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Körper & Geist Essen aussetzen macht fit

Fasten kann heilen. Lange waren es fast nur Naturheilärzte, die davon überzeugt waren. Doch aus der Ernährungs- und Altersforschung verdichten sich die Hinweise, dass es sehr wohl gesund sein kann, längere Essenspausen einzuschalten. Schulmediziner bleiben noch skeptisch.

Legende: Video Neue Erkenntnisse der Fastenforschung abspielen. Laufzeit 6:41 Minuten.
Aus Puls vom 21.03.2016.

Der Mensch ist eigentlich von Natur aus für den Verzicht gebaut. Fehlt ein paar Tage die Nahrung, wird das für Gesunde nicht gefährlich; dafür haben wir im Körper Reserven in Form von Proteinen und vor allem Fett.

Die Zuckerspeicher halten bei fehlendem Nachschub mit Kohlehydraten nur etwa einen Tag vor, dann wird die Energie aus den Reserven bereitgestellt. Es ist vor allem die Umstellung des Stoffwechsels auf die Fettverbrennung, die sogenannte Ketogenese, die weitreichende Auswirkungen hat. Davon sind Forscher wie Valter Longo überzeugt.

Legende: Video Fasten aus Sicht der Naturheilkunde abspielen. Laufzeit 2:07 Minuten.
Vom 21.03.2016.

Der Direktor des Langlebigkeitsinstituts der University of South California in Los Angeles stützt sich auf Studien, die dazu mit Versuchstieren und zum Teil auch mit Menschen durchgeführt wurden. «Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Effekte sehr eindeutig», sagt Valter Longo im Interview mit «Puls». Mäuse, die im Versuch immer wieder Fastenperioden ausgesetzt werden, haben weniger Stoffwechselerkrankungen, weniger Krebs, weniger Entzündungen und leben insgesamt länger.

Menschen kann man nicht denselben Versuchen unter streng kontrollierten Bedingungen aussetzen wie Mäuse. Doch aus den Studien mit Fastenden sei auch für den Menschen klar bewiesen, dass sich verschiedene messbare Parameter wie Blutzuckerspiegel, Faktoren für Entzündungen und selbst Krebs durchs Fasten verbessern.

Gesunde Essenspausen

Auch an der ETH Zürich wird erforscht, wie sich das Fasten auf die Gesundheit auswirkt. Bei den Versuchen mit Mäusen im Tierlabor zeigt sich dabei besonders, dass sich der westliche Ernährungsstil mit drei Haupt- und weiteren Zwischenmahlzeiten unvorteilhaft auf die Bewegungsaktivität auswirkt und damit Krankheiten wie Diabetes, Entzündungen und Krebs begünstigt.

Ausgedehnte Essenspausen über 16 Stunden sind gesund, ist ETH-Molekularbiologe Markus Stoffel überzeugt. Fehlt nämlich die Nahrung, wird dadurch im Hirn ein Steuerungseiweiss (Foxa2) aktiv, das eine anregende Wirkung hat. Und dies steigert nicht nur die körperliche Aktivität sondern auch die geistige Aufmerksamkeit.

Das Fasten imitieren

Ein Problem bleibt: Nur wenige Menschen können oder wollen ganze Mahlzeiten auslassen oder sogar Fastentage oder -wochen einschieben. ETH-Professor Markus Stoffel musste einmal eine Studie abbrechen, weil es den Probanden zu schwer fiel, nur zwei- statt dreimal täglich zu essen. Auch Ärzte und Ernährungsberaterinnen wissen, wie schwer es Menschen fällt, die Ernährung umzustellen – besonders jenen, die am meisten davon profitieren würden.

Altersforscher und Biologe Valter Longo versucht dieses Problem mit einer fasten-imitierenden Diät zu umgehen: Statt vollständig auf die Nahrungszufuhr zu verzichten, muss dabei die Kalorienaufnahme auf täglich 800 bis 1100 Kalorien beschränkt werden, und dies während mindestens fünf Tagen. Das habe die gleichen positiven Effekte auf die Gesundheit wie Vollfasten, erklärt er gegenüber «Puls». Zudem habe sich bei zwei ersten Studien mit Menschen gezeigt, dass nur wenige dieses eingeschränkte Essensregime nicht durchhalten konnten.

Die zweite grössere Studie ist bereits abgeschlossen, aber noch nicht publiziert. Valter Longo aber ist zuversichtlich, dass mit einer fasten-imitierenden Diät viel mehr Menschen von den positiven Wirkungen des Fastens profitieren könnten als bisher. Mindestens ein- bis zweimal im Jahr müsste man sich einer solchen Diät unterziehen, um eine präventive oder heilsame Wirkung zu erzielen.

Schulmedizin wartet auf grössere Studien

Ärzte wie Philipp Schütz, Endokrinologe am Kantonsspital Aarau, würden ihren Patienten trotzdem noch keine Fastenkur empfehlen. Die vorliegenden Studien seien zwar vielversprechend, die Resultate müssten aber zuerst durch weitere klinische Studien an Patienten mit mehr Versuchspersonen bestätigt werden, sagt der Stoffwechselspezialist.

Zudem weist er darauf hin, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen, Risiko für Gicht oder solche, die dauerhaft Medikamente einnehmen (zum Beispiel gegen Diabetes), nicht fasten sollten, ohne sich zuerst mit ihrem Arzt abzusprechen. Für gesunde Menschen sei kurzzeitiges Fasten hingegen gesundheitlich weniger bedenklich, so Schütz.

Fasten-Tagebuch

Fasten-Tagebuch

Wie es «Puls»-Redaktorin Sarah Allemann eine Woche lang beim Vollfasten ergangen ist, können Sie in ihrem Fasten-Tagebuch nachlesen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Kathrin Wiget, Liestal
    @ Franz Huber Bin mir sicher die Medizin weiss seit Jahren dass sich Fasten positiv auf den Körper auswirkt. Aber die Medizin ist ein Geschäft des Geldes, wer hätte Interesse dran dass die Menschen weniger Krankheiten bekommen? Eigentlich niemand (ausser jeder für sich selbst natürlich), das würde nur weniger Geschäfte bedeuten für Krankehäuser, Pharmafirmen etc. Gibt einige gute Bücher über dieses Thema.
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  • Kommentar von Marianne Kobler, Zürich
    Rund zwei mal pro Woche esse ich kein Abendessen. D.h. kurz vor 16h esse ich was Kleines (bspw. eine selbstgemachte Gemüsesuppe ohne Rahm), danach trinke ich nur noch ungesüssten Tee. Fazit: Am nächsten Tag wache ich vor dem Wecker auf, keine Spur von Müdigkeit, sehe frisch aus und kann seither min Gewicht behalten. Diese Form heisst dinner cancellng und ich schwöre darauf!
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  • Kommentar von Freddy Wittenwiler, neerach
    Ich habe mehrmals während einer Woche nur Wasser und Tee getrunken und habe ganz normal gearbeitet (Bürojob) und manchmal dabei noch Fitness gemacht. Ich habe mich dabei immer sehr wohl gefühlt und auch weniger Schlaf benötigt. Dabei ist zu sagen, dass der dritte Tag jeweils der härteste war.
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    1. Antwort von Franz Huber, Zürich
      Ging mir ganz ähnlich. Das erste Mal vor 25 Jahren, und dann noch paar Mal seither. Manchmal frage ich mich schon wie lange die Medizin braucht. Aber man muss halt immer alles zuerst mit wissenschaftlichen Studien und noch mehr Studien testen, bevor man es Gutheissen kann. Auch wenn man eigentlich selber Wahrnehmen kann wie es einem beim Fasten geht, und das es einem Gut tut.
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