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Körper & Geist Sechs Fragen zum Herzschrittmacher

Knapp 30‘000 Menschen in der Schweiz leben mit einem Herzschrittmacher. Dem kleinen Gerät haben sie eine ganz normale Lebenserwartung zu verdanken.

Legende: Video «Herzschrittmacher» abspielen. Laufzeit 17:00 Minuten.
Aus Puls vom 22.04.2013.

Mit 60 bis 80 Schlägen pro Minute pumpt das Herz täglich mehrere 1000 Liter Blut durch den Organismus. Normalerweise zieht sich der Herzmuskel bei jedem Herzschlag durch elektrische Impulse angeregt rhythmisch zusammen. Das funktioniert nur dann reibungslos, wenn das Reizleitersystem - also die «elektrischen Leitungen» von der Quelle bis zum Bestimmungsort - ungestört sind. Dazu trägt jedes Herz einen körpereigenen Herzschrittmacher in sich, der im Sinusknoten, dem Haupt-Taktgeber, sitzt, aber auch im Atrioventrikularknoten, der die einzige Verbindungsstelle zwischen den Vorhöfen (Atrium) des Herzens und den Herzkammern (Ventrikel) kdarstellt. Dass die Impulse über beide Knoten laufen, ist deshalb so wichtig, weil sich so nicht das gesamte Herz auf einmal zusammenzieht, sondern erst die Vorhöfe des Herzens zusammenziehen und danach die Kammern. Dadurch gelangt mehr Blut in die Kammern, das von dort aus in den Körper gepumpt werden kann.

Nicht immer klappt das so reibungslos. Probleme können einerseits in der Reizbildung, andererseits aber auch in der Reizweiterleitung entstehen. Dann kann einer der über 200 verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Herzschrittmacher helfen. Alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Die kleinen Taktgeber geben elektrische Impulse ab, die den Herzschlag nach Bedarf wieder ins Lot bringen.

1. Wann kommt ein Herzschrittmacher zum Einsatz?

Herzschrittmacher erhalten Patienten mit akuten Herzrhythmusstörungen – beispielsweise, wenn der Herzschlag krankhaft verlangsamt ist und der Organismus dadurch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Aber auch bei Vorhofflimmern mit einer gestörten Erregungsüberleitung zwischen Vorhof und Kammer, bei Blockaden innerhalb der Herzkammer oder auch vorübergehend bei einem sogenannten kardiogenen Schock, wenn das Herz aus anderen Gründen nicht mehr ausreichend pumpt.

2. Wie zuverlässig funktionieren die Geräte?

Herzschrittmacher sind mittlerweile sehr sichere Geräte. Werden sie durch Magnetfelder aus dem Takt gebracht (z. B. beim Sicherheitscheck im Flughafen oder selten durch Diebstahlalarm-Einrichtungen im Supermarkt), pendeln sie sich von selbst wieder ein. Die Arbeit der Geräte wird jedes halbe Jahr vom Kardiologen kontrolliert. Selbst wenn sie anzeigen, dass die Energie zur Neige geht, funktionieren die Schrittmacher noch monatelang weiter.

3. Wer kann einen Herzschrittmacher bekommen?

Im Schnitt sind Patienten bereits 75 Jahre alt, wenn ihr Herz derartig aus dem Takt geraten ist, dass nur ein Herzschrittmacher es wieder in den richtigen Rhythmus bringen kann. Für das kleine Gerät gibt es aber keine Altersgrenze: Wenige Stunden alte Säuglinge können es genauso bekommen wie ihre 90-jährige Urgrossmutter. Einige Herzschrittmacher sind nicht grösser als ein Fünf-Franken-Stück und wiegen nicht mehr als ein gehäufter Teelöffel Salz.

4. Kann man mit Herzschrittmachern Sport treiben?

Herzschrittmacher, die stoisch immer den gleichen Takt vorgeben, sind längst überholt. Heute sind die Geräte auf technisch so hohem Niveau, dass sie das Herz nur dann stimulieren, wenn es aus dem Takt gerät. Zusätzlich erhöht es die Schlagzahl des Herzens entsprechend der Anforderungen. Sport ist damit gut möglich.

5. Wie lange hält ein Herzschrittmacher?

Die Lithium-Jod-Batterie hält fünf bis 15 Jahre, danach muss der Herzschrittmacher ausgetauscht werden. Im Schnitt steht alle acht Jahre ein Wechsel an. Der Austausch ist keine grosse Sache: Die Elektroden und Leitungen bleiben im Körper, der Schrittmacher wird lediglich «abgestöpselt» und durch das neue Gerät ersetzt. Damit auch ein Austausch mit anderen Geräten möglich ist, sind die Verbindungsstellen von Elektroden und Gerät genormt.

6. Ist das Einsetzen eine grosse Operation?

Normalerweise wird der Herzschrittmacher unter örtlicher Betäubung in den Brustmuskel oder unter die Haut der Brust eingesetzt. Der Eingriff dauert knapp eine Stunde, der Austausch der Schrittmacher nur halb so lang. Der Schnitt ist fünf bis sechs Zentimeter lang und befindet sich unterhalb des Schlüsselbeins. Durch die geöffnete Vene schiebt der Kardiologe die Elektroden bis zur rechten Herzkammer oder zum rechten Vorhof, wo sie dann entweder wie kleine Korkenzieher in den Herzmuskel gedreht werden oder aber sich im Herzmuskelgewebe verhaken. Die Elektrodenspitze enthält einen Wirkstoff, der Abstossungsreaktionen lokal unterdrückt. Normalerweise können die Patienten das Spital am Tag nach dem Eingriff verlassen.

Der erste Herzschrittmacher

Den ersten Herzschrittmacher bekam 1958 ein Patient in Schweden. Doch schon am nächsten Morgen musste das Gerät wieder ausgetauscht werden. Auch die Nummer 2 funktionierte nur wenige Tage. Trotz aller Probleme: Der Patient starb erst mit 86 Jahren - 43 Jahre und 26 verschiedene Herzschrittmacher nach der ersten OP.

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