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Körper & Geist Was tun bei Unfruchtbarkeit

Wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, wird zuerst gründlich abgeklärt. Denn Ursachen dafür gibt es viele – Möglichkeiten, doch noch zum Wunschkind zu kommen, auch.

Legende: Video «Puls vor Ort» zum Kinderwunsch abspielen. Laufzeit 37:36 Minuten.
Aus Puls vom 05.01.2015.

Unfruchtbarkeit ist keine reine Frauensache. Ein unerfüllter Babywunsch ist ebenso oft durch den Mann oder beide Partner bedingt, nämlich zu jeweils einem Drittel. Fruchtbarkeitsstörungen können genetische, hormonelle oder psychische Ursachen haben.

Häufige Gründe für Infertilität

Bei der Frau:

  • Hormonstörungen, die den Eisprung verhindern. Bluttests helfen, die Ursache zu klären und je nach Krankheit die Hormonstörung zu beheben
  • Undurchlässige oder fehlende Eileiter
  • Endometriose: Gebärmutterschleimhaut wächst ausserhalb der Gebärmutter
  • Myome (gutartige Tumore) in der Gebärmutter oder Zysten
  • Allergie auf Eizelle oder Spermien

Beim Mann:

  • Hormonellen Ursachen, die zu keinen/wenigen/qualitativ schlechten Spermien führen
  • Körperliche Probleme (Varikozele/Hodenhochstand/Obstruktion)
  • Probleme bei der Ejakulation
  • Allergie auf Spermien
  • Entzündungen

Eine wachsende Zahl von Paaren bleibt aber auch kinderlos, weil sie das Thema Baby zu lange hinauszögern. Die Chancen einer 35-Jährigen auf gesunden Nachwuchs stehen nur halb so gut wie für eine 25-Jährige. Männer bleiben zwar länger zeugungsfähig, doch ab 30 verschlechtert sich ihre Spermienqualität kontinuierlich.

Wie doch zum Wunschkind?

Je nach Ursache kommen unterschiedliche Behandlungen infrage. An erster Stelle steht eine genaue körperliche Untersuchung bei Mann und Frau.

  • Bei ihr werden Eileiterdurchgängigkeit, Anzahl der Eibläschen und Stattfinden des Eisprungs abgeklärt, zum Teil mittels Ultraschall und Bluttest. Oft findet zusätzlich eine Vorsorgeuntersuchung (mit Abstrich etc.) statt.
  • Bei ihm liefert das Spermiogramm Informationen zu Anzahl, Beweglichkeit und Beschaffenheit der Spermien. Der Urologe tastet zudem die Genitalien ab und schliesst Krankheiten aus.

Wird ein behandelbares gesundheitliches Problem gefunden, besteht nach der Therapie eine gute Chance, dass es doch noch auf natürliche Weise klappt. Diese Zeit haben aber nur Paare, die noch jung sind.

Klappt es nicht auf natürliche Weise, muss sich das Paar entscheiden, wie weit es gehen möchte.

Hormonbehandlung

Viele Frauen nehmen eine Hormonbehandlung in Kauf, um ihre Eierstöcke zu stimulieren und so einen Eisprung auszulösen. Nach einer erfolgreichen Behandlung mit Tabletten oder Spritzen kann die Frau auf natürlichem Weg schwanger werden. Die Chance kann gesteigert werden, indem Spermien des Mannes direkt in die Gebärmutter gespritzt werden.

Bei dieser Behandlungsart entstehen die meisten Mehrlinge. Für den Arzt kann es schwierig sein zu erkennen, wie viele Eizellen befruchtbar sind. Zudem kann diese Behandlung von jedem Arzt ohne besondere Qualifikation durchgeführt werden.

Intrauterine Insemination (IUI)

IUI hilft, wenn die Samen des Mannes das Problem sind. Im Labor werden die Spermien von der Samenflüssigkeit getrennt, aufbereitet, und schliesslich durch einen dünnen Schlauch in die Gebärmutterhöhle geleitet. So haben die Spermien eine grössere Chance, bis zur Eizelle vorzudringen.

Häufig ergänzt die Methode eine hormonelle Behandlung der Frau. Zusammen versprechen sie eine Erfolgsrate von sieben bis 15 Prozent pro Behandlungszyklus.

Legende: Video IVF und ICSI abspielen. Laufzeit 00:46 Minuten.
Aus Puls vom 05.01.2015.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Ein Baby aus dem Reagenzglas: Bei der IVF findet die Befruchtung ausserhalb des Körpers im Labor statt. Mit einer Hormonbehandlung wird die Eizellenreifung forciert. Danach werden die Eizellen über die Vagina entnommen und mit aufbereiteter Spermienflüssigkeit zusammengebracht.

Nach einigen Tagen im Wärmeschrank (Inkubator) werden bis maximal drei befruchtete Eizellen mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutterhöhle übertragen. Etwa einer von vier Embryonen nistet sich erfolgreich in der Gebärmutterhöhle ein.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Manchmal enthält Samenflüssigkeit so wenige brauchbare Spermien, dass weder eine direkte Einleitung in die Gebärmutter noch eine künstliche Befruchtung funktionieren. In solchen Fällen könnte noch eine ICSI helfen: Eine ausgewählte Samenzelle wird unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt.

Diese Methode wird auch nach einer Polkörperdiagnostik angewendet. Bei dieser wird der Polkörper der Eizelle entnommen. In diesen runden Teilchen ist das Erbgut wie ein Spiegelbild der Zelle angelegt. Aus dem Polkörper kann man alle Chromosomen isolieren. Und die werden dann mit einer gesunden Referenz-Eizelle verglichen. Durch die Entnahme entsteht eine kleine Öffnung. Bei einer IVF würden zu viele Spermien in die Eizelle gelangen und somit kaputt gehen.

Samenbank – Samenspende

In der Schweiz gibt es sechs Zentren, die Samenspenden lagern. Die Spender sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und müssen diverse Gesundheitstests absolvieren. Nur verheiratete Paare erhalten eine Samenspende. Den Spender aussuchen dürfen sie sich nicht. Der behandelnde Arzt achtete jedoch, dass Haut, Haar und Augenfarbe mit dem Paar übereinstimmen. Maximal acht Kinder dürfen aus dem Samen eines Spenders gezeugt werden.

Das so gezeugte Kind kann mit 18 Jahren beim Amt für Zivilstandswesen den Namen des Spenders erfahren, wo die Daten 80 Jahre lang aufbewahrt werden. Er jedoch hat keine «väterlichen Pflichten», ganz im Gegensatz zu Spendern, die illegal über Internetportale rekrutiert werden.

Eizellspende

Ist die Eizelle der Frau beschädigt, besteht die Möglichkeit einer Eizellspende. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese aber in der Schweiz verboten. Viele Paare reisen daher ins Ausland. Vor allem in Spanien und Tschechien gibt es viele spezialisierte Kliniken.

Adoption

Eine Adoption ist eine aufwändige Angelegenheit. Die Schweizerische Fachstelle für Adoption hilft dabei mit einem übersichtlichen Ablaufblatt (siehe Box) und viel Unterstützung. Eine Adoption steht verheirateten Ehepaaren in der Schweiz offen, wenn sie fünf Jahre verheiratet sind oder das 35. Altersjahr erreicht haben. Der Altersunterschied zwischen Adoptiveltern und Kind muss mindestens 16 Jahre betragen. Einzelpersonen können nur adoptieren, wenn sie 35 oder älter sind.

4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Maurer, Wettingen
    Jedes Paar muss selber entscheiden, ob es sich untersuchen/behandeln lässt. Schön bietet die Medizin heute diese Möglichkeiten. Man lässt sich ja bei anderen Krankheiten auch untersuchen und behandeln und nimmt sie nicht als von der Natur gegeben hin. Ich hätte auch nie gedacht, dass wir dies alles machen würden. Die Ansichten ändern sich, wenn man selber in der Situation ist und man einen medizinischen Grund dafür findet und den auch behandeln kann.
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  • Kommentar von B. Hauser, Boswil
    Es gibt noch eine andere Art von Behandlung, die beginnt im Kopf, dafür ist sie am günstigsten. Es können halt nicht alle alles haben. Warum kann Mann oder Frau sich selbst nicht einfach so nehmen, wie sie nun mal sind? Wenn die Natur nein sagt, dann ist es eben so. Hätte es bei uns nicht "geklappt", da waren wir uns von Anfang an einig, dann hätten wir unser Schicksal angenommen. Hätten wir ein behindertes Kind bekommen, auch da waren wir völlig eins, hätten wir es so angenommen, wie es ist.
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    1. Antwort von Regina, Kobler
      Lieber Herr Hauser HÄTTE es damals bei Ihnen und ihrer Frau nicht geklappt, dann HÄTTEN sie ihr Schicksal angenommen. Schön, wie sie das mit so grosser Selbsicherheit sagen können. Seien Sie dankbar DAS es damals bei ihnen geklappt hat und sie sich gar nie mit einer Alternative auseinander setzen mussten. Ich wünsche ihnen auch für die Zukunft, das alles so verläuft wie sie es sich wünschen, damit sie sich auch zu anderen Gegebenheiten im Leben keine allzu differenzierten Gedanken machen müssen.
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  • Kommentar von Séverine Buffoni, Bülach
    Was wir vermisst haben bei den Beiträgen, war das Thema Kosten und v.a. die Kostenübernahme. Jemand der nicht selber betroffen ist, kann mit dem Betrag von CHF 60'000 nichts anfangen, weil nicht gesagt wurde, wie viele Versuche (Eizellentnahmen, Transfer, Medikamente etc.) da eingeschlossen sind. Zudem hätten wir gehofft, dass auch mal darüber diskutiert wird, warum die KK nichts an die künstliche Befruchtung zahlt, auch wenn die Unfruchtbarkeit eine medizinisch diagnostizierte Ursache hat.
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