Federkohl – wie super ist das Superfood?

In den USA ist Kale – so heisst der Federkohl auf Englisch – seit Jahren der Renner. Nicht nur zahlreiche Hollywoodstars schwören auf ihn, wenn es um ihre Traumfigur geht. Auch Köche propagieren den Verzehr und bezeichnen ihn als «Superfood».

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«Superfood» Federkohl

4:37 min, aus Puls vom 25.1.2016

Bei Hollywoodstars ist «Kale» seit Jahren der Renner. Beyoncé trägt gar in ihrem Musikvideo «7/11» einen Pullover mit der Aufschrift «Kale» und wird in Interviews nicht müde zu betonen, dass sie total gerne Federkohl esse. Auch andere Stars wie Jennifer Aniston schwören auf ihn: Er mache eine gute Figur und straffe die Haut.

Die Präsidentengattin saugt mit kritischem Blick an einem Strohhalm.

Bildlegende: Gesund, aber auch lecker? Michelle Obama testet einen Federkohl-Smoothie und scheint noch wenig begeistert. reuters

Federkohl ist seither in den USA definitiv «in». Kale-Kochbücher gibt es Dutzende, Foodblogs stilisieren das Gemüse zum «Superfood» hoch und Hochglanzmagazine widmen ihm Artikel um Artikel. Restaurants mit Federkohlsalaten oder -smoothies im Angebot prägen das Strassenbild der trendigen Grossstädte.

Was macht Federkohl zum «Superfood»?

Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel bezeichnet «Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben», als «Superfood».

Federkohl gilt als eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt. Denn im Vergleich zu anderem Gemüse enthält er sehr viele und hochdosierte Nährstoffe. Ein Blick auf die Nährwerttabelle bestätigt dies. Der Federkohl liefert beispielsweise viel Vitamin A (wichtig für Haut und Augen), C (wichtig für das Bindegewebe, die Elastizität der Haut und die Abweghrkräfte), K (wichtig für Blut und Knochenbildung) und B (wichtig zur Stoffwechselaktivierung). Zudem verfügt der Federkohl über reichlich knochenstärkendes Kalzium.

Schon 100 Gramm roher Federkohl enthalten die gleiche Menge Kalzium wie zwei Deziliter Milch. Das ist auch der Grund, weshalb er von Vegetariern und Laktoseintoleranten sehr geschätzt wird. Ebenfalls hoch ist der Anteil an Nahrungsfasern. Diese Ballaststoffe machen lange und nachhaltig satt und regulieren zudem die Verdauung. Schliesslich enthält der Federkohl auch viel Folsäure und reichlich Eisen.

Gesund, aber kein Allheilmittel

Ernährungsberater in der Schweiz sind sich einig, dass der Federkohl ein nährstoffreiches Wintergemüse ist. «Doch seine Wirkung auf die Gesundheit des Menschen wurde bisher noch nie wissenschaftlich untersucht», sagt Steffi Schlüchter, Leiterin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE).

«Es ist zwar richtig, dass Vitamin C beispielsweise für die Produktion von Kollagen nötig ist und dieses wiederum für die Elastizität der Haut sorgt. Wenn man jetzt aber sagt, Vitamin C aus dem Federkohl mache eine schöne Haut, ist dies falsch», betont die Ernährungsberaterin. Ein Lebensmittel beziehungsweise ein Inhaltsstoff alleine könne nicht die Gesundheit des Menschen beeinflussen. Nur die Gesamtheit des Lebensstils sei ausschlaggebend für eine gute Gesundheit.

Deshalb ist der Federkohl für Steffi Schlüchter gewiss kein «Superfood», sondern eher ein Marketinggag. Dennoch rät sie Federkohl zu essen, denn er sei ein gesundes und nährstoffreiches Wintergemüse. Zudem bringe er Abwechslung auf unsere Teller.

Federkohl neu zubereitet

Der Federkohl gehört in der Botanik zu den Kreuzblütler-Gewächsen. Wie es der Name schon sagt, gehört er zur Familie der Kohlgemüse wie zum Beispiel der Wirsing, Rosenkohl, Broccoli oder Blumenkohl. Vor allem in Norddeutschland hat der Grünkohl Tradition. In Bremen und Oldenburg wird er bei den Kohlfahrten als Grünkohl mit Pinkel (Wurst) gegessen. Dabei wird der Grünkohl stundenlang gekocht.

«Die rohe Zubereitung des Federkohls unterscheidet sich von der amerikanischen Variante», sagt Hiltl-Köchin Katja Wohlmann. «Vorteil: Der Federkohl verliert durch das stundenlange Kochen nicht die Vitamine. Zudem schmeckt der rohe Federkohl nicht so nach ‹Kohl›, da dieser Geschmack erst durchs Kochen mehr zur Geltung kommt.»

Green Smoothie à la Hiltl Akademie

2 grosse Orangen
3 EL Zitronensaft
1/2 Banane
1/2 Apfel
150 g Mango
1/3 Salatgurke
50 g Federkohl
80 g Spinat
3.5 dl Wasser

Ergibt 4 Portionen

Orangen und Banane schälen. Apfel vierteln, Kerngehäuse entfernen. Mango schälen, Fruchtfleisch entlang dem Stein wegschneiden und in grobe Würfel schneiden. Gurke mit Schale in grobe Würfel schneiden. Federkohl waschen, dicke Stengel entfernen, Blätter trocken tupfen. Spinat ebenfalls waschen und trocken tupfen.

Alle Zutaten im Hochgeschwindigkeitsmixer ca. 1 bis 2 Minuten zu einem geschmeidigen Smoothie mixen.

Historiker vermuten, dass es schon in der Römerzeit Federkohl in der Schweiz gab. Beweise gibt es aber dafür nicht. Erstmals in der Literatur erwähnt wurde der er im 19. Jahrhundert und bis in die Zwischenkriegszeit auch an verschiedenen Orten der Westschweiz und in der Region Basel angebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor er aber immer mehr an Bedeutung. Erst mit der Wiederentdeckung alter Gemüsesorten (pro specie rara) tauchte der Federkohl wieder vermehrt in kleinen Bioläden auf und hat sich zu einer beliebten Gemüsepflanze auch bei Hobbygärtnern entwickelt.

Weil die Nachfrage nach Federkohl stetig steigt, pflanzen Bauern in der Schweiz seit gut drei Jahren Federkohl wieder im grossen Stil an und beliefern unterdessen auch Grossverteiler.

Federkohl ist ein typisches einheimisches Wintergemüse mit Saison von Oktober bis April. Er ist einer der robustesten Vertreter der Kohlfamilie und hält Temperaturen bis -15 °C aus. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Blätter dunkelgrün sind, aber nicht zu gross. Hängende oder gar beschädigte Blätter deuten auf minderwertige Ware hin.

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