Die Rache des «Black Henna»-Tattoos

Das Henna-Tattoo ist ein beliebtes Mitbringsel aus den Sommerferien. Doch Henna ist nicht gleich Henna, und wenn der Paste das Lösungsmittel PPD beigemischt wird, kann dies zu heftigen allergischen Reaktionen führen – mit Folgen, die einen das ganze Leben begleiten.

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Allergisch auf Black Henna

5:17 min, aus Puls vom 30.6.2014

So schön Henna-Tattoos auch sind, Vorsicht ist geboten. Denn Henna ist nicht gleich Henna. Vor allem in südlichen Urlaubsländern wird dem Henna ein Lösungsmittel p-Phenylendiamin (PPD) beigemischt, das dafür sorgt, dass die Zeichnung schneller trocknet und intensiv schwarz wird.

Nicht ohne Grund ist der Stoff PPD aber in den europäischen Ländern und in der Schweiz als Zusatz für Henna verboten. Denn solche «Black Henna»-Tattoos lösen bei vielen Menschen allergische Reaktionen aus. Die äussern sich meist ab dem zweiten Tag mit Stechen, Juckreiz und Blasenbildung.

Black Henna oder richtiges Henna?

Henna wird hergestellt aus den Blättern der Strauchpflanze Lawsonia Inermis, die zu einem Pulver verarbeitet werden. Natürliche Henna-Paste besteht aus Henna-Pulver, Zitronensaft, Zucker und natürlichen Ölen, je nach persönlichem Rezept. Die Paste hat einen erdigen Geruch und eine bräunliche oder grünliche Farbe. Natürliche Henna-Paste ist nie schwarz!

So erkennen sie den Unterschied

Black HennaHenna
GeruchGummi, chemischPflanzlich, erdig, nach ätherischem Öl
AussehenSchwarzGrün-Braun
EinwirkzeitWeniger als eine Stunde, wird abgewaschenKann bis zwei Tage auf der Haut gelassen werden,
bröckelt ab
Haltbarkeit des TattoosDrei WochenVerblasst ab einer Woche allmählich

Fragen sie den Henna-Künstler Ihrer Wahl, was in seiner Paste enthalten ist. Professionelle Henna-Künstler mischen ihre Paste selber und kennen die Inhaltsstoffe genau.

Lebenslange Sensibilisierung

Ist man erst einmal durch ein «Black Henna»-Tattoo auf p-Phenylendiamin sensibilisiert, bedeutet dies eine lebenslange Sensibilisierung und das Auftreten von allergischen Reaktionen auch auf andere Produkte, die Diamine enthalten.

Das heisst: Jeglichen Kontakt mit «Black Henna»-Tattoos und mit solchen Produkten sollte unbedingt vermieden werden. Viele dieser Substanzen finden sich jedoch in Gegenständen des täglichen (Berufs-)Alltags, wie zum Beispiel in Haarfarbe, schwarz gefärbten Textilien, dunklen Lederwaren, Radiergummis, Medikamenten und vielem mehr.

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Allergisch aufs Henna-Tattoo

1:50 min, vom 30.6.2014

Wer als Kind oder Jugendlicher sensibilisiert wird, kann eine massive Einschränkung im täglichen Lebens erleben, die einem zudem das Ausüben zahlreicher Berufe verunmöglicht.

Beim Hautarzt und Allergologen kann getestet werden, welche Kreuzreaktionen auf andere, verwandte Stoffe vorhanden sind. Dies mache immer Sinn, sagt Hautarzt Tobias Plaza vom Hautzentrum Uster.

Henna ist bekannt auch unter dem Namen Mehndi (indisch) oder Heena (arabisch). Die damit angemachte Farbe spielt dort zum Beispiel eine wichtige Rolle in Hochzeitszeremonien, wo die beruhigenden Qualitäten der Pflanze zum Tragen kommen.

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Henna-Tattoos - natürliche Verschönerung

1:35 min, vom 30.6.2014

Den Begriff «Henna Tattoo» mögen traditionelle Henna-Künstler nicht besonders, da er zwei unterschiedliche Dinge vermischt. «Ein Tattoo ist etwas, das man sich unter die Haut stechen lässt und permanent erhalten bleibt», erklärt Winterthurer Henna-Künstlerin Ursula Amal Weiss. «Ich bevorzuge für Henna den Ausdruck ‹Henna-Verzierungen› – letztlich ist es eine pflanzliche Körperbemalung.»

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