Ein Fleischliebhaber «auf Abwegen»

Wie verhält es sich, wenn ein Fleischliebhaber sechs Wochen auf Fleisch verzichtet? Wie fühlt er sich? Ändern sich seine Blutwerte? Christophe Kläy wollte es wissen und hat sich aus gesundheitlichen Gründen sechs Wochen ohne Steak, Schinken & Co ernährt.

Hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, ein paar Kilo zu viel auf den Rippen – Christophe Kläy ist ein typischer Risiko-Kandidat für Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein Tauchgang pro Woche, aber viel mehr Sport liegt aus Zeitgründen nicht drin. Der 57-Jährige liebt auch gutes Essen, und dazu gehört für ihn Fleisch - mindestens einmal pro Tag, am liebsten vom Grill. Doch hat sein Fleischgenuss zu hohem Blutdruck und erhöhten Cholesterinwerten geführt? Was ändert sich, wenn er sechs Wochen auf Fleisch verzichtet? Er hat den Versuch gewagt und seine Mission «Fleischlos» erfolgreich abgeschlossen.

«Puls»: Für die «Puls»- Spezialsendung zum Thema Fleisch meldeten Sie sich, um aus gesundheitlichen Gründen sechs Wochen auf Fleisch zu verzichten. Was war Ihre persönliche Motivation?
Christoph Kläy: Ich wollte schauen, ob ich das überhaupt schaffe. Sechs Wochen ist doch eine lange Zeit – für mich als Fleischliebhaber sowieso. Zudem nehme ich Tabletten gegen Bluthochdruck und zu hohes Cholesterin. Meine Hoffnung war, die Dosierung reduzieren zu können.

Wie verlief die erste Woche ohne Fleisch?
Am Anfang war es etwas ungewohnt - zum Teil wusste ich auch nicht, was ich jetzt genau essen soll. Ich hatte einen seltsamen metallischen Geschmack auf der Zunge und der Magen rumorte. Doch danach ging es immer besser.

Wie ersetzten Sie das Fleisch?
Meine Frau Ruth und ich kochten sehr viel zusammen. Hülsenfrüchte, Bohnen, Pizza, Salate. Manchmal war es auch sehr einfach. Bei Cannelloni al Magro zum Beispiel kann man einfach die „Speckwürfeli“ weglassen und schon ist das Gericht fleischlos. Mit der Zeit wurde ich auch immer kreativer, vertiefte mich in Kochbüchern und probierte neue Rezepte aus. Langweilig ist vegetarisches Essen auf keinen Fall!

War es wirklich ein Verzicht?
Ich hatte mir das viel schwieriger vorgestellt. Aber ich hatte mir gesagt: So, das geht jetzt sechs Wochen ohne Fleisch und daran halte ich mich. Es ist mir vorgekommen, wie wenn ich fliege. Dann sage ich mir auch: So, jetzt sitzt du hier vier Stunden im Flugzeug, ändern kannst du nichts. Mit der gleichen Taktik bin ich beim Fleischverzicht vorgegangen. Klar, manchmal wenn ich nach Hause gelaufen bin, habe ich schon an ein saftiges Stück Fleisch oder ein Cordon Bleu gedacht. Aber es ging ganz gut.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Erstaunlicherweise fast keine. Das Einzige, was mich ein wenig geärgert hat, sind die Menüvorschläge im Restaurant. Da hat man eine Mittagskarte mit neun Gerichten darauf, aber nur eines ist vegetarisch. Und wenn mir das nicht schmeckt, ist das problematisch.

Spürten Sie neben dem metallischen Geschmack am Anfang des Experiments noch weitere körperliche Veränderungen?
Ja, ich fühle mich leichter. Ich nahm insgesamt auch vier Kilogramm ab - und war vor allem nach dem Essen nicht mehr so müde. Das Arbeiten nach der Mittagspause ging viel besser. Zudem ist meine Haut nicht mehr so fettig wie früher. Und das Wichtigste für mich: Mein Blutdruck ist wieder im Normalbereich. Aber dies hat weniger mit dem Fleischverzicht zu tun als mit dem Fakt, dass ich ein wenig abgenommen habe.

Was hat sich im Blutbild geändert?
Da hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Erstaunlicherweise hat sich mein Eisenwert und die Menge an Vitamin B12 verbessert. Also alles Stoffe, die positiv dem Fleisch angerechnet werden. Aber anscheinend habe ich mich mit Milch, Eiern und Käse ausgewogen ernährt und so diesen Status gehalten. Der Cholesterinspiegel hingegen hat sich überhaupt nicht positiv bewegt. Die Ernährungsumstellung hatte auch keinen positiven Effekt auf den Langzeitblutzucker. Die Harnsäure hat sich aber zum Guten verändert, genauso, wie es mir der Arzt Jeroen Goede vom Universitätsspital prophezeit hat. Zu viel Harnsäure kann ja einen Gichtschub auslösen und das kann man mit dem Fleischkonsum steuern.

Wie lautet also Ihr Fazit nach sechs Wochen Fleischverzicht – werden Sie zum Vegetarier?
Nein (lacht), auf keinen Fall. Dafür habe ich den Geschmack, die Konsistenz von Fleisch viel zu gern. Aber ich möchte mich weiterhin ausgewogen und gesund ernähren. Zudem nehme ich von jetzt an nicht mehr zwei Koteletts, sondern nur noch eines, dafür aber mehr Beilagen. Das neue Gewicht gefällt mir sehr. Aber aus gesundheitlichen Gründen ganz auf Fleisch verzichten will ich nicht. Lieber weniger, dafür mit Genuss.

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Zwei Lieblingsrezepte von Christophe Kläy

  • Flammkuchen

1 Flammenkuchen Teig
150 gr. Sauerrahm
100 gr. Ricotta
3 Frühlingszwiebeln
Salz. Pfeffer, Paprika

Ein vegetarischer Flammkuchen steht auf einem Tisch.

Bildlegende: Flammkuchen SRF

Teig auf ein Blech ausrollen und mit dem gewürzten Sauerrahm bestreichen. Leicht salzen und pfeffern. Kleine Ricotta-Häufchen auf dem Teig verteilen. Das Weisse und Hellgrüne der Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und ebenfalls darüber verteilen. Bei 220 Grad Ober/Unterhitze( Umluft 200 Grad) in den vorgeheizten Ofen schieben.

  • Hummus

1 Dose Kichererbsen (400 g Inhalt)
2 Knoblauchzehen
2 EL Olivenöl
3 EL Zitronensaft
3 EL Sesampaste (Tahin)
Salz
1 EL Butter
1 TL edelsüsses Paprikapulver

Die Kichererbsen im Sieb gründlich kalt abspülen und abtropfen lassen. Knoblauch schälen und würfeln.

Ein Schölchen mit Hummus neben Randensalat.

Bildlegende: Hummus SRF

Kichererbsen mit Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, 2-3 EL Wasser und Tahin zu einer cremigen Paste pürieren (Mixer, Küchenmaschine oder Pürierstab). Mit Salz und Kreuzkümmel abschmecken und in eine kleine Schüssel füllen. In der Mitte mit dem Löffel eine kleine Mulde eindrücken.

Die Butter in einem Pfännchen nur zerlaufen lassen, soll nicht braun werden, dann das Paprikapulver unterrühren. Die rote Butter in die Mulde und über den Rest vom Hummus laufen lassen.

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