Kortison – So schlecht wie sein Ruf?

Das Medikament macht dick, schadet den Knochen und der Haut. Diese Fakten sind nicht falsch, stammen aber aus vergangenen Tagen.

Mann hält sich einen Asthma-Inhalator in den Mund

Bildlegende: Kortison ist für Asthmakranke ein Segen – die Nebenwirkungen bei hoher Dosierung können es aber auch zum Fluch machen. imago

Kortison (oder Cortison) ist ein ebenso potentes wie umstrittenes Medikament. Es basiert auf dem körpereigenen Kortisol. Das ist ein lebenswichtiges Hormon, das die Nebennierenrinde selbst herstellt. Mitte der 1930er-Jahren schafften es unabhängig voneinander drei Forschergruppen zeitgleich, die Substanz aus der Nebennierenrinde zu isolieren. Ein Jahrzehnt später konnte der Stoff künstlich im Labor hergestellt werden.

Weitere Forschungen zeigten: Kortison als Medikament wirkt nur in Dosierungen, die über dem natürlichen Hormonspiegel liegen. Die Nebenwirkungen von Kortison sind also normale, aber verstärkte Reaktionen des Körpers.

1948 kam erstmals eine junge Patientin mit schwerem Gelenksrheuma in den Genuss der Neuentdeckung. Schon nach kurzer Zeit konnte die Amerikanerin wieder schmerzfrei gehen. Ähnlich positiv verliefen erste Anwendungen an Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen. Doch der intensive Einsatz zeigte schnell auch seine Schattenseiten: Das neue Wundermittel hatte Nebenwirkungen, die nicht zu vernachlässigen sind.

Einsatz berechtigt – aber mit Bedacht

Deshalb setzen Ärzte Kortison heute mit weitaus mehr Bedacht ein. Besonders im Vordergrund steht der gehemmte Knochenaufbau und damit die erhöhte Osteoporose-Gefahr. Dies betrifft aber vor allem Kortison in Tablettenform, das über eine längere Zeit eingenommen wird. Sprays, Salben etc. sind davon nicht betroffen.

Eine weitere unerwünschte Nebenwirkung ist die Gewichtszunahme. Die ist aber nur indirekt dem Kortison zuzuschreiben: Kortison kann Heisshunger auslösen. Wer dem unkontrolliert nachgibt, nimmt zu – auch bei richtiger Dosierung des Medikaments. Deswegen ist gerade bei einer längeren Einnahme eine gute Gewichtskontrolle wichtig.

Daneben schwemmt Kortison auf, indem es Wassereinlagerungen verstärkt. Mit Bedacht sollte man es auch bei Hauterkrankungen einsetzen: Länger als maximal drei Wochen am Stück sollte man das Medikament als Salbe nicht anwenden, denn sonst kann die Kollagenbildung der Haut gestört werden. Manchmal ist aber eine längere Anwendung erforderlich: Dann sollten der Haut mit einer Intervall-Behandlung zwischen den einzelnen Anwendungen Erholungsphasen gegeben werden.