Was taugt der Spermatest für zu Hause?

Klappt es nicht mit der Zeugung, steht auch der Mann auf dem Prüfstand. Ist der Sperma-Selbsttest vom Online-Versand eine valable Alternative zum Besuch beim Arzt? «Puls» hat die Probe aufs Exempel gemacht.

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Was taugt der Spermatest für Zuhause?

5:09 min, aus Puls vom 13.9.2010

Die männliche Fruchtbarkeit ist abhängig von einer Vielzahl von Faktoren. Die Anzahl, Beweglichkeit und normale Form der Spermien sind grundlegend, damit das Sperma bis zur Eizelle kommt und es befruchten kann. Verschiedene Tests für zuhause versprechen eine schnelle Diagnose, in der Regel genügen diese jedoch nicht – egal ob der Test zuhause gut oder schlecht ausfällt!

Wieso gibt es Spermatests?

Klappt es nicht mit dem Kinderwunsch, kann sich die Frau wie auch der Mann untersuchen lassen, ob sie/ er fruchtbar ist.

Wann gilt das Sperma als abnormal (eventuell mit erniedrigter oder fehlender Befruchtungsfähigkeit)? Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt das Sperma als vom Normalwerten abweichend, wenn einer oder mehrere Faktoren zutreffen:

  • Oligozoospermie: Wenn die Spermienzahl erniedrigt ist (< 20 Mio./ml)
  • Asthenozoospermie: Bei reduzierter Beweglichkeit (< 50% vorwärts bewegliche Spermien)
  • Teratozoospermie: Wenn der Anteil normal geformter Spermien erniedrigt ist (< 14%) (WHO 5th Edition 2010 < 3% ist umstritten)

Zu beachten ist jedoch, auch wenn diese Merkmale auftreten, kann in einzelnen Fällen eine natürliche Befruchtung stattfinden.

Der Test beim Facharzt, Spermiogramm

Zu jeder Basisabklärung bei ungewollter Kinderlosigkeit trotz regelmässigem Sex gehört mindestens eine Samenuntersuchung (Spermiogramm). Beurteilt werden in erster Linie Anzahl, Beweglichkeit und Form (Morphologie) der Samenzellen. Diese Untersuchung geschieht manuell, mit Hilfe des Mikroskops und auch mit dem Computer.

Die Samenqualität schwankt bei den meisten Männern erheblich. Aspekte wie Stress, Berufstätigkeit, Alkoholkonsum, Rauchen, Ernährung, Kleidung und Fitness haben einen grossen Einfluss. Deshalb wird in der Regel ein Zweitspermiogramm nach zwei bis drei Monaten verordnet. Bei Verdacht auf eine Samenproduktionsstörung kann ein Spezialist zugezogen werden.

Weitere Untersuchungen

Neben dem Spermiogramm kann der Facharzt auch folgende Tests anordnen:

  • Andrologische Untersuchung Falls sich in zwei Spermiogrammen eine ausgeprägte Fruchtbarkeitsstörung zeigt, wird eine andrologische Untersuchung empfohlen. Diese beinhaltet einen Fragebogen und die körperliche Untersuchung. Ergänzend werden je nach Situation Blutentnahmen, biochemische Analysen der Samenflüssigkeit und eventuell Gewebsproben durchgeführt.
  • Hodenbiopsie Die Biopsie am Hoden erlaubt durch die feingewebliche Untersuchung unter Umständen die Ursache einer ausgeprägten Störung der Spermienproduktion zu erkennen.
  • Hormonanalysen Durch eine Blutentnahme können die männlichen Geschlechtshormone bestimmt werden. Leider können Abweichungen des Hormongleichgewichtes beim Mann nur in äusserst seltenen Situationen durch die Gabe von Hormonpräparaten korrigiert werden.
  • Genetische Untersuchung Sie wird bei ausgeprägter Störung der Spermienproduktion, bei Oligozoospermie (<1 Million/ ml, Kryptozoospermie (nur einzelne Spermien im Ejakulat) und Azoospermie (Erguss ohne Spermien) und bei wiederholten Fehlgeburten durchgeführt. Die Untersuchung beinhaltet die Beurteilung des Chromosomensatzes sowie die Abklärung sogenannter molekulargenetischer Faktoren. Die Untersuchungen werden an den roten Blutkörperchen vorgenommen, die durch eine einfache Blutentnahme zu gewinnen sind.

Im Internet werden verschiedene Spermatests für zu Hause angeboten. Bei allen wird die Spermaanzahl pro Milliliter gemessen. Bei einigen auch die Beweglichkeit der Spermien. Die Selbsttests sagen aber nicht wirklich aus, ob man fruchtbar ist oder nicht. Die Fruchtbarkeit kann durch andere Faktoren ausser der Anzahl von Spermien beeinflusst

Sperma-Facts

  • Spermienproduktion: Die Spermien werden in den Hoden produziert. Obwohl schon Jungen im Säuglingsalter Erektionen haben, beginnt die Produktion von Sperma erst in der Pubertät.
  • Zusammensetzung: Sperma setzt sich aus Spermien, Epithelzellen der Hodenkanälchen und dem Samenplasma, der eigentlichen Samenflüssigkeit, zusammen.
  • Menge: Im Schnitt beträgt das Volumen eines menschlichen Ejakulats 2 bis 6 ml (und hat ca. 5 Kilokalorien), wobei 1 ml durchschnittlich 20 bis 150 Millionen Spermien enthält, was lediglich 0,5 % des gesamten Samenergusses ausmacht – der Rest ist Samenflüssigkeit.
  • Beschaffenheit: Das frische Ejakulat eines gesunden, geschlechtsreifen Mannes ist milchig-trüb, leicht glänzend, besitzt einen pH >7 und ist mit glasig, klebrigen Fäden durchsetzt.
  • Geruch und Geschmack: Spermien geben dem Ejakulat den für menschliches Sperma charakteristischen Geruch und Geschmack nach weissem Moschus oder Kastanienblüten. Geruch und Geschmack des Spermas können allerdings durch die Aufnahme von aromatischen Nahrungsmitteln beeinflusst werden.
  • Lebensdauer: Spermien können in flüssigem Samenplasma ausserhalb des Körpers bis zu zwölf Stunden überleben. Sobald das Sperma jedoch auf ein Handtuch, Zellstoff oder Ähnliches gelangt und dort an der Luft trocknet, hat es nur noch eine Überlebenszeitspanne von maximal ein paar Minuten