Marathon – 42 Kilometer Tortur

Für den Körper der Läufer sind die 42.195 Kilometer eine enorme Strapaze.

Eine Gruppe Marathonläufer passiert eine Zürcher Brücke.

Bildlegende: Aus Euphorie zu Beginn zu schnell loszulegen, ist einer der häufigsten Marathon-Fehler. Keystone

Marathonlaufen liegt im Trend. Das ist zunächst einmal erfreulich, denn ein gut geplantes, sinnvolles Marathontraining stärkt Muskeln, stählt den Geist und optimiert das Herz-Kreislauf-System. Weniger positiv für den Körper ist das Ziel der Mühen: der Marathonlauf an sich.

40‘000 bis 50‘000 Schritte macht ein Läufer, um die 42 Kilometer zu bezwingen. Die Knie federn pro Schritt Kräfte ab, die dem Drei- bis Fünffachen des Körpergewichts entsprechen. Alles in allem belastet ein 80 Kilogramm schwerer Läufer über die gesamte Strecke jedes Kniegelenk mit insgesamt 5000 Tonnen. Dass die besten Marathonläufer der Welt eher kleine, drahtige und sehnige Leichtgewichte sind, hat also durchaus seine Berechtigung. Denn wie sehr sich ein Läufer schinden muss, hängt auch von seiner Statur ab.

Geschwächtes Immunsystem

Ein Marathonlauf bedeutet für den Körper vor allem Stress. Bereits im Ziel lassen sich Entzündungsreaktionen im Körper nachweisen. In den folgenden Tagen sind die Sportler dann besonders anfällig für Infekte. Das belegt auch eine Marathon-Studie der Technischen Universität München in Kooperation mit der Sportmedizin der Universität Basel (ISSW).

Belastungsprobe fürs Herz

Auch fürs Herz bedeutet die Langstrecke Schwerstarbeit. Bei vielen aufgeregten Startern schnellt der Puls zu Anfang auf 180 Schläge hoch, dann pendelt er sich oft um die 140 Schläge pro Minute ein – auf die Zeit gerechnet pumpt das Herz damit unter Hochdruck. Sogar bei trainierten Sportlern steigt das Risiko für einen Herzinfarkt während des Laufs um das Siebenfache. Zudem nimmt die Geschmeidigkeit des Herzmuskels ab, weil er sich nicht mehr ausreichend entspannen kann. Die Veränderungen normalisieren sich innerhalb der nächsten drei Tage wieder.

Leere Speicher

Der sprichwörtliche «Mann mit dem Hammer» wartet in der Regel zwischen Kilometer 30 und 32. Die Kohlenhydrat-Vorräte sind dann verbraucht, die Energie wird zunehmend aus der Fettverbrennung gewonnen. Das erfordert jedoch viel Sauerstoff und Energie und strapaziert den inzwischen geschwächten Körper weiter. Auch die Zeit der Krämpfe beginnt, denn der Körper hat inzwischen viel Wasser und Mineralien verloren. Bis im Ziel können das bis zu vier Liter Körperflüssigkeit sein. Verpflegungsangebote wahrzunehmen ist deshalb extrem wichtig.

Kilometer gehen an die Nieren

Auch der Niere ist die Extrembelastung anzumerken. Eine Untersuchung an 167 Teilnehmern vor und nach dem Berlin-Marathon zeigte, dass mehr als die Hälfte der Läufer eine vorübergehend beeinträchtigte Nierenfunktion aufwies. Direkt im Ziel war die Nierenfunktion so stark beeinträchtigt, dass die Messwerte einem Stadium 2 oder 3 bei einer akuten Nierenschädigung entsprachen – ab Stadium 4 spricht man von einem kompletten Ausfall der Nieren. Allerdings normalisierten sich die Werte von selbst nach zwei Wochen wieder.

Immerhin: Während des Laufs werden mehr Glückshormone ausgeschüttet. Die Endorphine dienen nach gängiger Expertenmeinung aber weniger dafür, Hochgefühle auszulösen, als vielmehr die Schmerzen zu dämpfen.

Falscher Ehrgeiz ist also bei allen Amateurläufern fehl am Platz – besser ist es, auf sein Bauchgefühl zu hören, um von den gut 42 Kilometern Erinnerungen, Erfahrungen und eine Finisher-Urkunde mitzunehmen statt bleibender gesundheitlicher Probleme.