Gefährliche «Aufsteller» aus dem Netz

Potenzmittel wie Viagra & Co. übers Internet zu bestellen, ist in der Schweiz immer noch der Renner. Dabei sind die Preise hierzulande mittlerweile deutlich gesunken, und in den Pillen ist auch wirklich das drin, was auf der Packung steht. Bei Bestellungen via Internet ist das nicht so sicher.

Wenn im Bett nichts mehr geht, ist es vielen Männern peinlich, einen Arzt aufzusuchen. Und so bestellen sie sich die Pillen zur Erektionsförderung via Internet aus Asien. Die Zahl der am Zoll abgefangenen Lieferungen sei stetig gewachsen, sagt die Leiterin Kontrolle illegale Arzneimittel bei Swissmedic, Ruth Mosimann. «Mehr als die Hälfte der beschlagnahmten Sendungen enthielt Potenzmittel.»

Und das, obwohl das Viagra-Patent unterdessen abgelaufen ist und deutlich günstigere Nachahmerprodukte auf dem Markt sind. Im Netz aber sind die Pillen noch günstiger zu haben – und vor allem kriegt man sie so auch ohne Arztbesuch.

Inhalt ungewiss

Wer nur für den monatlichen Bedarf bestellt, macht sich nicht strafbar. Aber nur die Hälfte der gelieferten Produkte ist auch in Ordnung. «Es ist fast wie Russisches Roulette», meint Ruth Mosimann «Es gibt teils lebensgefährliche Medikamente, und das kann man nur durch Laboranalysen feststellen.» Sprich: Man sieht es den Pillen nicht an, ob sie richtig oder überdosiert sind, ob sie giftige Stoffe oder gar keine Wirkstoffe enthalten.

All diese Fälle hat das Heilmittelinstitut bei seinen Kontrollen mehrfach festgestellt. Swissmedic ruft deshalb dazu auf, Erektionsmittel nicht übers Netz zu bestellen. Dem schliesst sich auch Kurt April an. Er ist Präsident des Vereins Ärzte für sexuelle Gesundheit. «Viele ältere Männer leiden unter Erektionsstörungen. Das dürften ab 45 Jahren über 25 Prozent sein.» Und deshalb erstaune es ihn nicht, dass im Netz so viele Erektionsmittel bestellt werden.

Offenheit hilft Betroffenen

Aber Viagra oder entsprechende Nachahmerprodukte seien nicht immer die Lösung. Denn oft hätten Erektionsprobleme auch mit Versagensängsten zu tun oder schlicht mit mangelnder Durchblutung. Deshalb rät auch er, bei Erektionsproblemen zuerst einen Arzt aufzusuchen.

April nimmt allerdings auch die Ärzte selber in die Pflicht: Sie müssten die sexuelle Gesundheit ihrer Patienten von sich aus ansprechen. Nur wenn Offenheit spürbar sei, gelinge es den Männern, ihre Hemmung abzubauen.