinlich HES (Hydroxyethylstärke). Eine Studie hat gezeigt, dass mit dieser und ähnlichen Lösungen die Sterblichkeit steigt, deshalb wird es vorläufig nur sehr zurückhaltend eingesetzt. Weitere Studien sind im Gange.
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    2. Antwort von Tony Mendes, Sursee
      Sehr geehrte Frau Meier, ich gehe ebenfalls davon aus, dass Sie die Hydroxyethylstärke (HES) meinen. Produkte wie Tetraspan und HAES werden in den schweizer Kliniken nicht mehr verwendet. Eine Studie, welche im Jahr 2011 publiziert wurde (sofern ich mich noch richtig erinnern mag) hat gezeigt, dass die Sterblichkeit, nach verabreichung dieser Produkten, massiv zugenommen haben. Die erste Studie mit HAES wurde übrigens "gefälscht". Dies kam ans Licht!!!
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