Futtern, fahren, futtern, fahren

Stramme Waden und schwitzende Fahrer: Wer bei einem Radrennen wie der Tour de France mitfährt, macht nebst treten vor allem eins: essen.

Radrennfahrer Christopher Froome beisst auf dem Rad sitzend in etwas in Alufolie.

Bildlegende: Team-Sky-Fahrer Christopher Froome braucht bei der Tour de France 2014 sein Mittagessen. Reuters

Nicht nur Strecken, Zeiten und Leistungen der Radprofis sind rekordverdächtig, auch die Essensmengen sind es. Kein Wunder: Zwischen 4. und 26. Juli absolvieren die Radrennfahrer der 102. Tour de France 21 Etappen über eine Gesamtstrecke von 3360 Kilometern – davon sieben knackige Bergetappen, drei hügelige Etappen, neun Tage auf flacher Strecke, ein Einzelzeit- und ein Mannschaftszeitfahren. Ruhetage gibt es nur zwei.

Das zehrt und verbraucht viel Energie. Über 7000 verbrannte Kilokalorien kommen da schnell einmal pro Tag zusammen. Das ist dreimal so viel wie der Tagesumsatz eines Büroarbeiters.

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Was essen Radprofis?

4:43 min, aus Puls vom 16.6.2014

Das ist nur zu schaffen, wenn die Energiespeicher der Sportler voll sind. Deshalb machen sich Profis in der Regel bereits zwei Tage vor dem Rennen «an die Arbeit»: Die Trainingsintensität wird verringert und die Kalorienmenge erhöht. «Das heisst, der Fahrer beginnt, fünf bis sechs Mahlzeiten zu essen – mit dem Fokus auf die Kohlenhydrate», sagt Ernährungsberaterin Beatrice Conrad, die selbst aktive Radsportlerin ist.

Beim dreifachen Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter beispielsweise sah der Menüplan auf einer Etappe der letztjährigen Tour de Suisse so aus: «Unterwegs habe ich verschiedene Powerriegel gegessen. Dann habe ich kleine, vom Team vorbereitete süsse und salzige Reisküchlein gegessen und zum Ende hin Gels genommen – also Flüssignahrung – und dazu isotonische Getränke.» Pro Stunde hat er etwa einen halben Liter getrunken.

Erlaubte «Betthupferl»

Nach dem Rennen machen sich die Profis erneut daran, ihre Energie-Depots wieder aufzufüllen. Neben Teigwaren eignen sich dazu alle Formen von Kohlenhydraten, solange sie nicht zu fettig verpackt sind, also Reis, Mais oder Brot. Gemüse gehört höchstens abends in geringen Mengen dazu. «Salat und Gemüse sind zwar gesund, nehmen aber im Magen viel Platz weg für die vielen Kohlenhydrate, die man in dieser Spezialsituation braucht», erklärt Beatrice Conrad.

Während des Rennens liegt das Augenmerk auf der Bedarfsbefriedigung statt auf Vielseitigkeit, und unter diesem Gesichtspunkt fallen schwer verdauliche Salate und Gemüse für die Tourdauer unter den Tisch. Vor dem Einschlafen legen viele Fahrer noch einmal mit Süssigkeiten nach, Gummibärchen oder Schokolade beispielsweise, denn zum Auffüllen der Kohlenhydratreserven ist jede Zuckerart geeignet.

Zwar haben die meisten Fahrer nach der Etappe von allein Appetit, viel zu essen ist aber auch Übungssache. Je schwerer ein Radfahrer, desto mehr Energie muss er auch zu sich nehmen. Wenn in den Wintermonaten das Training abnimmt, der Appetit aber bleibt, kann das durchaus zum Problem werden. Der frühere spanische Profi Miguel Indurain beispielsweise legte über die Wintermonate regelmässig bis zu zehn Kilo zu.

Während der Renntage beginnt der Tag mit einem ausgiebigen Frühstück:

  • 1 Banane
  • 150 g Müsli
  • 200 g Pasta oder Reis (Gewicht ungekocht)
  • 4 Scheiben Brot
  • 100 g Aufschnitt
  • 250 ml Kaffee
  • 300 ml Milch
  • 200 g Früchte
  • 300 ml Orangensaft

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