Ski-Daumen müssen zum Arzt

Bei jedem zehnten Skiunfall reisst das Band am Daumengrundgelenk. «Ski-Daumen» heisst dann die Diagnose. Noch vor einigen Jahren wurden die meisten dieser Verletzungen operiert. Heute raten Handchirurgen nur noch bei kompletter Instabilität dazu. Denn die Heilung dauert mit und ohne OP gleich lang.

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Skidaumen - Schmerzhafte Erinnerung an die Skiferien

4:39 min, aus Puls vom 25.2.2013

Vierzig Ski-Daumen sehen die Ärzte der Notfallstation im Spital Davos pro Wintersaison. Ein unglücklicher Sturz, womöglich noch mit der Hand in der Stockschlaufe, und schon ist es geschehen: Der Daumen wird so stark nach aussen überdehnt, dass das innere Band am Daumengrundgelenk reisst.

Was sich oft harmlos anfühlt, kann im Alltag massiv einschränken: Weil der Finger nicht mehr stabil ist, knickt beispielsweise beim Heben einer Wasserflasche der Daumen einfach nach aussen weg.

Innerhalb von zehn Tagen zum Arzt

Ein Patient mit Ski-Daumen kommt um einen Arztbesuch nicht herum. Dr. Christian Ryf, Chefarzt Chirurgie im Spital Davos, empfiehlt seinen Patienten zunächst ein MRI und ein Röntgenbild, um die Schwere der Verletzung abzuschätzen. Während bei schweren Stürzen Bänder oft mitsamt eines Stück Knochens ausreissen, sind nach weniger heftigen Stürzen die Bänder zwar gerissen, liegen aber noch nebeneinander. Für die Behandlung ist die genaue Diagnose wichtig.

«Bevor es die moderne Untersuchungstechnik gab, wurden 60 Prozent der Skidaumen operiert. Heute sind es lediglich noch 25 Prozent, da der Arzt heute erkennen kann, wo die Bänder liegen. Bei einer ‹Stener-Läsion› muss man den Daumen unbedingt operieren, da er sonst für immer instabil bleibt», erklärt Christian Ryf. Für alle anderen Fälle reicht eine konservative Therapie, bei der der Patient sechs Wochen lang eine Bandage trägt, die den Daumen fixiert.

Operation fixiert das Band wieder am Knochen

Bei der «Stener-Läsion» verschwindet das Band hinter der Sehnenplatte des Adduktormuskels, der Daumen und Mittelhandknochen verbindet. Diese Platte verhindert eine natürliche Heilung und macht eine Operation erforderlich. Wenn sich dabei zeigt, dass das Band direkt am Knochen abgerissen ist, wird es mit einem Knochenanker wieder am Knochen fixiert. Dieser Anker wird wie ein Dübel in den Knochen eingedreht. An ihm hängen Fäden, mit denen der Handchirurg das Band wieder fixiert. Der Knochenanker aus Titan verbleibt im Knochen und muss nicht mehr entfernt werden. Ist das Band mittig abgerissen und hinter der Seenplatte verschwunden, sucht der Chirurg das Ende und näht das Band wieder zusammen.

Nach der Operation wird der Daumen eingegipst. Nach fünf Wochen beginnt die Ergotherapie. Bis der Daumen wieder voll belastbar ist, können aber oft weitere drei Monate vergehen, manchmal bleiben Beschwerden über das ganze erste Jahr nach der OP bestehen.

Alternative Bandplastik

Heilt die Verletzung nicht richtig aus, können Bandplastiken das beschädigte Band ersetzen. Dafür dient eine Sehne aus dem Unterarm. Alternativ dazu ist auch eine Versteifung des Grundgelenks möglich, die den Daumen wieder stabilisiert.

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