Osteoporose – Früh erkannt, wirksam gebremst

In der Hälfte aller Fälle wird eine Osteoporose erst bei der Spitaleinweisung nach einem Knochenbruch erkannt. Dann ist es meist zu spät, um dem Knochenschwund noch wirksam entgegenzuwirken – weitere Brüche sind wahrscheinlich. Eine frühe Erkennung bietet die Chance, den Abbau zu bremsen.

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Osteoporose – Den Knochenschwund erkennen und bremsen

18 min, aus Puls vom 30.3.2015

Das menschliche Skelett besteht aus etwa 206 Knochen; die Zahl variiert im Laufe des Lebens. Manche – wie der Steigbügel im Mittelohr – sind besonders klein. Andere – wie der Oberschenkelknochen – sind besonders gross. Zu den wesentlichen Aufgaben der Knochen gehört der Schutz der inneren Organe und die Produktion von Blutbestandteilen. Und ganz offensichtlich sorgen sie dafür, dass unsere Erscheinung nicht die eines formlosen Haufens ist.

Knochen sind keine starren Säulen, sondern bestehen im Inneren aus einem komplexen, flexiblen Geflecht untereinander verbundener Knochenzellen (Osteozyten), die in der Knochenmatrix eingebettet sind.

Der Knochen wird bis ans Lebensende ständig umgebaut. Zuständig dafür sind Zellen, sogenannte Osteoklasten und Osteoblasten. Osteoklasten lösen zuerst altes Knochengewebe auf, so dass kleine Mulden entstehen. Jetzt rücken die Osteoblasten nach und füllen die defekten Stellen mit neuem Knochengewebe auf. Beim gesunden Knochen halten sich die Aktivitäten zwischen knochenabbauenden Osteoklasten und knochenaufbauenden Osteoblasten die Waage. Ungefähr alle zehn Jahre wird so das Skelett komplett erneuert.

Abbau überwiegt Aufbau

Bei einer Osteoporose arbeiten die Osteoklasten schneller als die Osteoblasten, das heisst, es wird mehr Knochen ab- als aufgebaut, der Knochen verliert an Dichte und an Widerstandskraft.

50 Prozent der Knochenmasse werden während der Pubertät aufgebaut. Die Maximalmasse Kalzium, das für die Stabilität der Knochen wesentlich ist, wird etwa mit 30 Jahren erreicht. Ab dem 35. Lebensjahr ist der Knochenumbau im Allgemeinen ein Verlustgeschäft: Es wird mehr Substanz abgebaut als neu gebildet, was sich mit der Zeit negativ auf die Stabilität der Knochen auswirkt und durch eine Osteoporose schlimmstenfalls noch verstärkt wird.

Der Knochenabbau lässt sich beeinflussen

Der Prozess lässt sich durch verschiedene Faktoren verlangsamen und gemäss neueren Erkenntnissen sogar in einem gewissen Mass umkehren. Dafür ist es aber wesentlich, eine beginnende Osteoporose früh zu erkennen.

Denn haben Knochendichte und -qualität ein gewisses Mass erst einmal unterschritten, steigt das Frakturrisiko signifikant. Der Knochen ist nicht mehr in der Lage, mechanische Beanspruchungen flexibel zu kompensieren und bricht.

Häufig wird eine Osteoporose erst diagnostiziert, nachdem eine betroffene Person über 50 nach einem Sturz mit gebrochenem Hüftknochen oder Rückenwirbeln ins Spital eingeliefert wird. Dann ist es meist zu spät, um die bereits um die Hälfte reduzierte Knochensubstanz zeitlebens wieder aufzubauen. Die Wahrscheinlichkeit für Folgefrakturen und weitere Spitalaufenthalte ist hoch.

Risikofaktoren für eine Osteoporose

  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
  • Medikamente (zum Beispiel Glucocorticoide)
  • Krankheiten, die den Knochen schwächen
  • Familiäre Belastung (Osteoporose in der Familie)
  • Bereits erlittener Knochenbruch
  • Bewegungsmangel
  • Niedriges Körpergewicht
  • Rauchen
  • Alkohol

Zudem bei Frauen:

  • Östrogenmangel
  • Frühe Menopause
  • Ausbleiben der Monatsblutung während mehr als sechs Monaten

Das eigene Risiko online testen

Liegen einer oder mehrere Risikofaktoren vor, sollte man das eigene Risiko online mit dem FRAX-Risikorechner der WHO testen und den Hausarzt darauf ansprechen. Im Verdachtsfall sorgt eine Knochendichtemessung mittels Computertomografie, Doppel-Energie-Röntgenabsorption (DXA) oder Ultraschall für Klarheit. Labortests von Blut und Urin erhärten das Ergebnis.

Je früher eine Osteoporose erkannt wird, desto wirksamer kann ihr entgegengewirkt werden. Sei es mit Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, sei es durch mehr Bewegung oder durch Änderungen des Lebensstils.

WHO-Definition: Osteoporose

Systemische Erkrankung des Skeletts, die zu einer verminderten Knochendichte mit gleichzeitiger Zerstörung der Mikroarchitektur des Knochengewebes führt und dadurch mit einem erhöhten Frakturrisiko einhergeht.

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