«Es gibt keine ‹gesunde Bräune›»

Fast jede und jeder mag sich im Sommer lieber mit sommerlicher Bräune. Doch die ist in jedem Fall Schwerstarbeit für die Haut – die auf Dauer Spuren hinterlässt.

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UV-Strahlen - Unsichtbare Gefahr für die Haut

16 min, aus Puls vom 1.6.2015

Jeder weiss, wie wichtig Sonnenschutz für die Haut ist. Doch selbst diejenigen, die sich redliche Mühe geben, ihre Haut zu schonen, sind sich nicht immer ganz sicher, ob sie den Sonnenschutz richtig angehen. Dermatologe Ralph Braun gibt Antwort auf die häufigsten Unklarheiten.

SRF: Sind wasserfeste Sonnenschutzmittel tatsächlich wasserfest?

Ralph Braun: Die Bezeichnung «wasserfest» ist wie die Bezeichnung «Sun Blocker» irreführend, denn die Cremes sind lediglich «wasserabweisend». Jede Sonnenschutzcreme ist irgendwann einmal abgewaschen. Bei den «wasserresistenten» dauert es einfach etwas länger als bei den anderen. Weil wasserresistente Cremes weniger fettig sind als andere, werden sie aber häufiger als unangenehm auf der Haut empfunden.

Liefern UV-Textilien besseren Sonnenschutz als normale Kleider?

Bei UV-Textilien sind die Stoffe enger gewebt oder chemisch so behandelt dass weniger UV-Licht auf die Haut gelangen kann. UV-Textilien sind wie Sonnencremes mit einem Hinweis zum Lichtschutzfaktor versehen. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Textilien nur die Stellen schützen, die vom Stoff bedeckt oder beschattet sind. Eine Mütze etwa schützt Ohren und Nacken nicht.

Ist es gefährlich, wenn ich bei hohen UV-Index-Werten an die Sonne gehe?

Es kann gefährlich sein, wenn man sich nicht adäquat schützt. Bei sehr hohen UV-Index-Werten heisst es also die Haut gut schützen und Aktivitäten, die draussen stattfinden, eher auf die Randzeiten zu legen und schattige Plätze aufzusuchen – etwa einen Spaziergang nicht unter freiem Himmel, sondern im Wald zu machen.

Ich mag es, wenn meine Haut im Sommer braun ist. Stimmt es, dass nicht nur ein Sonnenbrand schlimm für die Haut ist, sondern schon die Bräune selbst?

Es gibt keine «gesunde Bräune». Die Haut merkt sich jeden Sonnenstrahl. Es ist richtig, dass die Bräune der Haut einen gewissen Schutz bietet, doch der ist so gering, dass er kaum eine Rolle spielt. Hingegen ist der Preis, den wir dafür zahlen, sehr hoch. Regelmässige und intensive Sonnenbäder begünstigen die Entstehung von Hautkrebs und dessen Vorstufen. Zudem lässt die UV-Strahlung die Haut vorzeitig altern.

Ist es wichtig, auch dann Sonnencreme aufzutragen, wenn man nur kurz über Mittag draussen etwas isst?

Das hängt vom Hauttyp und der Stärke der UV-Exposition ab. Nimmt man das Mittagessen im Schatten ein, ist man besser geschützt als an der direkten Sonne. Zudem stellt sich die Frage, wie lange die Pause an der Sonne dauert. Zehn Minuten sind für kaum jemanden ein Problem, eine halbe Stunde aber schon. Es geht nicht darum, die Sonne um jeden Preis zu meiden, sondern bewusst damit umzugehen.

Porträt des Experten

Prof. Ralph Braun ist Dermatologe und leitender Arzt an der Dermatologischen Klinik des Unispitals Zürich.

Nationale Hautkrebs-Kampagne

Bis 5. Juni läuft in der Deutschschweiz die Nationale Hautkrebs-Kampagne 2015. Diverse Dermatologen bieten in diesem Rahmen kostenlose Erstuntersuchungen von auffälligen Muttermalen an. www.melanoma.ch

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