Damit der Grillspass nicht zum Drama wird

Fahrlässiger Umgang mit Brandbeschleunigern, Hektik oder schiere Sorglosigkeit: Immer wieder kommt es während der Grillsaison zu vermeidbaren Brandunfällen mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen.

Video «Verbrennungen» abspielen

Was tun bei Verbrennungen – und was nicht

17 min, aus Puls vom 21.6.2004

Jeder Grillplausch wird zum Alptraum, wenn sich jemand verbrennt. Meistens sind flüssige Brandbeschleuniger im Spiel. Aus Ungeduld, Unwissenheit oder weil bisher immer alles «gut gegangen ist», giessen viele Leute explosive Flüssigkeiten auf den Grill, zum Beispiel Brennsprit, Benzin oder Terpentin.

Im Frühling passiert das besonders häufig, wenn man den feuchten Holzkohleresten vom Vorjahr mit Sprit nachhelfen will. Fürchterliche Verbrennungen sind immer wieder die Folge. Betroffen sind meistens Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Männer bedienen in der Regel den Grill und haben anscheinend zu wenig Respekt vor brennbaren Flüssigkeiten. Nicht nur die Hauptakteure am Grill sind dadurch gefährdet, sondern auch Umstehende, besonders Kinder, die aus Neugierde oft in der Nähe des Grills stehen und aufgrund ihrer Körpergrösse anfällig sind für Verbrennungen im Gesicht.

Hände weg von Brennsprit & Co.

Brennsprit (Alkohol), Benzin oder Terpentin sind aus verschiedenen Gründen äusserst gefährlich. Es sind alles Kohlenwasserstoff-Verbindungen mit wenig oder keinen Ölanteilen. Deshalb verdunsten sie innert Kürze.

Video «Grillieren mit dem Gasgrill» abspielen

Grillieren mit dem Gasgrill

4:05 min, aus SRF bi de Lüt Liveshows vom 28.6.2009

Weil die Gase schwerer sind als Luft, verflüchtigen sie sich nicht, sondern bilden auf niedriger Höhe eine explosive Dampfwolke. Tränkt man also kalte Holzkohle mit Brennsprit und wartet mit Anfeuern, weil vielleicht das Telefon klingelt, entsteht rasch ein explosives Gas-Luft-Gemisch. Beim Anzünden steht man dann mitten im Feuer.

Ebenso gefährlich ist es, Brennsprit auf bereits erhitzte Holzkohle zu giessen. Oft schiessen extrem heisse Stichflammen empor (1000 bis 1800 Grad Celsius), mit einer Reichweite von bis zu zwei Metern. Überdies hält man im Nu einen «Molotow-Cocktail» in der Hand, weil sich auch die Flüssigkeit in der Flasche entzündet.

Flüssiganzünder nur auf kalte Holzkohle

Spezielle Flüssiganzünder sind meistens Kohlenwasserstoff-Verbindungen auf Petrolbasis. Sie verdunsten weniger schnell als Sprit, Benzin und Terpentin. Das Risiko, dass explosive Dampfwolken entstehen, ist daher gering.

Flüssiganzünder darf man aber nur für kalte Holzkohle verwenden. Man tränkt die Holzkohle mit der Flüssigkeit und lässt sie vor dem Anzünden einwirken. Niemals sollte Flüssiganzünder auf bereits erhitzte Holzkohle ggegossen werden, z.B. bei zu schwacher Glut. Sonst kommt es zu ebenso gefährlichen Stichflammen wie bei Brennsprit, Benzin und Terpentin.

Tipps zur Vermeidung von Grill-Unfällen

  • Grill-Standort im Freien wählen, eben, windgeschützt, mit Sicherheitsabstand zu brennbaren Gegenständen
  • Zeitdruck vermeiden: Zum Einfeuern eine Stunde einberechnen
  • Zum Anfeuern möglichst Anzündkamine und feste Anzündhilfen verwenden wie Zündwürfel, Zündpaste, Holz, Zeitungspapier Flüssiganzünder nur für kalte Holzkohle verwenden
  • Vollständiger Verzicht auf Brennsprit, Benzin, Nitroverdünner, Terpentin
  • Wenn das Feuer sich nicht richtig entfachen lässt, trotz Fächer oder Blasebalg: Grill abkühlen lassen und von vorne anfangen!
  • Vorsicht mit Alufolie: Fett und Öl kann sich darin ansammeln, in die Glut gelangen und zu einer Stichflamme führen.
  • Vorsicht mit leicht brennbaren Kleidern aus Viskose, aufgerauter Baumwolle, synthetischen Stoffen Grillbesteck benützen, feuerfeste Grillhandschuhe verwenden
  • Eimer mit Wasser oder Sand bereithalten
  • Gasgrills: Alle zwei Jahre kontrollieren lassen

Sofortmassnahmen nach einer Verbrennung

Wenn jemand brennt: Feuer ersticken, am Boden wälzen, in Decke wickeln. Verbrannte Hautstellen anschliessend sofort kühlen – es kommt auf jede Sekunde an! Grund: Die Haut und das darunter liegende Gewebe hat eine hohe Wärmekapazität. Die Hitze bleibt in der Haut und «brennt» ohne Abkühlung weiter (Nachbrennen). Deshalb die Verbrennung so schnell wie möglich mit Wasser kühlen (Dusche, Badewanne, Gartenschlauch, Wasserhahn), mindestens 20 Minuten lang, bis zu einer Stunde.

Jeder Verbrennungsgrad profitiert von einer Kühlung. Keine Eiswürfel auf die Wunde legen, sonst besteht das Risiko zusätzlicher Erfrierungsschäden, sondern allenfalls Eiswasser von 4 Grad Celsius. Auf keinen Fall Öl, Mehl, Honig, Zahnpasta oder andere «Hausmittelchen» auf die frische Wunde geben. Die nicht verbrannten Körperteile sollten eher gewärmt werden, um eine Unterkühlung zu verhindern.

Wann zum Arzt?

Bei Verbrennungen zweiten Grades oder tiefer an sensiblen Stellen wie Händen, Genitalien, Gesicht (Gefahr von Einatmungs-Verbrennungen). Ebenfalls bei Verbrennungen, die grösser sind als eine Handfläche.

Wenn eine Brandwunde nach 14 Tagen noch nicht abgeheilt ist, unbedingt einen Arzt aufsuchen; oft ist eine Transplantation nötig.