Essen wie ein Yogi

Mehr Vitalität und Ausgeglichenheit: Wer Yoga nicht nur als Entspannungsgymnastik versteht, sondern auch auf seinem Teller praktiziert, soll davon spürbar profitieren. Der Gewinn wird mit Verzicht und strengen Regeln erkauft.

Früchteschale, hinter der eine Frau eine Yoga-Übung macht.

Bildlegende: Wer sich streng nach den yogischen Regeln ernährt, isst nur zweimal am Tag – und nur, wofür kein Leben gelassen wurde. Colourbox

Wer «Yoga» hört, denkt wahrscheinlich an Positionen wie den Lotus-Sitz, den Sonnengruss, die Kobra oder den Krieger. Weniger geläufig ist: Man kann sich auch yogisch ernähren. Das soll helfen, den Geist zu beruhigen und von unnötigem Ballast zu befreien.

So weit die Theorie. Aber wie sieht die yogische Ernährung ganz praktisch auf dem Teller aus?

Yoga-Lehrerin Patricia Wittwer ernährt sich schon seit einiger Zeit yogisch. Und der Effekt, sagt sie, sei einfach grandios: «Ich kann mit dieser Ernährung viel mehr leisten im Alltag!» Sie sei wacher, vitaler, beweglicher, habe keine Gelenkschmerzen, schlafe besser, sei weniger vergesslich und habe so gut wie keine Kopfschmerzen mehr. Und das Energie-Tief am Nachmittag? Weg!

«Zur yogischen Ernährung gehört alles, was frisch ist, was man gleich pflücken kann», umreisst Wittwer ihren Speiseplan. «Gemüse, Früchte, Salat, alles was farbig ist und wo man sieht, dass es so richtig Lebensenergie enthält.» Keine Lebensenergie liefern Fleisch, Eier, Aufgewärmtes und Gefrorenes, Convenience-Food oder Fertigprodukte aller Art. Dasselbe gilt für scharfe Gewürze, Kaffee, Schwarztee und Alkohol – lauter Produkte, die unruhig machen.

Rohkost als Ideal

Anzusteben ist eine reine Ernährung, die keinen Schaden anrichtet und kein Leben auslöscht. Nur schon das Kochen wirkt diesem Ideal entgegen, das sich mit Rohkost am besten verfolgen lässt. «Rohkost enthält am meisten ‹Prana› – jene Lebensenergie, die uns ausmacht», erklärt die Zürcher Yoga-Lehrerin. Wer streng nach den yogischen Regeln lebt, isst nur zweimal am Tag: einmal am Morgen und einmal in der zweiten Tageshälfte.

Das lässt sich mit den heutigen Lebensgewohnheiten nur schwer vereinbaren, weiss Patricia Wittwer. Und auch die Rohkost am Nachmittag sei nicht Jedermanns Sache. Einfacher ist es mit einem anderen Yogi-Ideal: sich nicht satt oder übersatt essen. «Man sollte immer noch ein Viertel oder ein Drittel Platz im Magen haben, damit sich das Prana noch besser entfalten kann.»

Vegetarisch, aber nicht vegan

Die yogische Küche ist – zumindest von aussen gesehen – doch eine recht strenge Angelegenheit: mit wenig Salz, ohne Zwiebeln und Knoblauch, ohne Weissmehl oder Zucker. Gesüsst wird zum Beispiel mit Yacon, einer südamerikanischen Wurzel, die nach Caramel schmeckt, oder mit Kokosblüten-Nektar. Und anstelle von gezuckerter Schokolade gibt es Datteln.

Das erinnert stark an vegetarische oder sogar vegane Ernährung. Stimmt, meint Patricia Wittwer. Im Gegensatz dazu könne sich ein Yogi aber auch mit Milchprodukten wie Käse oder Joghurt ernähren.

Übrigens: Während des Essens trinkt ein Yogi nichts, da sonst das «Verdauungsfeuer» gelöscht würde. Der Griff zum Glas ist erst eine Stunde nach dem Mahl empfohlen.