Gegen den Hirnschlag, der vom Herzen kommt

Einmaliger Eingriff am Herz oder lebenslang Blutverdünner? Vor dieser Entscheidung stehen Patienten, bei denen nach einem Hirnschlag ein Loch in der Vorhoftrennwand des Herzens festgestellt wird. Laut aktuellster Studie mit Berner Beteiligung schneiden beide Methoden praktisch gleich gut ab.

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Herz-OP verhindert Schlaganfall

5:41 min, aus Puls vom 25.3.2013

Ein Viertel aller Menschen hat ein Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens. Ursprünglich sogar alle. Denn im Mutterleib brauchen wir dieses Loch. Erst mit der Geburt trennen sich der kleine (Lungen-) und der grosse (Körper-)Kreislauf. Dann sollte sich das Loch schliessen. Ein Zehntel der Menschen mit Herzloch haben eine so grosse Öffnung, dass es gefährlich werden kann. Dann nämlich, wenn Blutgerinnsel aus dem rechten Vorhof in den linken gelangen. Kleine Gerinnsel sind normal, die gelangen mal aus den Beinen über die Venen ins Herz oder entstehen erst im rechten Vorhof. Normalerweise fliessen diese Kleingerinnsel über den kleinen Kreislauf in die Lunge und werden dort aufgelöst.

Gelangt nun ein Gerinnsel durch das Loch in den linken Vorhof und damit in den Körperkreislauf, kann es überall hin weiter kommen. Auch ins Hirn und dort kann ein Gerinnsel einen Hirnschlag verursachen.

Diagnose erst nach Vorfall

Ob man zur Risikogruppe gehört, erfährt man erst wenn‘s zu spät ist: Das «Permeable Foramen Ovale», wie das Loch im Fachjargon heisst, lässt sich nur durch eine aufwändige, unangenehme Ultraschalltechnik feststellen. Darum wird das erst untersucht, wenn ein Hirnschlag vorgefallen ist oder Hinweise darauf bestehen.

Schirmchen oder Tabletten

Hat man ein Loch, kann der Patient zwischen zwei Behandlungsmethoden entscheiden: Ein einmaliger Eingriff am Herz oder lebenslang Blutverdünner einnehmen.

Mit einem Schirmchen kann man das Loch zumachen und so das Risiko auf weitere Schläge senken. Der Eingriff geschieht mittels Katheter, der über die Leiste eigeführt wird. Ganz ähnlich wie bei einem Stent-Eingriff. Die Sicherheit, dass damit das Loch endgültig zu ist, beträgt zwischen 95 und 98 Prozent.

Gemäss einer aktuellen internationalen Studie mit Berner Beteiligung ist dieser Eingriff gleichwertig wie lebenslange Blutverdünnung. Mit einem leichten Vorteil für den operativen Eingriff: Bei der Blutverdünnung besteht aber ein Risiko für Blutungen. Für jüngere Patienten empfehlen die Fachleute den operativen Eingriff. Insgesamt aber bleibt den Patienten selbst die Qual der Wahl.

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