Im Wechselbad der Hormone

Hitzewallungen, Schweissausbrüche und Depressionen: Ein Grossteil der Frauen zwischen 40 und 50 kennt diese Wechseljahrsbeschwerden. Eine Hormontherapie ist dennoch nur für einen Teil von ihnen ratsam.

Ewige Jugend, unproblematische Wechseljahre: Ende der 90er Jahre dachte man, für Frauen ein Mittel gegen die Zeichen der Zeit gefunden zu haben. Osteoporose, Hautalterung, Depressionen, Hitzewallungen, all das sollte die Hormonersatztherapie aufhalten können. Doch dann folgte die grosse Ernüchterung: Die Behandlung erhöhe das Risiko für Brust- und Gebärmutterhalskrebs, Schlaganfall und Thrombosen, belegten gleich mehrere Studien mit unterschiedlichem Studiendesign. Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Brustschmerzen, Bluthochdruck, Migräne oder Stimmungsveränderungen können auftreten.

Seitdem werden Gestagen und Östrogen in den Wechseljahren nur noch nach sorgsamer Nutzen-Risiko-Analyse verabreicht. Zunächst einmal ermittelt ein Arzt im Blut der Patienten den Hormonstatus, um die Hormontherapie genau zuschneiden zu können. Zusätzlich klopft der Arzt die Lebensumstände seiner Patientin ab, beispielsweise ihren Stresspegel, ihr Gewicht, aber auch ihren Lebenswandel, ob sie raucht oder regelmässig Alkohol trinkt. Für Frauen mit Bluthochdruck oder Frauen, die bereits einmal an Brustkrebs erkrankt sind, ist diese Form der Therapie von vornherein Tabu.

Nach einem Behandlungsmonat  sollte die Dosis noch einmal überprüft werden, denn es kann eine Weile dauern, bis die Therapie optimal angepasst ist. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten:

  • Hormon-Tabletten: Einfach einzunehmen, haben aber den Nachteil, dass die Hormone in der Leber bereits zum Teil abgebaut werden, bevor sie zum Ziel gelangen. Das kann Nebenwirkungen hervorrufen.
  • Hormonpflaster: Ein- bis zweimal pro Woche auf Po oder Hüfte geklebt, gibt es ständig kleine Mengen der Hormone ab. Manche Frauen klagen über Hautreaktionen.
  • Gele oder Cremes: Sie befördern die Hormone über die Haut in den Organismus. Das gelingt jedoch nicht ganz gleichmässig, die Hormonschwankungen sind grösser als bei anderen Methoden.
  • Depotspritzen werden einmal im Monat in den Muskel gespritzt. Die Dosierung ist gerade am Anfang schwierig, denn ist die verabreichte Menge und Zusammensetzung nicht optimal, muss die Frau erst warten, bis ihr Körper die Hormone wieder abgebaut hat, bevor sie einen neuen Versuch unternehmen kann.
  • Implantate mit Östrogen werden direkt unter der Bauchdecke eingesetzt. Sie bleiben dort ein halbes Jahr lang. Sie geben aber anfangs grössere Hormonmengen ab als zum Ende hin.

Generell gilt: Bei weitem nicht jede Frau in den Wechseljahren braucht eine Hormonersatztherapie. Ein Drittel von ihnen hat in den Wechseljahren kaum Probleme, nur etwa jede vierte Frau in der Schweiz schluckt Hormone in den Wechseljahren, zum Beispiel wegen einer verfrühten Menopause oder einem erhöhten Osteoporose-Risiko.

Wechseljahre

Während der Wechseljahre, meist zwischen 40 und 55 Jahren, stellen die Eierstöcke langsam die Funktion ein. Dadurch bilden sie immer weniger Östrogen und Progesteron – das sind die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Durch die Schwankungen im Hormonhaushalt treten in dieser Zeit