Damit Verstopfung nicht den Urlaub trübt

Manchmal kommt es im Urlaub regelrecht zum Stau – nicht nur auf den Strassen: Dann geht in puncto Verdauung gar nichts mehr. Man kann ihr jedoch auf die Sprünge helfen, zur Not nach einigen Tagen auch medikamentös.

Mann sitzt verkrampft auf der Toilette und knetet eine WC-Papier-Rolle

Bildlegende: Verdauungsbeschwerden machen den Gang auf die Toilette zur Qual. Colourbox

Die Verdauung beginnt im Mund und endet beim Stuhlgang. Ein Prozess, der je nach Nahrung und persönlicher Veranlagung 12 bis 36 Stunden in Anspruch nehmen kann. Unterschiedlich sind auch die Stuhlgewohnheiten der Menschen: von drei Mal täglich bis drei Mal pro Woche. Alle diese Varianten gelten als normal.

Von Verstopfung, medizinisch «Obstipation», ist erst die Rede, wenn verschiedene Kriterien innerhalb einer bestimmten Zeit erfüllt sind («Rom-III-Kriterien»):

Mindestens zwei der folgenden Symptome während mindestens zwölf Wochen der vorhergehenden sechs Monate, bei einem Viertel der Stuhlgänge:

  • Klumpiger oder harter Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl der analen Blockierung
  • Manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation (Ausräumung mit dem Finger, Stützen des Beckenbodens)
  • Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
  • Weicher Stuhlgang nur mit Abführmitteln
  • Ungenügende Kriterien für ein Reizdarmsyndrom

Die Zahl der Betroffenen in unseren Breitengraden ist hoch: Quer durch alle Altersklassen leiden etwa 15 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer an Verstopfung, wobei die Rate der Betroffenen mit zunehmendem Alter steigt.

Akute oder chronische Verstopfung

Verstopfung ist keine Krankheit sondern ein Symptom. Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen der Verstopfung unterschieden:

Akute Verstopfung: Bei jüngeren Menschen häufig auf Abweichungen der täglichen Gewohnheiten zurückzuführen, z. B. Reisen, eine Umstellung der Ernährung, eine fehlende Toilette zur «richtigen» Zeit oder eine akute Erkrankung. Bei älteren Menschen hingegen muss auch an eine Erkrankung des Darmtraktes gedacht werden. Zudem können Analfissuren (kleine Risse am Darmausgang) oder die Einnahme bestimmter Medikamente zu Verstopfung führen.

Bei Beschwerden wie Schmerzen und/oder Fieber sowie bei plötzlicher Veränderung des Stuhles (z. B. Blut im Stuhl) oder der Stuhlgewohnheiten sollte der Arzt aufgesucht werden.

Chronische Verstopfung: Ursache können sowohl eine reduzierte Darmtätigkeit als auch einer Dysfunktion der Beckenbodenmuskulatur und des Schliessmuskels sein, in der Fachsprache Anismus: Dabei erschlaffen die Muskeln beim Stuhlgang nicht oder nur unvollständig oder sie ziehen sich sogar zusammen, so dass der Stuhl nicht durch den Enddarm austreten kann. Meist liegen aber keine ersichtlichen medizinischen Gründe für die Verstopfung vor – sie ist «idiopathischer Natur». Mögliche zugrunde liegende Erkrankungen müssen aber unbedingt ausgeschlossen werden!

Unterschiedliche Abführmittel

Es gibt unterschiedliche Gruppen von Abführmitteln («Laxanzien»):

  • Quellmittel: Ballaststoffe wie Leinsamen oder Weizenkleie oder auch synthetische Faserzusätze sorgen dafür, dass der Stuhl aufquillt und so gegen die träge Dickdarmwand drückt und sie stimuliert. Zudem enthält der Stuhl einen erhöhten Wasseranteil, was ihn geschmeidiger macht. Genug trinken ist hierbei wichtig!
  • Osmotika: Diese Abführmittel sorgen dafür, dass Darm und Stuhl mehr Flüssigkeit enthalten, das vergrössert das Stuhl-Volumen. Zudem regen sie die sogenannte Peristaltik an, die wellenförmig verlaufenden Kontraktionen der Längs- und Ringmuskulatur des Darmes, die den Darminhalt vorwärts schieben.

Viele Vorurteile

Die Liste von Vorurteilen gegen Abführmittel wie auch gegen das Verhalten Betroffener ist lang. So heisst es beispielsweise immer wieder …

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Abführmittel in Verruf - Was ist dran an den Vorurteilen?

9:28 min, aus Puls vom 1.11.2010

«Chronisch Verstopfte trinken unzureichend, nehmen zu wenig Ballaststoffe zu sich und bewegen sich nicht genügend.» Die meisten Betroffenen trinken gleich viel Flüssigkeit wie Gesunde, sind ähnlich aktiv und ernähren sich mit gleich viel Ballaststoffen.

«Abführmittel schädigen das Nervensystem der Darmwand.» Untersuchungen zeigen, dass richtig dosierte Abführmittel keinen schädigenden Einfluss auf den Darm haben.

«Abführmittel erhöhen das Risiko für Darmkrebs.» Es existieren keinerlei Daten, die diese Behauptung belegen könnten.

«Die langfristige Einnahme von Abführmitteln bringt einen Gewöhnungseffekt mit sich.» Auch dafür gibt es keine Studie, die eine solche Behauptung belegen kann.

«Ständiges Einnehmen von Abführmitteln macht körperlich abhängig und süchtig.» Auch diese Behauptung ist falsch und kann durch nichts belegt werden.

Fest steht: Es gibt Patienten, die für eine beschwerdefreie Darmtätigkeit Abführmittel brauchen. Bei längerer Anwendung oder immer höherer Dosierung rezeptfreier Abführmittel empfiehlt sich jedoch ein Arztbesuch, um keine zugrunde liegenden Krankheiten zu übersehen.